Ulrichsberger Kaleidophon: Extrem tönen und die Felle verhauen

25. April 2017, 15:25
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Treffpunkt der Jazz-, Neue-Musik- und Impro-Avantgarde: Von Freitag bis Sonntag spielen mehr als vierzig Musikerinnen und Musiker auf

Ulrichsberg – Zehn Konzerte zwischen den Polen avancierter Jazz, Neue Musik und Freistilimprovisation bietet das Festival Ulrichsberger Kaleidophon, das am Freitag mit E Pericoloso Sporgersi startet. Das deutsch-belgische Duo – Gunda Gottschalk (Violine, Viola) und Peter Jacquemyn (Kontrabass) – hat sich von mongolischen Schamanen und traditionellen Musikern inspirieren lassen.

Cello (gespielt von Okkyung Lee), Elektronik und Perkussion bereichern gelegentlich den Improvisationssound des Klavier-Saxofon-Bass-Trios von Frank Gratkowski, Achim Kaufmann und Wilbert de Joode; im Septett firmieren sie als Skein. Dem Funkrock- Groove in seinen avantgardistisch-brodelnden Ausprägungen huldigt das britisch-australische Quartett Ashes.

Zwar fehlen bekannte Namen wie Mats Gustafsson oder Paal Nilssen-Love, aber die skandinavische Szene ist mit dem norwegischen Kontrabassisten Christian Meaas Svendsen auch heuer vertreten. Der spielt mit Adrian Løseth Waade (Geige), Ayumi Tanaka (Klavier), Andreas Wildhagen (Schlagzeug) und Agnes Hvizdalek (Stimme) als Nakama eine Kombination aus japanischen Klängen und europäischem Jazz.

Der dänische Gitarrist Jakob Bro tritt mit seinem Trio an, in dem der alte Knitting-Factory- und Tzadik-Label-Tausendsassa Joey Baron, oftmaliger Partner von John Zorn, die Felle verhaut. Gitarrist Burkhard Stangl ist ein "musikalischer Konzeptkünstler", der etwa mit John Butcher, Christian Fennesz und Olga Neuwirth musiziert hat. Auch der umtriebige Christof Kurzmann gehört zu Stangls Partnern, in den 1990ern hatte Ersterer mit Fennesz das "Orchester 33 1/3" gegründet, in der Dekade davor mit Helmut Heiland die Indieszene an den Rändern gegen den Strich gebürstet. Später verlegte er sich vor allem auf elektronische Laptop-Sounds.

Mit Stangl feierte Kurzmann auf dem Album Schnee die Eintönigkeit: ein Werk zwischen Postrock und Ambient. Mit Neuschnee versuchte der Klarinettist und Elektroniker dann eine Art Metasong.

In Ulrichsberg nehmen sie im gemeinsamen Auftritt mit dem Rova Saxophone Quartet aus San Francisco dann mit dem Blues Kontakt auf. Zum Abschluss entführt der Chicagoer Joshua Abrams mit der dreiseitigen marokkanischen Laute Gimbri und seiner Natural Information Society in psychedelisch-hypnotische Gefilde zwischen Trance, Minimal Music und Krautrock – samt Verweisen auf Carla Bley. (Gerhard Dorfi, 25.4.2017)

  • Song und Metasong: Burkhard Stangl (li.) und Christof Kurzmann gastieren beim Ulrichsberger Kaleidophon – und nehmen dort Kontakt mit dem Blues auf.
    foto: kaleidophon ulrichsberg

    Song und Metasong: Burkhard Stangl (li.) und Christof Kurzmann gastieren beim Ulrichsberger Kaleidophon – und nehmen dort Kontakt mit dem Blues auf.


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