RLB Niederösterreich-Wien muss weiter abspecken

26. April 2017, 14:03
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Die Beteiligung am Spitzeninstitut beschert der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien einen Verlust. Jetzt wird strikt gespart, auch beim Personal

Wien – Der Weg "zurück zur klassischen Regionalbank", wie Klaus Buchleitner ihn skizziert, ist für die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien (RLB) hart. Am Ende wartet dort laut dem Chef der größten der acht Raiffeisenlandesbanken das Brot- und Buttergeschäft. Von Treasury, Wertpapier- und Interbankengeschäft habe man sich sukzessive verabschiedet, sagt Buchleitner bei der Präsentation der Jahresbilanz, in der es einiges zu verdauen gab.

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In der Konzernbilanz der RLB NÖ-Wien hat sich vor allem die 192 Millionen Euro schwere Abschreibung auf die Raiffeisen Zentralbank (mittlerweile mit Raiffeisen Bank International fusioniert) niedergeschlagen. Unter dem Strich steht 2016 ein Verlust von 63,9 Millionen Euro, nach einem etwas höheren Gewinn im Jahr davor. Eine mögliche Fusion der beiden Institute ist laut Buchleitner vom Tisch.

Die Raiffeisen Holding NÖ-Wien, die ihren Nettogewinn auf 141,7 Millionen Euro verdoppelte, habe die Abschreibung auch dank Bereinigung des Beteiligungsportfolios gut verdaut. Was die RLB NÖ-Wien betrifft, so schmerzte auch der neuerliche Ausfall der Dividende von der RZB. Unter Druck steht die Bank aber auch angesichts der fortschreitenden Digitalisierung und der nicht nur für die Kunden, sondern auch für die Banken "frustrierenden Zinserträge", ergänzt RLB-Vorstand Georg Kraft-Kinz. Seit 2011 sei ein Drittel des Nettozinsertrags verlorengegangen. Die Online-Services nutzen mittlerweile 60 Prozent der Privatkunden. Tatsächlich seien diese aber auch der "Eingang zur Bank, weil die Kunden dann in die Filialen kommen."

Neues Filialkonzept für Wien

Davon gibt es in Wien derzeit 41. Wie viele nach Umsetzung des neuen Filialkonzeptes, an dem derzeit gearbeitet wird, bleiben, sagt Kraft-Kinz nicht.

Buchleitner macht jedenfalls klar, dass weiterhin an der Kostenschraube gedreht wird: "Wir brauchen einen sehr schlanken Betrieb." Weswegen auch heuer "permanentes und intensives Kostenmanagement" angesagt sei. Das betrifft auch die Mitarbeiter – der STANDARD berichtete exklusiv. Seit 2012 sank der Personalstand in der Bank "über natürliche Fluktuation" um fast 20 Prozent oder 300 Stellen. Von Mitarbeiterabbau könne nicht die Rede sein, sagt Buchleitner. 2018 will man von derzeit 1100 auf unter 1000 Beschäftigte kommen. Gestrafft wurde bei Abteilungen und Bereichsleitern. Einige Führungskräfte kamen woanders im Konzern unter.

Fusioniert wird auch in Niederösterreich. Mit 60 Raiffeisenbanken (484 Filialen und 3000 Mitarbeiter) gibt es vier regionale Banken weniger als im Jahr davor. Etwaige Filialschließungen liegen laut Kraft-Kinz "ganz in der Hand der Geschäftsstellenleiter". (rebu, 26.4.2017)

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