Schlechte Umfragewerte: Corbyn lockt mit Freizeit

26. April 2017, 08:00
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Schöner shoppen mit Jeremy Corbyn: Weil er in den Umfragen hoffnungslos hinter den Torys liegt, verspricht der Labour-Chef den Briten zusätzliche Feiertage

Die unverhoffte Kampagne zur Unterhauswahl Anfang Juni ist erst wenige Tage alt, da hat Jeremy Corbyn schon die Nase voll. So könne es mit dem Land nicht weitergehen, findet der Vorsitzende der Labour-Party und Chef von "Ihrer Majestät loyaler Opposition", wie sein offizieller Titel im Parlament lautet: "Ich will ein ganz anderes Land."

Der Wunsch wird jedem verständlich sein, der die am Wochenende veröffentlichten Umfragen studiert hat. Unter dem altgedienten Linksaußen steuern die Sozialdemokraten auf das schlechteste Wahlergebnis seit mindestens 35 Jahren zu. Nur rund ein Viertel der Wählerschaft erklärt seine Präferenz für Labour, während die Konservativen unter Premierministerin Theresa May (60) mit bis zu 48 Prozent der absoluten Stimmenmehrheit nahekommen. Im britischen Mehrheitswahlrecht würde ein solches Ergebnis eine Zweidrittelmehrheit im Unterhaus bedeuten.

Schlechte Umfragewerte

Im direkten Vergleich schneidet der 67-Jährige noch schlechter ab. Lediglich zwölf Prozent halten ihn für den besseren Regierungschef, 46 Prozent bevorzugen die Amtsinhaberin. Während mit Mays Arbeit rund die Hälfte der Briten zufrieden sind, äußern sich über Corbyns Arbeit nur 18 Prozent positiv. Selbst beim absoluten Labour-Kernthema, dem Management des allseits beliebten Nationalen Gesundheitssystems (NHS), vertrauen mehr Menschen der Konservativen als ihrem Herausforderer.

So kann es also wirklich nicht weitergehen, jedenfalls aus Labours Sicht. Wie aber gewinnt man jene Millionen von Werktätigen, die unter dem Joch konservativer Herrschaft stöhnen? Man lässt sie pausieren. Leider nicht vom Wahlkampf, aber immerhin von der Arbeit: Vier neue Feiertage werde die nächste Labour-Regierung einführen, verkündete Corbyn nicht ganz zufällig am Sonntag. Am Namenstag des englischen Nationalheiligen Georg sollen die Briten zukünftig ebenso freihaben wie an den entsprechenden Gedenktagen für seine Pendants in Schottland (Andreas, 30. November), Irland (Patrick, 15. März) und Wales (David, 1. März). Selten zuvor seien die vier Bestandteile des Vereinigten Königreichs so uneins gewesen, argumentiert der Labour-Chef und macht dafür die Tory-Politik verantwortlich. "Wo Theresa May für Zwietracht sorgt, bringt Labour unsere vier Nationen zusammen."

Wirtschaftliche Sorgen

Besorgte Einwände von Lobbyisten, das Land könne einen Einbruch der Wirtschaftsleistung nicht gut brauchen, wischt Corbyn beiseite. Tatsächlich erreicht Großbritannien mit den vier Feiertagen erst den Durchschnitt führender Industrienationen. Und wie man die einkaufsbegeisterten Briten so kennt, würden sie die neuen Auszeiten gewiss für zusätzlichen Konsum nutzen. Kurbelt die Volkswirtschaft an!

Eigentlich schade, dass der Vorschlag gar keine Aussicht auf Verwirklichung hat, siehe Umfragen. Es sei denn, es geht den Feiertagen wie einem Labour-Vorschlag zur Kostenreduzierung bei Strom und Gas. Den haben jetzt, mit winzigen Änderungen, die Torys übernommen. So wird Corbyns "ganz anderes Land" doch noch Wirklichkeit, trotz Theresa May in der Downing Street. (Sebastian Borger aus London, 26.4.2017)

  • Corbyn auf Wahlkampftour.
    foto: reuters/yates

    Corbyn auf Wahlkampftour.

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