Werbetragödien im Fernsehen: Leider Schwein gehabt

25. April 2017, 17:17
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Um den Halter des herzigen Ja! Natürlich-Schweinderls muss man sich tiefe Sorgen machen – Obwohl: Verglichen mit dem Schärdinand geht es unserem Bauern ja noch gut

Irgendwann im Leben unserer Werbe-Testimonials kommt die Zeit, da auch sie in sich den lebhaften Drang nach Sesshaftigkeit verspüren. Bereits vor vielen Jahren hat die Familie Putz in einem bekannten Möbelhaus die Zelte aufgeschlagen. Spott verbietet sich von selbst. Es ist bestimmt kein Leichtes, sein Leben eingezwängt zwischen Küchenzeilen und Polstermöbeln zu verbringen.

Als Ausweg aus der Misslichkeit haben Putzens beschlossen, einander die Ewigkeit im Einkaufsmarkt mit Schaustellungen zu versüßen. Papa Putz zum Beispiel ist in kleidsame Strumpfhosen geschlüpft und hat den Baryshnikov in sich entdeckt. Als Nächstes spielen diese Irren, bloß um sich eine Freude zu bereiten, vielleicht noch Heiner Müller vor dem Einbaukasten (Stückvorschlag: Die Umsiedlerin!).

Tiefe Sorgen muss man sich derweil um den Halter des herzigen Ja! Natürlich-Schweinderls machen. Anstatt endlich die apfelbäckige Dorfschullehrerin zu minnen und die Alpenschöne in die Zirbenstube zu entführen, hat der Biobauer mit seinem Freund, dem pubertierenden Ferkel, eine Zweckgemeinschaft gebildet. Da sitzt er nun den langen, lieben Tag, muss Hekatomben von Frischkäse auf sein mürbes Biobrot schmieren und sich vom juvenilen Schwein Laxheit in erotischen Fragen vorhalten lassen.

Zur Strafe macht der Landwirt jetzt noch eine Frühstückspension auf. Die Lehrerin hat wahrlich Besseres zu tun, als sich mit diesem Tropf der Nachhaltigkeit abzugeben.

Obwohl: Verglichen mit dem Schärdinand, der seine notorische Schüchternheit mit dreistem Käsediebstahl sublimiert, geht es unserem Bauern ja noch gut. (Ronald Pohl, 25.4.2017)

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    foto: dpa/bernd thissen
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