"Everyman" als Rock-Mystery in Innsbruck

24. April 2017, 17:14
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Mammutprojekt zum Leben und Sterben des reichen Mannes im Tiroler Landestheater

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes und seiner Konfrontation mit seinem selbstsüchtigen Leben im Angesicht des Todes reicht zumindest bis ins Mittelalter zurück. Im späten fünfzehnten Jahrhundert floss aus unbekannter mittelenglischer Feder das Moralitätenspiel Everyman. Einige Jahrhunderte später hat Hugo von Hofmannsthal diesen Stoff mit seinem Jedermann in jene Fassung gebracht, die aus Salzburg nicht mehr wegzudenken ist.

Regisseur Johannes Reitmeier, Intendant des Tiroler Landestheaters, hat vor ein paar Jahren die Protagonisten der deutschen Progressive-Rock-Band Vanden Plas, Günter Werno, Andy Kuntz und Stephan Lill, um eine Musikfassung gebeten. Das musikalisch bombastische Rock-Mystery Everyman hält sich textlich an die englische Urfassung (deutsche Übertitel). Vergangenen Samstag feierte es in Innsbruck Premiere und wurde vom Publikum euphorisch angenommen.

Schwermetall und Lack

Auf der Bühne (Thomas Dörfler) spannt sich eine riesige Gitterkonstruktion zum Himmelsgewölbe auf, unter dem Everyman (Randy Diamond, er zeichnet auch für die Choreografie verantwortlich) in strahlend weißer Aufmachung sein hartherziges Leben führt – bis der Tod (Andy Kuntz) in Gestalt eines Schwermetallrockers dem Lebemann das Ende ankündigt. Einen imposanten Auftritt hat Dale Albright als Teufel in roter Lacklederkorsage und mächtigen Hörnern. Astrid Vosberg beeindruckt in der Rolle der mahnenden Mutter und als furioser Mammon. Intim und berührend wird es, als Everyman auf seine spärlichen guten Taten (Adrienn Cunka) in Gestalt einer todkranken Frau trifft.

Ein Mammutprojekt war es auch für Michael D. Zimmermann. Er staffierte neben den Sängern auch eine Vielzahl an Darstellern (Kinderchor, Tanzensemble, Statisterie) mit fantasievollen Kostümen in meist knalligen Signalfarben aus. (dns, 24.4.2017)

  • Wehe dem, den der Teufel holt. Dale Albright als Leibhaftiger stattet Everyman einen Besuch ab.
    foto: rupert larl, tiroler landestheater

    Wehe dem, den der Teufel holt. Dale Albright als Leibhaftiger stattet Everyman einen Besuch ab.

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