Le Pen versucht es mit einer Doppelstrategie

25. April 2017, 17:33
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Die Präsidentschaftskandidatin bemüht sich um ein maßvolles Auftreten, russische Hacker attackieren Macron

Bei einer Trauerzeremonie in Paris hat Frankreich am Dienstag den bei einem Anschlag auf den Champs-Élysées erschossenen Polizisten geehrt. Präsident François Hollande rief die beiden Kandidaten um seine Nachfolge bei der Feier am Sitz der Pariser Präfektur auf, die Sicherheit des Landes mit genügend Polizeikräften zu gewährleisten. An der Feier nahmen sowohl Emmanuel Macron als auch Marine Le Pen teil, die sich für den zweiten Wahlgang in zehn Tagen qualifiziert haben. Die Rechtspopulistin gab sich so würdevoll wie möglich. Am Vortag hatte sie den Vorsitz des Front National abgegeben, um sich den Wählern nicht als Vertreterin einer Partei zu präsentieren.

Ihr Vater Jean-Marie Le Pen erklärte indes am Dienstag, die Kampagne seiner Tochter sei "zu cool". Er hätte wie Donald Trump im US-Wahlkampf einen "sehr aggressiven Ton" angeschlagen. Marine Le Pen bleibt aber ihrer Strategie treu, keine Reizthemen wie Immigration oder Todesstrafe aufzugreifen.

Glatte Wogen, wenige Wähler

Wenn sich die Rechtsextremistin nun Zurückhaltung auferlegt, dann nicht nur, um sich ein staatstragendes Image zu geben. Laut Politologen kann die Front-National-Kandidatin mit einem besseren Resultat rechnen, wenn die Wahlbeteiligung tief liegt. Aus diesem Grund versucht sie, den wahlpolitischen Wellengang tief zu halten. Je aggressiver sie antritt, desto eher könnte dies die Wähler der ausgeschiedenen bürgerlichen oder linken Kandidaten dazu bringen, am 7. Mai doch noch wählen zu gehen – gegen Le Pen.

In den sozialen Medien halten sich die Le-Pen-Anhänger weniger zurück. Seit Sonntag schlachten sie den Fehltritt Macrons aus, der seinen Erfolg im ersten Wahlgang in der Pariser Brasserie La Rotonde zusammen mit Pariser Prominenten wie einen Wahlsieg mit Champagner feierte. Das erinnert viele Franzosen an die imagemäßig katastrophale VIP-Feier von Nicolas Sarkozy 2007 im Nobelrestaurant Fouquet’s.

Angriff auf Macron

Dazu zirkulieren im Internet weiter Gerüchte, Macron habe sein Vermögen falsch deklariert, er werde von Saudi-Arabien finanziert oder er sei homosexuell. Der Angesprochene hat für diese Behauptungen schon mehrfach russische Hacker verantwortlich gemacht. Eine in Japan sesshafte Firma für Cybersicherheit, Trend Micro, publizierte am Dienstag einen Bericht, wonach die aus Russland geleitete Hackergruppe Pawn Storm – auch bekannt als Fancy Bear –, die im US-Wahlkampf Hillary Clinton angegriffen hatte, neben zwei deutschen Politstiftungen auch Macron attackiere.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte Marine Le Pen im März im Kreml empfangen. Der französische Geheimdienst warnte die Kandidaten vor russischen Hackerangriffen wie im US-Wahlkampf. (Stefan Brändle aus Paris, 25.4.2017)

  • Marine Le Pen beim Gedenkakt für den getöteten Polizisten.
    foto: ap / francois mori

    Marine Le Pen beim Gedenkakt für den getöteten Polizisten.

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