UN-Geberkonferenz für notleidende Bevölkerung im Jemen

25. April 2017, 08:04
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Mehr als eine Million Menschen in dem Bürgerkriegsland droht zu verhungern

Genf – Das Elend der Zivilbevölkerung im Bürgerkriegsland Jemen steht am Dienstag im Mittelpunkt einer Geberkonferenz der Vereinten Nationen in Genf. Die UN-Organisationen brauchen dringend mehr Geld für die Versorgung und den Schutz der 27 Millionen Menschen in dem ohnehin bitterarmen Land. Zwei Drittel der Menschen sind auf Nothilfe angewiesen.

Nach Angaben des UN-Nothilfebüros (Ocha) stirbt im Jemen alle zehn Minuten ein Kind unter fünf Jahren an vermeidbaren Krankheiten. Fast 1,2 Millionen Kinder seien unterernährt und in Lebensgefahr. Die UN sprechen von der "größten humanitäre Krise der Welt".

"Eine Hungersnot wird immer wahrscheinlicher", warnte der Leiter des Kinderhilfswerks "Save the Children", Grant Pritchard. "Die Kinder brauchen sofort Nahrung und Schutz, um überleben zu können. Außerdem müssen wir auch in der akuten Not die Bildung im Land unterstützen, ansonsten droht auch hier im Jemen eine verlorene Generation heranzuwachsen – seelisch verwundet und ohne Zukunftschancen."

Zivilisten zwischen den Fronten

Der Aufstand schiitischer Rebellen, der Houthis, hat das Land 2015 ins Chaos gestürzt. Die Rebellen haben große Teile des Landes überrannt. Das Nachbarland Saudi-Arabien unterstützt die Regierung mit einer Militärkoalition, die Houthi-Stellungen bombardiert. Die Zivilbevölkerung ist teilweise zwischen den Fronten eingekesselt. Viele Krankenhäuser sind verlassen, weil es keine Medikamente mehr gibt. Schulen sind geschlossen.

Im Hafen Hodeida am Roten Meer, über den 80 Prozent der Lebensmittel ins Land kommen, sind schon zahlreiche Entladekräne zerstört worden. Schiffe liegen teils Wochen vor Anker und warten auf Entladung. Ein Militärhubschrauber griff dort im März ein Flüchtlingsboot an, mehr als 40 Menschen kamen ums Leben. Nothelfer fürchten die Zerstörung des Hafens. Die Militärkoalition will die Versorgung der Rebellen mit Waffen über den Hafen unterbinden. Wenn der Hafen zerstört ist, wäre die Versorgung der Menschen noch schwieriger.

Das Land – etwa eineinhalb mal so groß wie Deutschland – besteht zu weiten Teilen aus Wüsten und Gebirge. Weniger als fünf Prozent eignen sich als Ackerland. Es gibt keine Flüsse, die das ganze Jahr Wasser führen. Der Jemen leidet an akuter Wasserknappheit.

Die UN hatten den Bedarf schon Ende 2016 auf 2,1 Milliarden Dollar geschätzt (1,9 Milliarden Euro). Davon waren aber diese Woche erst gut 15 Prozent eingegangen. (APA, 25.4.2017)

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