Verhandlungen über 35-Stunden-Woche in Sozialwirtschaft starten

26. April 2017, 12:57
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Für rund 100.000 Beschäftigte – Arbeitgeber: Nicht umsetzbar

Wien – Für die rund 100.000 Beschäftigten des privaten Sozial- und Gesundheitsbereichs starten heute die Verhandlungen über eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 35 Stunden. Das teilten die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp) und die Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida mit.

Gewerkschaften und Arbeitgeber hatten sich im Rahmen der letzten Kollektivvertragsverhandlungen darauf geeinigt, die 35-Stunden-Woche als Ziel im Kollektivvertrag zu verankern.

Beitrag zur Entlastung

Für den stellvertretenden GPA-djp-Bundesgeschäftsführer Karl Dürtscher würde eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich für alle Beschäftigten einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung und zur Verbesserung der Arbeitssituation leisten. "Arbeitszeitverkürzung im Gesundheits- und Sozialbereich ist auch ein Beitrag zur dringend notwendigen Burnout-Prävention." Der stellvertretende vida-Vorsitzende Willibald Steinkellner verwies auf ein permanentes Ansteigen der Teilzeitarbeit. Es sei dringend an der Zeit, die Normalarbeitszeit in der Branche zu verkürzen und der Realität anzupassen.

"Aus volkswirtschaftlicher Sicht spricht alles für eine Verkürzung der Arbeitszeit im Sozial- und Gesundheitsbereich. Das daraus entstehende Beschäftigungspotenzial ist ein wichtiger Hebel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit", betonten die beiden Gewerkschafter. Außerdem würden bessere Arbeitsbedingungen auch die Qualität von Pflege und Betreuung heben. Für Herbst 2017 ist eine Enquete zu diesem Thema mit Beteiligung von Betroffenen und Experten geplant.

Keine Mehrheit dafür auf Arbeitgeberseite

Für die Arbeitgeberseite ist der Vorschlag derzeit nicht umsetzbar. Der Geschäftsführer der "Sozialwirtschaft Österreich", Walter Marschitz, erteilte als Arbeitgeber-Verhandlungsführer der Forderung zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine klare Absage.

Dafür gebe es derzeit weder eine Mehrheit auf Arbeitgeberseite noch sei dies bereits als Ziel vereinbart worden, wie das die Gewerkschaft behauptet habe. Außerdem habe der Gesundheits- und Sozialbereich eher mit einem Arbeitskräftemangel zu kämpfen, der sich durch eine Arbeitszeitverkürzung noch verschärfen würde – "mit negativen Folgen für die Versorgung von Hilfsbedürftigen", meinte Marschitz in einer Aussendung.

Das Thema einer Arbeitszeitverkürzung sei nur ein Teilaspekt einer geplanten gründlichen Befassung mit verschiedenen Aspekten des Arbeitszeitthemas. Bei den heute startenden Gesprächen geht es laut Marschitz neben dem Thema Arbeitszeitverkürzung vor allem um eine Flexibilisierung der Arbeitszeit, um eine Verlängerung von Durchrechnungszeiträumen, Arbeitsbelastung und gesundheitliche Aspekte.

Die Sozialwirtschaft Österreich ist der Verband der Sozial- und Gesundheitsunternehmen. Sie wurde im Februar 1997 als BAGS (Berufsvereinigung von Arbeitgebern für Gesundheits- und Sozialberufe) gegründet. (APA, 26.4.2017)

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