Mord an Frau: Fitnesstracker soll Ehemann überführen

27. April 2017, 18:18
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Fitbit-Daten bringen Wende bei Ermittlungen – Elektronik-Gadgets immer wichtiger bei Polizeiarbeit

Anderthalb Jahre nach dem Mord an Connie D. dürfte der Fall kurz vor der Aufklärung stehen. Ursprünglich hatte die Polizei nach einem unbekannten Einbrecher gefahndet, der am Vorweihnachtstag 2015 die zweifache Mutter in ihrem Haus im US-Bundesstaat Connecticut erschossen haben soll.

Zuletzt haben die Ermittlungen allerdings eine drastische Wende genommen. Die Auswertung der Daten auf verschiedenen Geräten hat nun zu einer Anklage gegen ihren Ehemann Richard geführt, der seine Frau und die Mutter zweier gemeinsamer Kinder ermordet haben soll. Zum Kronzeugen in diesem Fall dürfte ihr Fitnesstracker werden.

Ehemann erzählte von Einbruch

Er habe die Kinder zum Schulbus gebracht und sei zur Arbeit gefahren, seine Frau habe sich ins Fitnessstudio aufgemacht. Etwas später sei er zurückgekehrt, da er seinen Laptop daheim vergessen hatte. Im Haus habe er Geräusche im oberen Stockwerk wahrgenommen und dort einen "breit gebauten Mann mit Camouflage-Anzug und Maske" vorgefunden, zitiert CNN aus Ds Schilderung des Vorfalls, der sich zwischen neun Uhr morgens und kurz nach zehn Uhr ereignet haben soll.

In diesem Moment sei auch seine Frau heimgekommen, die schließlich vom Unbekannten erschossen wurde. Der Mann habe ihn schließlich zur Hälfte an einen Stuhl gefesselt und mit einem Schweißgerät gefoltert. Doch schließlich sei es ihm gelungen, ihm den Brenner zu entreißen und ihn in die Flucht zu schlagen, ehe er den Hausalarm auslöste und die Polizei rief.

Seine Schilderung stand jedoch bald in Frage. Die Ermittler konnten im Haus und am Grundstück keine Spuren eines geflohenen Unbekannten finden, sondern nur Hinweise auf Richard D. selbst. Dazu gab es auch keine Spuren eines gewaltsamen Einbruchs in das Haus, auch entwendet hatte der angebliche Täter nichts.

Daten widerlegen Schilderung

Die Polizei sicherte sich Durchsuchungsbefehle für die Alarmanlage, Computer, die Smartphones des Ehepaars und auch das Fitbit-Armbands der Getöteten. Ein Abgleich der Daten ergab schließlich ein völlig anderes Bild der Ereignisse:

Kurz nach neun Uhr hat sich Richard D. demnach zu Hause in sein E-Mail-Konto eingeloggt und seinen Vorgesetzten mit einer Nachricht darüber informiert, dass die Alarmanlage losgegangen sei und er heimfahren müsste, um nachzusehen. Eine Viertelstunde später registrierte der Fitnesstracker Bewegung, während laut Aufzeichnung der Alarmanlage die Garagentür geöffnet wurde. Weitere 20 Minuten später hatte Connie D. Videos auf ihrem Facebook-Account geteilt.

Insgesamt registrierte ihr Fitnesstracker zwischen 9:18 und 10:05 Uhr eine zurückgelegte Distanz von rund 370 Metern. Wäre sie allerdings, der Schilderung ihres Ehemanns folgend, bloß vom Auto ins Erdgeschoss gegangen, seien mehr als 40 Meter nicht realistisch, so die Ermittler. Fünf Tage später erhob D. Anspruch auf die Lebensversicherung seiner Frau. Außerdem wurde auch eine außereheliche Affäre mit einer anderen Frau bekannt.

Mittlerweile wurde gegen Richard D. Anklage wegen Mordes und Falschaussage erhoben. Bei einer ersten Anhörung beharrte sein Anwalt auf seiner Unschuld. Derzeit befindet sich D. gegen Kaution auf freiem Fuß.

Gadgets immer wichtiger für Ermittlungen

Es ist nicht das erste Mal, dass moderne elektronische Begleiter aufgrund ihres Datenschatzes zu einer wertvollen Quelle in der Aufklärung von Verbrechen werden. In einem anderen Mordfall, der sich in Arkansas ereignet hat, sollen etwa Aufzeichnungen des smarten Lautsprechers Amazon Echo neue Erkenntnisse bringen. Nach langem Ringen hat hier die Verteidigung Anfang März eingewilligt, die Daten aushändigen zu lassen, nachdem Amazon sich zuerst geweigert hatte, den Behörden ohne richterlicher Verfügung Zugriff zu gewähren.

In Pennsylvania konnten Ermittler aufgrund der Aufzeichnungen eines Fitnesstrackers vergangenes Jahr nachweisen, dass eine Frau einen sexuellen Übergriff erfunden hatte. Einer der bekanntesten Fälle ist wohl jener des iPhones von Syed Farook, einem der Attentäter von San Bernardino. Nachdem Apple sich dagegen gewehrt hatte, dem FBI eine Hintertüre in dessen Betriebssystem einzurichten, engagierte der Geheimdienst schließlich eine israelische Firma, die das Gerät knacken konnte. (gpi, 26.04.2017)

  • Die Daten eines Fitbit-Armbandes steuerten entscheidende Details zu den Ermittlungen bei.
    foto: ap

    Die Daten eines Fitbit-Armbandes steuerten entscheidende Details zu den Ermittlungen bei.

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