Harter Machtkampf über den Wolken

25. April 2017, 18:12
posten

US-Airlines haben sich konsolidiert – Wachstum in Asien – Europa versucht es mit Billigschiene

Während die europäische Luftfahrt sich mit erheblicher Anstrengung bemüht, den Billig-Airlines Konkurrenz zu machen und den Golf-Airlines die Stirn zu bieten, sind global gesehen die US-Fluglinien schon weiter. Sie haben sich nach unzähligen Pleiten in der Vergangenheit wieder erholt.

Die US-Airlines sind profitabel, wenn auch nicht immer kundenfreundlich, wie das Beispiel United Airlines zeigt. Wie berichtet wurde ein Passagier gewaltsam aus dem überbuchten Flieger gezerrt. Die US-Airlines haben sich in den vergangenen Jahrzehnten konsolidiert, Gesellschaften wie PanAm und einige andere gibt es nicht mehr. Und selbst der Trump Shuttle, der regelmäßig zwischen New York und Washington flog, ist schon lange Geschichte.

Dynamischer Markt Asien

Der dynamischste Markt ist derzeit Asien, mit einem enormen Wachstum einer China Air oder China Eastern und einiger Linien mehr. Dort jagen die prominentesten Golf-Carrier wie Emirates, Etihad (Geldgeber von Air Berlin und Alitalia) und Qatar Airways den etablierten europäischen Fluglinien die Passagiere ab. Zum einen, weil ihre Drehkreuze eine optimale Lage Richtung Asien und Australien haben, zum anderen, weil ihre Eigentümer (staatsnahe Gesellschaften) den Airlines günstige Konditionen bieten.

Turkish Airlines wiederum hat mit den Europäern bisher ebenfalls auf der Langstrecke konkurriert. Derzeit wird jedoch alles von den politischen Unruhen im Land überschattet.

Alle drei Golf-Airlines, deren Eigentümer auf riesigen Öl- und Gasquellen sitzen, machen den drei großen Europäern (IAG, die Mutter von British Airways und Iberia, Air France-KLM und Lufthansa) auf den Asienrouten massive Konkurrenz. So musste auch die AUA im Vorjahr die Strecke Wien-Dubai einstellen.

Die australische Qantas etwa schickt seit Jahren ihre Flüge Richtung Europa über Dubai, das Drehkreuz von Emirates. Und Qatar hält 20 Prozent an der IAG. Warum bei Alitalia und Air Berlin die Zukunft ungewiss ist, hängt auch damit zusammen, dass Etihad wegen des niedrigen Ölpreises mehr auf das Geld achtet als früher. Offenbar, so wird gemunkelt, versucht Etihad nun einen "Notausgang" aus den Pleite-Airlines Air Berlin und Alitalia zu finden.

Gefährliches Golf-Trio

Das Golf-Trio sei für die Lufthansa gefährlicher als die Billig-Airlines Ryanair und Easyjet, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. In Europa geht der Trend klar in Richtung Billig-Airlines, die bereits rund die Hälfte des europäischen Marktes auf sich vereinen.

"Wir haben die Entwicklung der Low-Cost-Airlines maßlos unterschätzt", betonte ein Lufthansa-Manager. Lufthansa, aber auch ihre europäischen Mitbewerber versuchen, mit eigenen Billig-Airlines wie Vueling, Transavia oder Eurowings Ryanair und Co Paroli zu bieten.

Ob Air Berlin und Alitalia überleben, ist fraglich, die Lufthansa hat von Air Berlin nur einige Flieger samt den Crews übernommen. Nicht zuletzt, um der Konkurrenz nicht die Flugrechte zu überlassen. Ob das Konglomerat Eurowings mit fünf oder sechs unterschiedlichen Kollektivverträgen erfolgreich ist, bleibt abzuwarten.

Verschärft wird die Situation auf dem Kontinent durch die absehbare Reaktion von Ryanair und Easyjet auf den Brexit. Beide Airlines haben bereits angekündigt, neue Maschinen zunächst nur noch außerhalb Großbritanniens zu stationieren. Und vielleicht kommt es doch zu der oft kolportierten Liaison Lufthansa mit einem der Golf-Carrier. (Claudia Ruff, 25.4.2017)

    Share if you care.