Europäisches Forum Alpbach 2017: Auf der Suche nach Kooperation

25. April 2017, 18:47
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Zwischen 16. August und 1. September 2017 diskutieren rund 700 Expertinnen und Experten über das Thema "Konflikt und Kooperation"

Wien – Seit Dienstag steht das Programm des diesjährigen Europäischen Forum Alpbach fest: Zwischen 16. August und 1. September 2017 werden rund 700 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft das Spannungsfeld zwischen "Konflikt & Kooperation" beleuchten. "Konflikte haben wir mehr als genug, sogar eher zu viele", sagte Franz Fischler, Präsident des Europäischen Forums Alpbach bei der Präsentation in Wien, "Kooperation allerdings zu wenig."

Deshalb sollte dieses Jahr die Suche nach "neuen Formen der Kooperation" im Zentrum stehen, wobei Fischler, langjähriger EU-Kommissar und ehemaliger ÖVP-Minister, festhielt, dass er Kooperation nicht zwingend automatisch positiv konnotiere: So stufe er die Zusammenarbeit mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan oder mit dem ungarischen Premierminister Viktor Orbán als eine derzeit "nicht erstrebenswerte" ein. Wobei Konflikte durchaus auch "befruchtend" und "kreativ" sein" könnten, weshalb für das diesjährige Forum auch neue Formate entwickelt und alte Praktiken aus der Wissenschaft wie das Streitgespräch gepflegt würden.

Zu den internationalen Gästen zählen etwa Michael Ignatieff, Rektor der von der Schließung bedrohten Budapester Central European University, Baron Thomas Of Cwmgiedd, Vorsitzender Richter am High Court of Justice in London, dessen Urteil den Brexit ins britische Parlament brachte, der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger oder auch Robby Mook, Hillary Clintons Wahlkampfmanager bei der US-Präsidentschaftswahl 2016. Angekündigt sind auch die Spitzen der österreichischen Politik, darunter Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Christian Kern.

Schwerpunkte

Den Auftakt macht die wissenschaftliche Seminarwoche, danach folgen ein- bis dreitägige Symposien zu den Themen Gesundheit, Bildung, Technologie, Recht, Politik, Wirtschaft, Baukultur und Finanzmarkt. Die Diskussionen aus dem Kongresszentrum werden via Live-Stream übertragen. Die Stärkung von Demokratie und Wissenschaft, der Vorstoß der künstlichen Intelligenz sowie soziale und ökologische Innovationen bilden Schwerpunkte des 17-tägigen Programms. Erwartet werden insgesamt 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, auf dem Plan stehen 200 Diskussionen, Workshops und Seminare.

Neben der Stärkung von Demokratie und Wissenschaft sollen auch neue Kooperationsformen innerhalb der EU diskutiert werden. Im Wissenschaftsbereich geht es auch darum, vom "traditionellen disziplinären Denken" hin zu einem "stärker systemorientierten Denken" und zu einem mehr übergreifenden Ansatz zu finden, sagt Fischler.

"Technologien wie Naturereignisse"

Beim Thema künstliche Intelligenz müsse sich Europa laut Forums-Geschäftsführer Philippe Narval "wieder zurück zum Gestalten" bewegen. Europa habe "zu lange zugeschaut, wie Technologien über uns hereingebrochen sind wie Naturereignisse und wir zu den Anwendern degradiert wurden". Die Frage sei aber: "Welche Art von digitalem Wandel wollen wir?"

Auch das Thema ökologische Innovationen und nachhaltige Entwicklungsziele steht auf dem Programm. Denn so ist laut Fischler zwar ein "Level an Ambition" festgelegt worden, "wo wir im Jahr 2030 sein wollen". In Wirklichkeit aber wisse man nicht, "wie wir dort hinkommen. Nur eines wissen wir: Mit den bisherigen Kulturtechniken und mit den bisherigen wissenschaftlichen Methoden werden wir das nicht schaffen", sagt Fischler. Weiters findet unter dem Titel "Ethics in Action" ein zweitägiges Treffen von Vertretern unterschiedlicher Weltreligionen in Alpbach statt. (giu, 25.4.2017)

Anmeldung und Programm zum Europäischen Forum Alpbach 2017: www.alpbach.org

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