Heumarkt-Turm: Vassilakous Taktik

Kommentar25. April 2017, 21:08
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Wiens Vizebürgermeisterin lagert die Entscheidung zum Heumarkt-Turm an die Mandatare aus. Ihr Glück ist, dass sie nicht in naher Zukunft zur Wahl steht

Taktische Finesse kann Wiens Vizebürgermeisterin nicht abgesprochen werden. Sie lagert eine Entscheidung über die grüne Haltung zum Luxuswohnturm am Heumarkt, den die Parteibasis in einer Befragung abgelehnt hat, einfach an die Mandatare aus. Klubchef David Ellensohn wurde damit gezwungen, Farbe zu bekennen: Er stellt sich hinter Vassilakou und versichert, dass es bei der Abstimmung am 1. Juni eine rot-grüne Mehrheit im Gemeinderat geben wird.

Die Parteispitze muss es schaffen, zumindest sieben ihrer zehn Abgeordneten auf Kurs zu halten. Wird dieses Ziel verfehlt, hat nicht nur Vassilakou ein gewaltiges Problem, sondern auch Ellensohn. Dieser wollte sich eigentlich im Hintergrund auf höhere Weihen vorbereiten. Mit einer Niederlage wäre er aber wohl ebenfalls Geschichte.

Die Frage ist, wie die grüne Basis darauf reagiert, dass ihr Nein de facto ignoriert wird. Vassilakous Glück ist, dass sie nicht in naher Zukunft – wie SPÖ-Landesparteichef Michael Häupl am Samstag – zur Wahl steht. Der Protest von unten hat aber auch etwas bewirkt: Im Wohnturm sollen jetzt die Hälfte der geplanten 50 Luxuswohnungen für Räumlichkeiten im öffentlichen Interesse zur Verfügung stehen. Das kann Vassilakou als Erfolg verbuchen.

Dieses Zugeständnis des Investors erzeugt auch Druck auf die Unesco, die mögliche Aberkennung des Welterbes zu überdenken. Beharrt diese weiter nur auf einer Höhenbeschränkung, zeigt das, wie diese Organisation tickt. (David Krutzler, 25.4.2017)

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