US-Gericht verurteilt russischen Hacker zu 27 Jahren Gefängnis

23. April 2017, 18:23
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Roman Seleznev soll durch Handel mit Kreditkartendaten rund 170 Millionen Dollar Schaden verursacht haben

Er war in der Szene bekannt als "Track2" und soll wesentlich zur Entwicklung des Handels mit gestohlenen Kreditkartendaten im Internet beigetragen haben. Nun wurde der russische Hacker Roman Seleznev in den USA zu 27 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Gericht sprach ihn in 38 Anklagepunkten schuldig. Beim Urteil blieb man nahe der Forderung der Staatsanwaltschaft, die sich für das maximale Strafmaß von 30 Jahren ausgesprochen hatte. Laut New York Times handelt es sich um das schwerste Urteil für Hacking, das in den Vereinigten Staaten je ausgesprochen wurde.

Soll Pionier des Kredikartendaten-Handels sein

Insgesamt 2,9 Millionen Kreditkartendaten soll Seleznev durch digitale Einbrüche in Point-of-Sale-Systeme – also jene Computer, mit welchen Kassensysteme gesteuert werden – erbeutet haben. Allein 1,7 Millionen Datensätze und ein umfangreicher Bargeldbestand konnten sichergestellt werden, als der heute 32-Jährige 2014 in den Malediven verhaftet wurde.

In einem handgeschriebenen, von der New York Times publizierten Brief hatte Seleznev an die Richter in Seattle um Milde gebeten. Er sehe seine Schuld ein und wolle seine Fehler so gut er könne wieder gut machen. Dabei betonte er auch seine schwierigen Lebensumstände, seine schwere Kindheit in der südöstlichen Pazifikmetropole Wladiwostok, den Tod seiner Mutter an Alkoholsucht und das Erlebnis eines terroristischen Bombenanschlags im Jahr 2011 in Marokko. Von einem "verzweifelten Kind" sei er zu einem "verzweifelten Mann" geworden. Er hatte sich schuldig bekannt und erklärt, er sei "gierig geworden und [habe] die Kontrolle verloren."

Staatsanwaltschaft zufrieden

"Heute ist ein schlechter Tag für Hacker auf der ganzen Welt", kommentierte Staatsanwältin Annette Hayes als Reaktion auf das Urteil. "Die Annahme, dass das Internet ein ‚Wilder Westen‘ sei, in dem alles erlaubt wäre, gehört nun der Vergangenheit an." Man werde auch in Zukunft mit Partnern rund um den Globus zusammen arbeiten, um "jene zur Rechenschaft zu ziehen, die das Internet zum Diebstahl und zur Zerstörung des Friedens missbrauchen."

Der Fall hat auch eine weitere politische Komponente. Seleznev ist der Sohn von Valery Seleznev. Der Duma-Abgeordnete der nationalistischen Liberaldemokratischen Partei gilt als Verbündeter von Präsident Wladimir Putin und hatte die Festnahme als "Entführung" kritisiert und die Unschuld seines Sohnes reklamiert. (red, 23.04.2017)

  • Valery Seleznev, Vater des Hackers und Duma-Abgeordneter, hatte 2014 die Festnahme seines Sohnes scharf kritisiert.
    foto: ap

    Valery Seleznev, Vater des Hackers und Duma-Abgeordneter, hatte 2014 die Festnahme seines Sohnes scharf kritisiert.

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