ORF-Chef Wrabetz: "Armin Wolf wird nicht infrage gestellt"

    Interview25. April 2017, 16:21
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    Wrabetz: "Wäre widersinnig, an seiner Position etwas zu ändern" – Prantners Aussagen über "Verhöre" seien "seine Meinung"

    Wien – ORF-Anchor Armin Wolf soll weiterhin Hauptmoderator der "ZiB 2" bleiben und seine Interviews führen, wie er sie bisher führt: "Ja. Das ist überhaupt keine Frage", erklärt ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz am Dienstag im STANDARD-Interview über die geplante neue Struktur für die ORF-Fernsehinformation und Channel Manager für ORF 1 und ORF 2.

    Wrabetz erinnert im STANDARD-Interview daran, dass er Armin Wolf 2007 als damals neuer ORF-Generaldirektor zum Hauptmoderator der "ZiB 2" und Wolfgang Wagner zum "ZiB 2"-Chef gemacht haben. Es wäre "absurd", wenn er "nun Druck nachgeben und mitwirken würde, etwas daran zu ändern oder Armin Wolf infrage zu stellen: Armin Wolf wird in seiner Funktion nicht infrage gestellt".

    Wrabetz: "Wenn ich Armin Wolf nicht 2007 in die Funktion des Hauptmoderators der 'ZiB2' gebracht hätte, nachdem ich gewählt wurde, würde er ganz sicher nicht dort sitzen. Wären die Umstände so geblieben wie vor meiner Wahl, wäre er wohl nicht mehr in der TV-Information tätig.

    Und: "Die Sendung ist erfolgreich, daher wäre es widersinnig, würde ich daran etwas ändern. Armin Wolf ist einer der besten Interviewer, zugleich aber auch sein eigener größter Kritiker, dem auch Interviews, wie er selbst sagt, manchmal nicht so gelingen. Intern ist selbstverständlich in allen Bereichen eine kontinuierliche Diskussion notwendig, wie wir unsere Aufgaben im Sinne des Publikums bestmöglich erfüllen können.

    Wrabetz: "Kirche im Dorf lassen"

    Am Wochenende hatte der von der FPÖ unterstützte ORF-Technikvizedirektor Thomas Prantner die ORF-Information in einem "Profil"-Interview massiv kritisiert – Prantner sprach von "Verhören" und Interviewpartnern "auf der Anklagebank". Interviews von ORF-Mitarbeitern müssen vom Unternehmen genehmigt werden.

    Wrabetz: "Er hat mich informiert, dass er ein Interview gibt. Ich fand viele Dinge, die er zu seinem eigentlichen Bereich gesagt hat, gut und wichtig." Und die Kritik an "Verhören" im ORF-Studio? Wrabetz: "Man muss die Kirche im Dorf lassen – er sagt, ohne Namen zu nennen, bei einzelnen Diskussionen entstünden bestimmte Eindrücke. Das ist seine Meinung. Ich würde es nicht so formulieren."

    Und wie hat Wrabetz auf diese Meinung reagiert? "Über interne Gespräche gebe ich keine Auskunft."

    Am Montagabend besprach Wrabetz die geplante Aufteilung der ORF-Fernsehinformation nach STANDARD-Infos mit den Hauptabteilungsleitern des ORF-Fernsehens. Nach diesen Informationen soll die TV-Information künftig auf ORF 1 und ORF 2 aufgeteilt werden mit jeweils einem Channel-Chefredakteur.

    "Jedenfalls keine Zentralisierung"

    Wrabetz will sich dazu vorerst nicht äußern: Noch sei die Organisationsanweisung über die künftige Struktur nicht erteilt, noch fänden Gespräche etwa mit Betroffenen und Belegschaftsvertretern statt. Aber grundsätzlich erklärt Wrabetz: "Wenn es in der Fernsehinformation bisher einen Chefredakteur gibt und es künftig etwa zwei sein würden, dann wüsste ich nicht, wo da größere Zentralisierung sein soll. Mein Ansatzpunkt ist: Ich will das bestehende Prinzip starker Redaktionen und starker Chefredakteure sogar noch ausbauen. Das ist jedenfalls keine Zentralisierung."

    Wrabetz will sich auch noch nicht festlegen, wann er die Organisationsanweisung erteilt und wann er die Channel-Manager ausschreibt. Zeithorizont: "zwei bis drei Wochen, sobald die gesetzlich notwendigen Anhörungen des Betriebsrats abgeschlossen sind. Die neue Struktur inklusive Besetzungen wird wie angekündigt im ersten Halbjahr 2017 in Kraft treten."

    Als aussichtsreichste Kandidaten gelten Lisa Totzauer für ORF 1, wo sie bisher Infochefin ist, und Roland Brunhofer für ORF 2, zuletzt ORF-Landesdirektor in Salzburg. Wrabetz über die beiden: "Ich habe noch nie Wunschkandidaten genannt. Ich glaube, dass beide höchst qualifizierte Mitarbeiter des Hauses sind, die nach bestem Wissen und Gewissen für den ORF arbeiten – wie etwa auch Armin Wolf." (Harald Fidler, 25.4.2017)

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      foto: standard/fischer

      Wrabetz über Prantners Aussagen zu "Verhören" im ORF-Studio: "Man muss die Kirche im Dorf lassen – er sagt, ohne Namen zu nennen, bei einzelnen Diskussionen entstünden bestimmte Eindrücke. Das ist seine Meinung. Ich würde es nicht so formulieren."

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