"Genugtuung in der Fremde": Ein Abend für Kundeyt Surdum

24. April 2017, 16:15
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Im Vorarlberg-Museum würdigt u. a. Michael Köhlmeier den 2016 verstorbenen Schriftsteller

Bregenz – "In der Türkei, wo es bisweilen etwas ungerade hergehen soll ..." Das ist nicht der Beginn eines aktuellen Kommentars aus dem Ressort Außenpolitik oder Medien, sondern der ersten Erzählung aus dem Schatzkästlein von Johann Peter Hebel (1803). Den nach Hebel benannten Literaturpreis erhielt der 1937 geborene und in Istanbul aufgewachsene Kundeyt Surdum 1996, 2016 ist er gestorben. In Vorarlberg, wo er 45 Jahre lang gelebt hatte.

Hochachtung gilt Kundeyt Surdum, dem Dichter: Die drei in seiner Zweitsprache Deutsch geschriebenen Gedichtbände, die er in renommierten Verlagen veröffentlichte, fanden Beachtung und Anklang. Die Qualität von Surdums epigrammatischer Lyrik will heute Hubert Dragaschnig (Theater Kosmos) zur Geltung kommen lassen, dabei wird Dragaschnig auch Unveröffentlichtes rezitieren.

Landlos

Michael Köhlmeier, der 1988 das Nachwort zu Surdums erstem Buch Unter einem geliehenen Himmel beisteuerte, nimmt ebenso Teil an dem Erinnerungsabend wie Nikolaus Walter, zu dessen Fotografien im Bildband Landlos – Türken in Vorarlberg sich Surdums Texte lakonisch-poetisch gesellten.

In Kundeyt Surdums konzentrierter Lyrik gibt es Gedichte über das Schreiben ebenso wie über den Alltag zwischen den Kulturen. Türkisch waren die Artikel in der Zeitung biz (deutsch: "wir"), die 1979 von Surdum gegründet worden war.

Für "ausländische Arbeitnehmer in Vorarlberg", wie sich die Zielgruppe im Blatt bis 2009 nannte, engagierte sich Kundeyt Surdum auch übers Radio, als Dolmetscher und Lehrer. Aus seinem beruflichen Umfeld kann Nezaket Tan erzählen, aus dem privaten Abrek Surdum. Eine Generation jünger als Kundeyt Surdum ist auch Mustafa Can, der ebenfalls zur Runde beitragen wird.

Genugtuung in der Fremde ist der Titel eines Gedichts von Kundeyt Surdum. Zu einer Prise posthumer Genugtuung mag auch der vom ORF mit veranstaltete Literaturabend beitragen – auf dass Kundeyt Surdum nicht der Musealisierung anheimfalle, sondern diskutiert und fest gelesen werde. (Petra Nachbaur, 24.4.2017)

Vorarlberg Museum, Kornplatz 1, Bregenz, 19.00

www.vorarlbergmuseum.at

  • Der Lyriker und Zeitungsgründer Kundeyt Surdum lebte 45 Jahre im Vorarlberg. Heute Abend erinnern Weggefährten an den 2016 verstorbenen Autor.
    foto: albert schmidt / dpa / picturedesk

    Der Lyriker und Zeitungsgründer Kundeyt Surdum lebte 45 Jahre im Vorarlberg. Heute Abend erinnern Weggefährten an den 2016 verstorbenen Autor.

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