Doppelstaatsbürgerschaften: Österreichs Scheinprobleme

Kommentar24. April 2017, 17:54
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Studien zeigen, dass sich Migranten in Ländern, die Doppelpässe erlauben, stärker zugehörig fühlen

Recep Tayyip Erdogan hat in Österreich viele Fans, und er hätte gerne noch weitere. Das lässt sich der türkische Staat auch einiges kosten: In zahlreichen Moscheevereinen in ganz Österreich wird brav Pro-AKP-Propaganda gestreut. Wenn die türkische Diaspora in Österreich dann an die Urnen gerufen wird, macht sich das bemerkbar. Darüber, und über die Frage, wie man diesen Einfluss zurückdrängen könnte, sollten wir diskutieren.

Stattdessen hat die Bundesregierung ein neues Scheinproblem gefunden: die Doppelstaatsbürgerschaften – und eine Scheinlösung gleich dazu. Sie lautet, wie so oft in jüngster Zeit: hart bestrafen. Dass das gar nicht so einfach gehen wird, weil man eben nicht weiß, wer Doppelstaatsbürger ist – egal. Hauptsache, man signalisiert Handlungswillen. In ein paar Wochen, wenn dann ein neues Scheinproblem angeprangert wird, sind die Doppelstaatsbürgerschaften ohnehin längst wieder vergessen.

Doch die wahren Probleme bleiben. Dass sich viele trotz österreichischen Passes hier nicht willkommen fühlen, unter anderem, weil sie es aus Sicht vieler Österreicher bedauerlicherweise auch gar nicht sind, ist eines. Dass einige, die gerne Österreicher wären, nicht eingebürgert werden, obwohl sie hier geboren und aufgewachsen sind, ist ein weiteres. Es gäbe Lösungsansätze. Studien zeigen, dass sich Migranten in Ländern, die Doppelpässe erlauben, stärker zugehörig fühlen. Man müsste es nur wollen. (Maria Sterkl, 24.4.2017)

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