Doskozil: Bundesheer soll Gegner im Cyberwar auch angreifen

    25. April 2017, 09:47
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    Minister: Angriffe sollen nicht nur abgewehrt werden – Wöchentlich fünf bis sechs ernste Attacken

    Den Cyberwar will das Bundesheer nicht nur defensiv führen. In der ORF-Sendung "Hohes Haus" erklärte Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) am Sonntag, dass es bei Angriffen auf kritische Infrastruktur wie Energieversorger nicht ausreiche, diese "nur abzuwehren". Der Gegner müsse auch beeinträchtigt werden, sagte er. Das Know-how dafür will sich der Minister auch von Firmen aus Israel holen, "die sehr viel Erfahrung auf diesem Gebiet haben". Eine entsprechende Zusammenarbeit hat er bereits 2016 auf Schiene gebracht.

    Nach WebStandard-Informationen prüft das Heer derzeit noch, ob man sich offensive Cyberwaffen, sogenannte Exploits, zulegt. Das sind Programme, die Sicherheitslücken in Systemen und Programmen ausnutzen, um andere Rechner zu übernehmen. Rechtlich steht das Projekt auf wackligen Beinen, die Ampel steht dennoch eher auf Grün.

    Fünf bis sechs Angriffe

    Laut Doskozil gibt es derzeit wöchentlich fünf bis sechs Angriffe auf die Infrastruktur des Bundesheers, "die man ernst nehmen muss". Hunderttausende Attacken werden mit herkömmlichen Methoden wie Firewalls abgewehrt. Diese werden aber immer ausgeklügelter. Ein vergleichsweise harmloser Angriff ereignete sich im November, als die Heereswebsite mit einer DDoS-Attacke lahmgelegt wurde – dabei werden mehrere tausend Anfragen gleichzeitig an einen Server geschickt.

    Der Minister geht auch von einem größeren Hackerangriff auf Österreich aus: "Es ist nicht die Frage, ob es passiert, sondern wann es passiert." Spätestens 2010, als der Computerwurm Stuxnet zuschlug – der unter anderem das Atomprogramm des Iran sabotierte –, hat sich gezeigt, dass tatsächlich Gravierendes passieren kann.

    "Cyber" gegen das angestaubte Image

    Für Doskozil ist das Thema Cyberabwehr wichtig, da er so das angestaubte Image des Bundesheers aufpolieren und mit dem Thema in Medien punkten kann. Auch hofft er, so IT-Spezialisten für das Heer gewinnen zu können. In den nächsten Jahren will man 350 zusätzliche Spezialisten anheuern. Allerdings kämpft das Heer mit einem Nachteil gegenüber der Privatwirtschaft: Es zahlt vergleichsweise niedrige Gehälter.

    Offensive Programme der NSA

    Was offensiv nutzbare Programme können, zeigten Leaks der ominösen Hackergruppe "The Shadow Brokers", der es gelungen ist, Programme der National Security Agency (NSA) in ihre Finger zu bekommen. Damit war es bis vor wenigen Wochen möglich, ohne großen Aufwand Windows-Rechner zu kapern und völlig zu kontrollieren. (Markus Sulzbacher, 25.4.2017)

    • Für Hans Peter Doskozil ist der Cyberwar keine Science-Fiction mehr.
      foto: reuters

      Für Hans Peter Doskozil ist der Cyberwar keine Science-Fiction mehr.

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