Alitalia: Waterloo für Gewerkschaft

    Kommentar25. April 2017, 16:37
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    Der Protest der Alitalia-Beschäftigten galt in erster Linie den Gewerkschaften

    Die Regierung, das Management von Alitalia, aber auch die Gewerkschaften hatten dem Sanierungsplan für die marode Airline kürzlich zugestimmt. Die Arbeitnehmervertreter hatten die Belegschaft aufgefordert, ebenfalls für den Rettungsplan zu stimmen. Es gebe keine Alternative, warnten sie. Doch die Mehrheit der Mitarbeiter scherte sich keinen Deut um die Meinung der Gewerkschaften – auch nicht um ein Überleben der Fluggesellschaft, die inzwischen vor dem Konkurs steht.

    Ihre Abstimmung kommt einem Selbstmord gleich. Sie ist Ausdruck für das inzwischen weit verbreitete Misstrauen gegenüber den Institutionen im Allgemeinen und für den Machtverlust der einst tonangebenden Gewerkschaften im Besonderen. Die Abstimmung fiel umso überraschender aus, als der revidierte Sanierungsplan die ursprünglich vorgesehene Rosskur wesentlich abgeschwächt hatte: Statt 2000 sollte es nur 800 Entlassungen, statt 30-prozentige Gehaltskürzungen nur acht Prozent weniger Durchschnittsgehalt geben.

    Der Protest der Alitalia-Beschäftigten galt freilich nicht dem Inhalt des Plans. Er galt vielmehr dem Management, da trotz Gewinnversprechungen für das laufende Jahr weiterhin bis zu 500 Millionen Euro Verluste anstehen. In erster Linie jedoch galt er den Gewerkschaften, von denen sich die Alitalia-Belegschaft im Stich gelassen fühlt. Nicht nur für Alitalia selbst, auch für Italiens einst mächtige Arbeitnehmerverbände geht eine Epoche zu Ende. (Thesy Kness-Bastaroli, 25.4.2017)


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