2:0 – Austria im Derby gegen Rapid ungefährdet

Video23. April 2017, 18:39
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Die Austria gewann bei Rapid durch Tore von Venuto und Pires verdient. Die Hütteldorfer kommen nicht in Schwung, Trainer Djuricin muss wenigstens keinen Salto schlagen

Wien – Es ist relative Ruhe eingekehrt in Wiens Spitzenfußball, die nahezu gespenstische Überlegenheit von Red Bull Salzburg wurde nämlich schon vor Jahren erkannt und wohl zähneknirschend akzeptiert. Also war das 321. Derby zwischen Rapid und Austria am Sonntagnachmittag im ausverkauften Allianz Stadion von der Ausgangslage an Brisanz überbietbar. Rapid hat ja Trainer Damir Canadi schon gefeuert und die Austria hegt berechtigte Hoffnungen auf die Qualifikation für die Europa League. Ihr Trainer Thorsten Fink, seit der Saison 2015/16 im Amt, durfte bereits dem vierten Rapid-Trainer die Hand schütteln, Goran Djuricin, Nachfolger von Canadi, Mike Büskens und Zoran Barisic, schüttelte zurück.

Gekämpft, gelaufen, gegrätscht

Der 42-Jährige stieg mit einem 3:0-Sieg gegen Altach ins vorerst interimistische Cheftrainergeschäft ein, das Derby war logischerweise sein erstes. Für Kapitän Steffen Hofmann war es bereits das 46., natürlich gehörte er der Startelf an, Djuricin schätzt "die Aura und das Können" des 36-Jährigen sehr. Die Partie nahm nur recht langsam Fahrt auf, Torraumszenen konnte man an den Fingern einer halben Hand abzählen, die Furcht vor einem Gegentreffer lähmte beide, die Leichtigkeit und die Schönheit des Fußballs blieben verborgen. Stattdessen wurde gekämpft, gelaufen, gegrätscht. Bis zur 22. Minute: Großartiger, mit Tempo vorgetragener Angriff der Austria, Felipe Pires passt Olarenwaju Kayode frei, der serviert Lucas Venuto mustergültig den Ball, der diesen zum 0:1 einschiebt. Zwei Minuten später schied Venuto aus, eine schwere Bänderverletzung wird befürchtet. Ismael Tajouri ersetzte den Brasilianer. Rapid zeigte, abgesehen von einer Schockstarre, wenig, kam nicht und nicht in Schwung. 35. Minute: Kayode vergibt eine Chance aufs 0:2. Rapid wurde unfreiwillig gefährlich, Mario Pavelic riss eine Flanke ab (43.). Halbzeitfazit: Kein berauschendes Derby, die Austria führt verdientermaßen.

Finales Aufbäumen nach der Entscheidung

Und sie legte nach. 56. Minute: Der eingewechselte Maximilian Wöber patzt bei seinem Derby-Debüt, Raphael Holzhauser schickt Pires in die Tiefe des Allianz Stadions, der Brasilianer zieht mutterseelenallein gen Rapid-Tor, bleibt ruhig, lässt Keeper Tobias Knoflach nicht das Fünkchen einer Chance, 0:2. Rapid war somit restlos erledigt, obwohl Phasen des Aufbäumens ersichtlich waren. Thomas Murg traf per Freistoß die Stange (91.).

Die Austria spielte den Sieg letztendlich äußerst souverän heim. Dabei wollte Djuricin einen Salto schlagen, sofern die Austria und am Mittwoch der LASK im Cup-Halbfinale geschlagen werden. Das geht sich nicht mehr aus, ein stinknormaler Purzelbaum kann es aber schon noch werden.

Die Austria hat Sturm Graz und Altach überholt, ist nun hinter Salzburg Zweiter. Der Rückstand beträgt 15 Zähler. Der Vorsprung auf Rapid ist auf 19 Punkte angewachsen. Die Frage nach der Nummer eins in Wien wurde vor Anpfiff gar nicht gestellt, musste also nicht beantwortet werden. (Christian Hackl, 23.4.2017)

orf

Fußball-Bundesliga – 30. Runde:

SK Rapid Wien – FK Austria Wien 0:2 (0:1)
Wien, Allianz Stadion, 26.100, SR Grobelnik.

Tore:
0:1 (22.) Venuto
0:2 (56.) Pires

Rapid: Knoflach – Pavelic, Sonnleitner (54. Wöber), Dibon, Schrammel – Auer, Schwab (72. P. Malicsek) – Murg, S. Hofmann, Szanto – Joelinton (62. Kvilitaia)

Austria: Hadzikic – Larsen, Rotpuller, Filipovic, Martschinko – Serbest, Holzhauser – Venuto (26. Tajouri), Grünwald, Pires (92. Kvasina) – Kayode (82. Friesenbichler)

Gelbe Karten: Schrammel bzw. keine

Bilanzen nach dem 321. großen Wiener Derby:

Gesamt: 321 Spiele – 132 Rapid-Siege, 72 Remis, 117 Austria-Siege (Torverhältnis 600:513)

Meisterschaft: 289 Spiele – 121 Rapid-Siege, 69 Remis, 99 Austria-Siege (534:437)

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Spielfilm: das war das Spiel im Liveticker

Stimmen

Goran Djuricin (Rapid-Trainer): "Die Austria hat leider Gottes verdient gewonnen. Wir haben ihr in der ersten Hälfte in die Karten gespielt, sind sehr breit gestanden, haben die wichtigen Zweikämpfe nicht gewonnen und viel Platz gelassen. In der zweiten Hälfte waren wir um den Tick besser, haben sie hinten reindrängen können, aber es nicht geschafft, ein Tor zu machen. Wir konzentrieren uns jetzt voll auf das Cup-Semifinale am Mittwoch gegen den LASK, da müssen wir aggressiver und mutiger sein." Zu einem möglichen Abstiegskampf: "Ich rechne nicht, das interessiert mich weiterhin nicht."

Thorsten Fink (Austria-Trainer): "Wir haben das gemacht, was wir uns vorgenommen haben, etwas tiefer zu stehen, die Zweikämpfe zu gewinnen und über Konter Nadelstiche zu setzen. Ich bin mit dem Ergebnis und auch der Leistung zufrieden. Ich hoffe, Venuto hat sich nicht schwerer verletzt, die Untersuchung ist am Montag."

  • Tragischer Held des Derbys war Lucas Venuto (li), der kurz nach dem Führungstreffer für die Austria verletzt runter musste.
    foto: apa/hans punz

    Tragischer Held des Derbys war Lucas Venuto (li), der kurz nach dem Führungstreffer für die Austria verletzt runter musste.

  • Rapid konnte in der Offensive wenig ausrichten, die Defensive der Austria erwies sich als sehr kompakt.
    foto: apa/herbert p. oczeret

    Rapid konnte in der Offensive wenig ausrichten, die Defensive der Austria erwies sich als sehr kompakt.

  • Zwischendurch sorgte Rauch für eine Spielunterbrechung.
    foto: apa/herbert p. oczeret

    Zwischendurch sorgte Rauch für eine Spielunterbrechung.

  • Goran Djuricin beim Aufrichten von Steffen Hofmann, der ziemlich wirkungslos blieb.
    foto: apa/hans punz

    Goran Djuricin beim Aufrichten von Steffen Hofmann, der ziemlich wirkungslos blieb.

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