Frauenkonferenz: Ivanka Trump und die problematischen Feminismus-Advokatinnen

Kommentar26. April 2017, 16:36
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Bei genauem Hinsehen bleibt in der Realität vom Engagement der "First Daughter" nicht viel über

Ein Trend geht um: Jener überaus elitärer Konferenzen, auf denen in erster Linie gebildete, steinreiche Frauen in hochkarätigen, weiblichen Zirkeln einander für ihre sehr individuellen Erfolge in überaus exklusiven Bereichen loben. Die derzeit tagende "Women 20"-Konferenz in Berlin reiht sich ein in eine Modeerscheinung, die die amerikanische Autorin und Journalistin Andi Zeisler unter "Marktfeminismus" verbucht: Ein Hochglanz-Wohlfühl-Feminismus, der den Blick darauf verstellt, dass die Macht, die Leistungen und Erfolge der meisten Teilnehmerinnen dieser Konferenzen unter sehr speziellen Bedingungen ermöglicht wurden, die dem Großteil der Frauen auf diesem Planeten nicht zur Verfügung stehen. Durch eine Heerschar von Putzkräften und Kindermädchen etwa, deren Lebensrealität eine völlig andere ist.

Die W20-Konferenz wäre mit großer Wahrscheinlichkeit weitgehend klanglos zu Ende gegangen, wäre nicht Ivanka Trump zu der illustren Runde aus Politikerinnen, Ökonominnen und Unternehmenschefinnen dazugestoßen: Sie ist Tochter des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump und seit März dessen offizielle Beraterin, weshalb Ivanka Trump im W20-Programm für das Panel mit dem Titel "Inspirierende Frauen" auch als "First Daughter" angekündigt wurde.

Einfluss auf Präsidenten

Die 35-Jährige ist außerdem Mutter dreier Kinder, erfolgreiche Businessfrau und eine Art letzte Hoffnung vieler liberaler und progressiver Amerikaner: Von ihr heißt es, dass sie das Lieblingskind des Präsidenten sei, weshalb ihr nachgesagt wird, einigen Einfluss auf ihren allem Anschein nach weitgehend beratungsresistenten Vater zu haben. Neben dem Umweltschutz liegt Ivanka Trump eigenen Aussagen zufolge die Unterstützung arbeitender Frauen am Herzen. Wie weit sie hier einwirken kann, bleibt ebenso ein Rätsel wie ihre Rolle im Weißen Haus oder damit einhergehende politische Ziele.

Erahnen lässt sich aber, wie ernst es Ivanka Trump bei ihrem selbsternannten Leibthema ist. Nach allem, was ihr bisher an Konkretem zu entlocken war, soll Kinderbetreuung und Mutterschutz ihrem Verständnis nach nur bestimmten Gruppen zugute kommen: Mutterschutz etwa sollen nur biologische Mütter von natürlich geborenen Kindern erhalten, Männer sind nicht für die Karenz vorgesehen, homosexuelle Paare und Adoptiveltern ebenso wenig.

Das schlägt sich auch in den vordergründig feministischen Werbebotschaften nieder, mit denen sie stets ihre Modelinie beworben hat, bis sie ins Weiße Haus zog: "Women Who Work" lautet der gerne von ihr benützte Hashtag. Auch ihr Buch mit Anleitungen für Mütter auf dem Weg zum beruflichen Erfolg trägt diesen Titel.

Wo sich Marktfeminismus selbst entblößt

Produzieren ließ Ivanka Trump nach Recherchen von US-Zeitungen ihre Kleidung in einem Unternehmen, das seinen Arbeiterinnen keinen Mutterschutz anbietet. Selbst ihre eigene Firma, deren Führung sie nun abgegeben hat, bietet keine bezahlte Karenz. Ivanka Trump betont, dass sie selbst eine Woche nach der Geburt ihres ersten Kindes wieder gearbeitet habe. Den Stab an Angestellten, der ihr zu Hause unter die Arme griff, erwähnt sie allerdings nicht.

Dass Ivanka Trump keine Probleme bei der Vereinbarung von Beruf und Familie kennt, zeigt ein Blick auf ihren Instagram-Account: Jenes Bild von der "First Daughter" in perfektem Styling und Highheels mit ihrem kleinen Sohn vor pädagogisch wertvollem Spielzeug – Bausteine, die in chinesischer Sprache beschriftet sind – ist eine Verhöhnung.

Wenn die Zuschreibung zum Feminismus in der Realität nur mehr auf hohle Werbeslogans und marketingtaugliche Sprüche reduziert werden kann, dann verkommt die Bewegung zum Marketing-Gag. Dann entzieht der bei derartigen Konferenzen so gern benützte Begriff der "Ermächtigung" nur der tatsächlichen politischen und sozialen Ungleichheit die nötige Aufmerksamkeit. (Anna Giulia Fink, 26.4.2017)

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