Munch soll in "Der Schrei" Perlmuttwolken gemalt haben

    24. April 2017, 11:40
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    Laut Wissenschaftern soll das seltene Phänomen, das nur in Polarregionen auftritt, den Himmel so kräftig gefärbt haben

    Wien/Oslo – "Plötzlich wurde der Himmel rot wie Blut", berichtete Edvard Munch von einem Sonnenuntergang, den er im berühmten Gemälde "Der Schrei" verewigte. Bisher glaubte man, dass die Himmelsfarbe damals durch Vulkanstaub entstanden ist. Viel eher hat er aber "Perlmuttwolken" gesehen und gemalt, erklärten Forscher am Montag, am ersten Tag der Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU) in Wien.

    Perlmuttwolken treten in unregelmäßigen Intervallen in der winterlichen Stratosphäre auf, erklärte Helene Muri von der Universität Oslo (Norwegen) bei einer Pressekonferenz. Man kann sie nur unregelmäßig im Winter in den Polarregionen beobachten, weil sie ausschließlich bei sehr kalten Temperaturen (unter minus 80 Grad Celsius) und hoher Feuchtigkeit entstehen.

    Sehen kann man Perlmuttwolken nur vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang und nicht bei Tageslicht. "Ihre Farbe und Intensität können dann aber extrem eindrucksvoll sein", sagte die Forscherin. Sie selbst habe solche ein Spektakel am 22. Dezember 2014 bei Oslo beobachtet und analysiert.

    Nicht Vulkanasche

    Der norwegische Maler Edvard Munch (1863-1944) habe seine "Vision" im Jahr 1892 als einmaliges Erlebnis beschrieben, was zu den seltenen Perlmuttwolken passen würde, meint sie. Wäre die kräftige Farbe hingegen durch Asche des 1883 ausgebrochenen Vulkans Krakatau in Indonesien zustande gekommen, wie Wissenschafter zuvor behaupteten, wären kitschrote Sonnenuntergänge für ein paar Jahre recht alltäglich gewesen.

    Vom Bild "Der Schrei" gibt es vier Ausführungen, es gilt als eines der Hauptwerke des Expressionismus. Eine Version wurde 2012 für 119,9 Millionen US-Dollar versteigert.

    Die Generalversammlung der EGU findet in dieser Woche im Austria Center in Wien statt. Laut Veranstalter referieren und diskutieren mehr als 14.000 Erdwissenschafter aus aller Welt etwa über den Klimawandel, Weltraumprojekte, Naturgefahren, Rohstoffe, Plastikmüll in den Gewässern und die Ernährungssicherheit. (APA, 24.4.2017)

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