iPhone-Tracking: Apple drohte Uber mit Rauswurf aus App Store

    24. April 2017, 10:00
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    Smartphone über Deinstallation der App hinaus eindeutig identifizierbar – Uber sieht darin simple Antibetrugsmaßnahme

    Bei Uber hat man fraglos schon bessere Zeiten erlebt: Seit Monaten schlittert der Fahrtendienst von einem Skandal in den nächsten, und vorerst scheint dabei auch keine Ende in Sicht. So berichtet die "New York Times" nun einmal mehr von äußerst zweifelhaften Geschäftspraktiken.

    Apple vs. Uber

    Bereits Anfang 2015 sei die Uber-App knapp vor dem Rauswurf aus dem App Store gestanden. Apple-Entwickler hatten zuvor entdeckt, dass Uber jedes iPhone mit einem digitalen Fingerabdruck versieht, um die Smartphones auch nach der Deinstallation der Uber-App noch eindeutig identifizieren zu können. Eine Praxis, die Apple aus Privacy-Gründen seit dem Jahr 2013 explizit verbietet und die somit ein klarer Verstoß gegen die App Store-Regeln ist.

    Chefebene

    Zu dem Rauswurf kam es allerdings nicht, stattdessen sei die Angelegenheit auf Chefebene ausgeräumt worden, heißt es in dem Bericht. Apple CEO Tim Cook habe hierfür Uber-Chef Travis Kalanick zu einem persönlichen Gespräch zitiert. Dessen Ergebnis ist nicht klar, offensichtlich ist aber, dass Uber bis dato im App Store verfügbar ist.

    Antibetrugsmaßnahme oder Spionage?

    Zudem betont Uber auch offen, dass man weiterhin jedes Smartphone, auf dem die eigene App installiert wird, eindeutig markiere. Daran sei auch nichts verwerfliches, dies sei eine ganz normale Antibetrugsmaßnahme, betont das Unternehmen. Dabei dürfte man aber mittlerweile auf andere Methoden setzen. So heißt es bei "Techcrunch", dass Uber einige von Apple verbotene Tricks eingesetzt habe, die in aktuellen iOS-Versionen nicht mehr funktionieren. Dazu gehöre etwa der Zugriff auf die Seriennummer durch das – verbotene – Ausspionieren der Geräte-Registry.

    Versteckspiel

    Die Darstellung Ubers, dass es sich dabei um eine ganz normale und wenig aufregende Geschäftspraxis handle, wird aber noch durch ein zweites Detail konterkariert. Uber hat nämlich gezielt versucht, diese Methoden vor Apple zu verstecken. So sei kein digitaler Fingerprint erstellt worden, wenn die App in der Umgebung von Apples Hauptquartier installiert wurde. Damit wollte man verhindern, dass dieses Verhalten bei Routinetest von Apple entdeckt wird. Aufgeflogen ist die Angelegenheit dann auch erst, nachdem externe Apple-Mitarbeiter die Vorgänge bemerkt hatten.

    Datenkauf

    Doch der Bericht der "New York Times" beinhaltet noch ein zweites fragwürdiges Detail über die Geschäftspraktiken von Uber: Demnach habe der Fahrtendienst Daten von dem Analysedienst Slice Intelligence gekauft, um Einblick in den Erfolg des Konkurrenten Lyft zu erhalten. Konkret habe man sich dabei Zugriff auf anonymisierte Zahlungsbestätigungen verschafft, Grundlage waren Mails, die an Nutzer des E-Mail-Digest-Service unroll.me gegangen sind, der im Besitz von Slice Intelligence steht. Bei unroll.me bestätigt man dies mittlerweile, sieht sich dabei aber im Recht. Allerdings hätte man eventuell die Nutzer besser über das eigene Geschäftsmodell informieren sollen, heißt es in einem Blogeintrag.

    Hintergrund

    Uber steht derzeit unter anderem wegen mehreren Vorwürfen der sexuellen Belästigung und einer auch sonst "toxischen" Firmenkultur in der Kritik. Zudem befindet sich das Unternehmen mitten in einem Rechtsstreit mit der Alphabet-Tochter Waymo. Hier lautet der Vorwurf, dass Uber-Entwickler bei ihrem Abgang von Google geheime Informationen über die Technologie für selbstfahrende Autos mitgehen haben lassen, um damit die Uber-Entwicklungen zu unterstützen. (apo, 24.4.2017)

    • Vor zwei Jahren stand Uber knapp vor dem Rauswurf aus dem App Store.
      foto: toby melville / reuters

      Vor zwei Jahren stand Uber knapp vor dem Rauswurf aus dem App Store.

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