Impfstoffhersteller: Durchimpfung würde 190 Millionen Euro sparen

26. April 2017, 09:45
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Eine Masernerkrankung kostet im Durchschnitt 520 Euro. Je höher die Durchimpfungsraten sind, desto mehr Geld wird an Folgekosten gespart, rechnen Impfstoffhersteller vor

Die Immunisierung breiter Bevölkerungskreise gegen infektiöse Krankheiten zahlt sich laut dem Österreichischen Verband der Impfstoffhersteller aus. "Eine Studie in sieben westeuropäischen Staaten zeigt, dass die Kosten für Impfstoffe nicht einmal 0,5 Prozent aller nationalen Gesundheitsausgaben betragen", heißt es in einer Aussendung.

"Die wissenschaftliche Datenlage belegt aber klar, dass Impfungen eine der kostengünstigsten Interventionen im Rahmen der öffentlichen Gesundheit sind, die Renditen auf individueller, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene erzielen", heißt es weiter.

Dass Impfen dem Steuerzahler Geld spart, zeige beispielsweise eine EU-weite Studie zur Influenza-Impfung aus dem Jahr 2014: Von den 180 Millionen Europäern, für die eine Influenza-Impfung empfohlen wird, seien aktuell jedes Jahr nur etwa 80 Millionen auch tatsächlich geimpft. In dieser Gruppe würden durch eine Impfung in diesem Ausmaß jährlich mindestens 1,6 Millionen Krankheitsfälle, 45.000 Hospitalisierungen, 25.000 Todesfälle und 715.000 Krankenstandtage vermieden – ebenso Kosten in der Höhe von knapp 250 Millionen Euro.

Todesfälle verhindern

Würde die empfohlene Durchimpfungsrate von 75 Prozent in den gefährdeten Bevölkerungsgruppen tatsächlich erreicht werden, könnten die mit Influenza im Zusammenhang stehenden gesundheitlichen Folgen um zusätzliche 1,6 Millionen Fälle reduziert werden, weitere 24.000 Hospitalisierungen wären nicht notwendig und 10.000 Todesfälle könnten darüber hinaus vermieden werden. Das gelte auch für rund 680.000 Arztbesuche und knapp 900.000 verlorene Arbeitstage. Insgesamt könnten durch Erreichung der empfohlenen Durchimpfungsrate in den Zielgruppen etwa 190 Millionen Euro an zusätzlichen jährlichen Kosten gespart werden.

Einer aktuellen Befragung aus dem Jahr 2016 zufolge sind in Österreich derzeit nur 14 Prozent der über 60-jährigen gegen Influenza geimpft. Die positive Kosten-Nutzen-Relation gelte auch für die Impfung gegen Masern (MMR-Immunisierung). Eine deutsche Studie aus dem Jahr 2009 zeige, dass die durchschnittlichen Kosten einer Masernerkrankung bereits damals 520 Euro betragen hätten.

Kosten in Millionenhöhe

Interessant sei auch ein anderer Kostenvergleich: Infolge eines Masernausbruchs in Italien (2002/2003) mussten mehr als 5.100 Menschen (zwei Drittel davon Kinder) im Spital behandelt werden. Es entstanden direkte Kosten von 17,6 bis 22 Millionen Euro, (40 bis 50 Prozent davon entfielen auf die Spitalsbehandlungen). Mit diesem Geld hätte man damals 1,5 bis 1,9 Millionen Kinder mit einer Dosis MMR-Vakzine (Masern, Mumps, Röteln) impfen können, was zusätzlich viele Fälle von Mumps und Röteln vermieden hätte.

In Österreich hätte man die Kostenvorteile einer Masern-Impfung übrigens bereits in den 1970er-Jahren berechnet: Das jährliche Impfen von 100.000 einjährigen Kindern könnte demnach innerhalb von zwölf Jahren 528 Millionen Schilling (ca. 38 Millionen Euro) einsparen – die Abwesenheit von Eltern am Arbeitsplatz mitgerechnet. (APA, 26.4.2017)

  • Impfungen sind günstigste Interventionen für mehr Gesundheit in einer Gesellschaft.
    foto: apa/dpa/lukas schulze

    Impfungen sind günstigste Interventionen für mehr Gesundheit in einer Gesellschaft.

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