USA treiben Raketenabwehr-Aufbau in Südkorea voran

26. April 2017, 05:53
14 Postings

Soll Ende des Jahres einsatzbereit sein

Seoul/Pjöngjang/Washington – Angesichts der wachsenden Spannungen im Konflikt mit Nordkorea demonstrieren die USA militärische Stärke. Das US-Militär begann am Mittwoch mit dem Aufbau eines umstrittenen Raketenabwehrsystems in Südkorea. Laut der Agentur Yonhap wurden in der Früh die ersten Container mit Bauteilen des Systems Thaad (Terminal High Altitude Area Defense) auf ein Gelände in der Provinz Gyeongsang gebracht.

Die USA hatten die geplante Stationierung des Thaad-Systems bereits angekündigt. Im März hatte das Kommando der US-Streitkräfte im Pazifik mitgeteilt, die ersten Elemente seien in Südkorea eingetroffen. Eine Bestätigung des US-Pazifikkommandos für den Aufbau des Systems gab es zunächst nicht.

Beratungen

Am Mittwoch will sich US-Präsident Donald Trump in Washington mit US- Senatoren und wichtigen Ministern zum Thema Nordkorea beraten. An dem Treffen nehmen unter anderem Außenminister Rex Tillerson und Verteidigungsminister James Mattis teil.

Das Thaad-System dient der Abwehr von Kurz- und Mittelstreckenraketen. Es zielt auf die Bedrohung durch Nordkorea. China sieht durch Thaad seine Sicherheitsinteressen bedroht, weil das weitreichende Frühwarnsystem auch Pekings Raketenpotenzial erfassen und seine Strategie beeinträchtigen könnte, Militärschläge gegen US-Streitkräfte im Pazifik auszuführen.

Michigan in Busan

Bereits am Dienstag legte das atomgetriebene Raketen-U-Boot USS Michigan in der südkoreanischen Küstenstadt Busan an, während Nordkorea offiziell den 85. Gründungstag der Streitkräfte mit massiven Schießübungen beging und mit "atomaren Erstschlägen" drohte. Auch die südkoreanischen und amerikanischen Seestreitkräfte hielten gemeinsam Schießübungen ab.

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, hatte in einem Interview des Senders NBC am Montag gewarnt, Washington könnte zu militärischen Aktionen greifen, sollte Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un von seinem Konfrontationskurs im Streit um das Atomprogramm des Landes nicht einlenken. Trump hatte bereits mehrfach mit Alleingängen gedroht.

Angespannte Lage

Nach zwei Atomversuchen und zahlreicheichen Raketentests durch Nordkorea seit dem vergangenen Jahr ist die Lage in der Region sehr angespannt. Südkorea und die USA gehen davon aus, dass die kommunistische Regierung derzeit einen weiteren Atomtest vorbereitet und erneut ballistische Raketen testet.

Das Einlaufen der USS Michigan in den südkoreanischen Hafen bezeichnete die US-Marine laut CNN als routinemäßigen Vorgang. Das mit Tomahawk-Marschflugkörpern ausgerüstete U-Boot habe nicht an den gemeinsamen Seemanövern mit Südkorea am Dienstag vor der West- und Ostküste teilgenommen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul.

Die USA schicken derzeit auch einen Flottenverband um den Flugzeugträger USS Carl Vinson in die Nähe der Koreanischen Halbinsel, um den Druck auf Nordkorea zu erhöhen. Dem Sender Fox hatte Trump gesagt: "Wir schicken eine Armada, sehr schlagkräftig."

Nordkoreas Volksarmee nahm den Gründungstag ebenfalls zum Anlass, Stärke zu zeigen und den Ton zu verschärfen. Das südkoreanische Verteidigungsministerium bestätigte Medienberichte, wonach Nordkorea an der Ostküste nahe Wonsan umfangreiche Schießübungen mit Artilleriegeschützen abhielt. Bei einem "nationalen Treffen" am Vorabend des Armee-Jubiläums warnte der nordkoreanische Streitkräfteminister Pak Yong-sik laut Berichten der Staatsmedien, dass Nordkorea auf militärische Aktionen der USA vorbereitet sei. (APA, Reuters, 26.4.2017)

    Share if you care.