USA erheben Zölle auf kanadische Holzimporte

26. April 2017, 07:19
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Strafzoll von 20 Prozent, auch Streit um Handel von Milchprodukten – USA könnten für weitere Branchen Schutzmaßnahmen ergreifen

Washington – Zwischen den USA und Kanada verschärfen sich die Handelsstreitigkeiten. Die USA haben angekündigt, einen Strafzoll von 20 Prozent auf den Import kanadischen Weichholzes einheben zu wollen. US-Handelsminister Wilbur Ross warf Kanada am Dienstag vor, Handelsvereinbarungen verletzt zu haben. Dabei geht es um den Vorwurf unzulässiger Subventionen für die kanadische Holzwirtschaft.

Die kanadische Regierung widersprach scharf und bezeichnete die Vorwürfe als unbegründet. Der Schritt werde vielmehr die Kosten für amerikanische Familien erhöhen, die Häuser bauen oder renovieren wollen. Jedenfalls werde Kanada die Interessen seiner Weichholzindustrie energisch verteidigen.

Wichtiger Handelspartner

Ross räumte ein, dass die Kosten noch steigen könnten. Nach Angaben des Handelsministeriums importierten die USA im vergangenen Jahr kanadisches Weichholz im Wert von 5,6 Milliarden Dollar. Kanada ist nach China der wichtigste Handelspartner, 2016 lag das US-Defizit im Handel mit Kanada bei mehr als elf Milliarden Dollar (zehn Milliarden Euro).

Auch über den Handel von Milchprodukten streiten die beiden Nachbarn derzeit. US-Präsident Donald Trump warf Kanada am Dienstag vor, das Geschäft der Milchbauern in den USA sehr schwierig gemacht zu haben. "Das werden wir nicht auf uns sitzen lassen."

Die US-Milchindustrie hatte Kanada vorgeworfen, dass im Zuge einer neuen Preispolitik immer mehr billige Milch in die USA komme. Außerdem blockiere Kanada die Einfuhr amerikanischer Milch, was die US-Milchbauern in erhebliche Schwierigkeiten bringe. Kanada wies die Vorwürfe zurück.

Weitere Schutzmaßnahmen?

Die US-Regierung könnte laut Ross ähnliche Schutzmaßnahmen auch für die Chipbranche, den Schiffsbau und die Aluminiumhersteller ergreifen. Hier müsse man möglicherweise ebenso prüfen, ob Importe die nationale Sicherheit beeinträchtigen, sagte Ross dem "Wall Street Journal". Zugleich erwäge die US-Regierung die Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein Handelsabkommen sowohl mit der EU als auch mit China. Auch die Gespräche über ein Handelsabkommen mit Südkorea könnten wieder aufgenommen werden.

Trump hatte kürzlich eine Prüfung für die Stahlindustrie angeordnet. Sie beruht auf einem Gesetz, das laut Regierung Einfuhrbeschränkungen aus Gründen der nationalen Sicherheit erlaubt. Beim Stahl könne das für die Panzerung von Schiffen zutreffen.

Hintergrund der Konflikte mit Kanada ist auch das nordamerikanische Handelsabkommen Nafta. Die USA hatten bereits angekündigt, das Abkommen mit Kanada und Mexiko neu zu verhandeln. Nafta sei eine Katastrophe, hatte Trump vor kurzem gesagt. Es gehe zulasten amerikanischer Jobs. (APA, 25.4.2017)

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