Ganz altes Mediendenken der Politik

    Kolumne25. April 2017, 17:32
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    Teile der österreichischen Politik versuchen den ORF-Moderator Armin Wolf wegen seiner "scharfen Interviews" fertigzumachen

    Der Privatsender Puls 4 organisierte dieser Tage eine Konferenz über die technologiegesteuerte Medienzukunft. Unter den Teilnehmern die amerikanische New-Media-Unternehmerin Randi Zuckerberg und David Wilkinson von Cambridge Analytica. Letztere stellen übrigens die (umstrittene) Behauptung auf, mit ihren Daten die Wahl von Donald Trump und den Brexit herbeigeführt zu haben. Ein "Game changing"-Thema: ob die Social Media die Demokratie "hacken".

    Meanwhile, hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen: Teile der österreichischen Politik und ein paar angeschlossene Interessen versuchen den ORF-Moderator Armin Wolf wegen seiner "scharfen Interviews" fertigzumachen.

    Eine interessante Koalition aus ÖVPlern, rechten SPÖlern, FPÖlern und Krawallzeitungen hat sich auf Armin Wolf eingeschossen. Wobei die Drohungen schon ganz schön massiv sind: Der ehemalige NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll fordert ORF-Chef Alexander Wrabetz auf, den Kern der Informationsredaktion und Wolf quasi auszuräuchern. Der rechte Sozialdemokrat Roland Brunhofer, früher Salzburger ORF-Landesdirektor, soll "Channel Manager" werden und droht Wolf & Co kaum verhohlen. Der stellvertretende technische Direktor Thomas Prantner, an sich einer der Gemäßigteren mit FP-Nähe, spricht im Profil von "Anklagebank und Verhörraum". Zum Drüberstreuen fährt auch die Kronen Zeitung noch eine Kampagne gegen Wolf. Österreich hingegen betreibt seine Anti-Wolf-Kampagne mit einem branchenbekannten Verleger einer Branchenzeitschrift als "Kronzeugen". Nun muss man fein differenzieren: Selbstverständlich spielt auch Armin Wolf Machtspielchen. Aber er ist ein erstklassiger TV-Journalist.

    Bemerkenswert, AMS-Direktor Johannes Kopf (ÖVP) auf Twitter an die ORF-Geschäftsführung: "Armin Wolf wird aktuell von mehreren Seiten ... insbesondere für seinen Interviewstil öffentlich massiv kritisiert ... seinen Interviewstil zeichnet aus, dass er darauf drängt, oftmals auch insistiert. Immer sind wir nach dem Studiogespräch besser informiert."

    Schwer vorstellbar, dass der ORF tatsächlich eines seiner Markenzeichen beschädigen (lassen) will. Das eigentliche Thema ist aber: Im Hintergrund walten Kräfte, die an die Substanz der demokratischen Öffentlichkeit gehen. Einerseits wollen die Rechtspopulisten, von Donald Trump abwärts, kritische Medien zum Schweigen bringen. Die Rechtspopulisten sehen kritischen Journalismus als größtes Hindernis für ihre Machtübernahme. Und die traditionellen Parteien oder Teile von ihnen sind verzweifelt über ihren Zerbröselungsprozess und glauben, das aufhalten zu können, indem sie sich Medien kaufen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk unter Druck setzen.

    Das ist ganz altes, defensives Mediendenken. Während die Parteisoldaten noch Verlautbarungsfernsehen wieder einführen wollen, sind die jungen Medienkunden schon ganz woanders. Kritische (Qualitäts-) Medien erleben gerade in Zeiten von Trump & Co neues Leserinteresse. Politiker, die mit Medien umgehen können, wie etwa Kern und Kurz, müssen sich nicht vor Interviews fürchten. Die anderen wird auch kein Zugriff auf den ORF retten. Sie wollen das nicht glauben – und daher muss ihnen eine kritische Öffentlichkeit eben hart auf die Finger klopfen. (Hans Rauscher, 25.4.2017)

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