SDF-Kräfte in syrische IS-Hochburg Tabqa eingerückt

24. April 2017, 20:10
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Nordsyrische Stadt wichtige Etappe bei Rückeroberung von Raqqa

Tabqa – Die von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) sind in die nordsyrische IS-Hochburg Tabqa einmarschiert. Nach der Belagerung von Tabqa von allen Seiten seien die arabisch-kurdischen Kampfeinheiten am Montag erstmals in die Stadt eingerückt, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Sie hätten die Kontrolle über mehrere Stellungen im Süden der Stadt übernommen und rückten im Westen vor. Die SDF erklärten in einer im Internet veröffentlichten Stellungnahme, ihre Kämpfer hätten IS-Stellungen im Süden und Westen von Tabqa eingenommen.

55 Kilometer von Raqqa

Tabqa liegt 55 Kilometer von der IS-Hochburg Raqqa entfernt. Die Einnahme von Tabqa und des Tabqa-Staudamms gelten als wichtige Etappen bei einer Rückeroberung von Raqqa, der De-facto-Hauptstadt des sogenannten Kalifats des IS. Die SDF-Kämpfer hatten ihre Großoffensive zur Rückeroberung von Raqqa im November gestartet und nahmen bereits den Großteil der umliegenden Gebiete ein.

Vor gut einer Woche hatte die Beobachtungsstelle mitgeteilt, die SDF-Kämpfer stünden wenige hundert Meter vor Tabqa. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Von unabhängiger Seite sind ihre Angaben nur schwer zu überprüfen.

Syrien zu Waffenruhe für Giftgas-Untersuchung bereit

Das russische Verteidigungsministerium in Moskau äußerte sich indes zu den Aussichten für eine Untersuchung des Giftgasangriffs auf die Stadt Khan Sheikhoun. Damaskus sei "bereit, ein vollständiges Moratorium für die Aktivitäten seiner Truppen, Luftwaffe und Artillerie in dem Gebiet zu erklären", wenn Ermittler in die von Rebellen kontrollierte Stadt entsandt würden, teilte das Ministerium am Montag in Moskau mit.

Die Experten sollten auch sicheren Zugang zur syrischen Luftwaffenbasis Al-Shayrat erhalten, von der die Angriffe auf Khan Sheikhoun geflogen worden sein sollen, erklärte das Ministerium weiter. Bei dem mutmaßlichen Giftgasangriff waren am 4. April mindestens 87 Menschen getötet worden, darunter viele Kinder.

Nach Erkenntnissen der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) wurde bei dem Angriff das Nervengas Sarin oder eine ähnliche Substanz eingesetzt. Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in der syrischen Provinz Idlib hatte die US-Armee den Luftwaffenstützpunkt Al-Shayrat mit Marschflugkörpern bombardiert. Am Montag hat die US-Regierung als Reaktion auf den mutmaßlichen Giftgasangriff neue Sanktionen gegen Mitarbeiter der syrischen Regierung und hochrangige Wissenschafter. Die Strafmaßnahmen richteten sich gegen 271 Personen, sagte Finanzminister Steven Mnuchin am Montag in Washington. Syrien bestreitet, für den Angriff verantwortlich zu sein.

Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurde der Markt von Khan Sheikhoun am Montag zum Ziel eines Luftangriffs. Dabei seien sieben Menschen getötet worden, unter ihnen ein Kind, teilten die Beobachter mit.

Al-Kaida-Chef fordert Guerilla-Krieg

Al-Kaida-Chef Ayman Al-Zawahiri forderte die Jihadisten indes zu einem Strategiewechsel auf. "Beschäftigt euch nicht zu sehr damit, Gelände zu halten, sondern konzentriert euch darauf, die Moral der Widersacher zu zerstören", erklärte Al-Zawahiri in einer Audio-Botschaft, die am Montag im Internet kursierte. Ziel sei es, den Gegner zu Tode bluten zu lassen.

Zugleich forderte Al-Zawahiri die Anhänger des Terrornetzwerks dazu auf, die Reihen zu schließen und standhaft zu bleiben. Sie müssten sich in Syrien auf einen langen Krieg gegen die "Kreuzfahrer" und ihre Verbündeten einstellen, sagte er in der rund sechsminütigen Audiobotschaft. Die Al-Kaida-nahe Organisation Fatah al-Sham (früher: Al-Nusra-Front) ist vor allem im Nordwesten Syriens stark. Dort konnte sie zusammen mit anderen Rebellenmilizen zuletzt Gelände von regierungstreuen Truppen erobern, verlor dieses aber wieder. (APA, 24.4.2017)

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