Loveparade-Unglück in Duisburg kommt nun doch vors Strafgericht

24. April 2017, 17:11
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Fast sieben Jahre nach der Katastrophe, bei der 21 Menschen starben, wird die Anklage gegen zehn Verantwortliche zugelassen

Viele Opfer und Hinterbliebene haben gar nicht mehr mit einer strafrechtlichen Aufarbeitung der Katastrophe vom 24. Juli 2010 gerechnet. Damals war es in Duisburg in einem Tunnel, der auf das Gelände der Loveparade führte, zu einer Massenpanik gekommen. 21 Menschen starben, mehr als 650 wurden verletzt.

"Das kommt unerwartet, aber es ist sehr erfreulich", sagt der deutsche Strafrechtler Thomas Feltes, der einen Vater vertritt, über die Entscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf. Auch Rechtsanwältin Bärbel Schönhof, die mehrere Opfer juristisch berät, betont, es sei wichtig, den Sachverhalt aufzuarbeiten: "Es muss geklärt werden, was passiert ist, wo Fehler gemacht wurden."

Zunächst sah es so aus, als würde die Frage, wer die Verantwortung an dem Unglück trage, nicht strafrechtlich untersucht werden, was viele Opfer und Hinterbliebene zutiefst frustrierte. Sie wollten nicht glauben, dass keiner an der Katastrophe Schuld haben sollte.

Gutachten von Panikforscher

Zwar erhob die Staatsanwaltschaft Duisburg 2014 Anklage wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung gegen sechs Bedienstete der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter der Loveparade-Veranstalterfirma. Ihr Vorwurf: Das Techno-Spektakel hätte in dieser Form nicht genehmigt werden dürfen, die Zufahrtswege waren viel zu eng. Damals stützte sich die Staatsanwaltschaft auf das Gutachten des britischen Panikforschers Keith Still.

Dieser war zur Überzeugung gekommen, die Planer und ihre Kontrolleure hätten erkennen müssen, dass es bei der Veranstaltung zu lebensgefährlichen Situationen kommen könnte.

Doch am 5. April 2016 erklärte das zuständige Landgericht Duisburg, dass es die Anklage gegen sechs Bedienstete der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter der Loveparade-Veranstalterfirma nicht zulassen werde. Es hatte Zweifel am Gutachten und meinte letztendlich, die Staatsanwaltschaft könne die Vorwürfe mit ihren Beweisen nicht belegen, es bestehe daher "kein hinreichender Tatverdacht", und eine Verurteilung sei nicht zu erwarten.

Beschwerde eingelegt

Gegen diese Entscheidung legten Staatsanwaltschaft und Nebenkläger Beschwerde ein, Tausende Akten gingen an die nächste Instanz – das Oberlandesgericht Düsseldorf -, und dieses entschied nun, die Anklage müsse zugelassen werden.

"Der Senat hält eine Verurteilung der Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung beziehungsweise fahrlässiger Körperverletzung im Amt für hinreichend wahrscheinlich", erklärte Gerichtspräsidentin Anne-José Paulsen. Die Ermittlungen legten nahe, dass die "unzureichende Dimensionierung und Ausgestaltung des Ein- und Ausgangssystems zu der Katastrophe geführt haben". Das Gutachten sei zudem verwertbar.

Wann der Prozess beginnt, ist unklar. Durchführen muss ihn das Landgericht Duisburg, allerdings nicht jene Kammer, die die Anklage zunächst nicht zulassen wollte. Der damalige Oberbürgermeister von Duisburg Adolf Sauerland (CDU) will sich als Zeuge zur Verfügung stellen. Er ist nicht angeklagt, war aber nach der Katastrophe vom Amt abgewählt worden. (Birgit Baumann aus Berlin, 24.4.2017)

  • Am 24. Juli 2010 kam es bei der Loveparade in Duisburg zu einer tödlichen Massenpanik. Nun soll geklärt werden, wer dafür verantwortlich ist – wann genau der Prozess stattfindet, ist noch unklar.
    foto: reuters / wolfgang rattay

    Am 24. Juli 2010 kam es bei der Loveparade in Duisburg zu einer tödlichen Massenpanik. Nun soll geklärt werden, wer dafür verantwortlich ist – wann genau der Prozess stattfindet, ist noch unklar.

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