Schon Kreisky wusste sich zu inszenieren

24. April 2017, 14:13
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Pizza ausliefern ist – zumindest in Österreich – neu für Politiker. Sich mit jungen Parteifunktionären zu inszenieren ist nicht neu: Das konnte schon Bruno Kreisky. Die Bilder jener Fotosession wurden in drei aufeinanderfolgenden Wahlkämpfen verwendet.

Wien – Faszination. Der Begriff zieht sich durch alle Beiträge in dem eben erschienenen Buch Kreisky – und kein Nachfolger (Ueberreuter-Verlag). Selbst die politischen Gegner des SPÖ-Vorsitzenden und Bundeskanzlers (1970 bis 1983, keiner hatte vor oder nach ihm das Amt so lange inne) waren von der Persönlichkeit beeindruckt.

In einer Zeit, in der Politik noch eher holzschnittartig vermittelt wurde (die Vorgängerregierung von Josef Klaus pflegte ihre dürren Mitteilungen durch den stets trocken wirkenden Staatssekretär Karl Pisa zu kommunizieren), brachte Kreisky durch das Spielen mit seiner Brille Bewegung in die Fernsehbilder und prägte durch die vorangestellte Floskel "Ich bin der Meinung" die politische Kommunikation.

Drei Tage störungsfrei fotografiert

Margret Wenzel-Jelinek, der Fotografin und Herausgeberin des Buches, ist noch etwas anderes aufgefallen: "Für Fotos hat sich Kreisky Zeit genommen – drei Tage ohne Unterbrechung, so etwas gibt es heute gar nicht mehr", erzählt sie im Gespräch mit dem Standard.

Der Band erscheint ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, zu dem die Inszenierung des Videos mit Bundeskanzler Christian Kern als Pizzaboten diskutiert wird. Bekanntlich besuchte Kern SPÖ-nahe Pizza-Besteller. Kreisky machte es nicht viel anders, erinnert sich Wenzel-Jelinek: Professionelle Models hätte man sich nicht leisten können – daher wurden Mitglieder der Parteijugend zu einem Fototermin geladen. So entstanden Bilder, die Kreisky im Gespräch mit jungen Leuten zeigten; und dabei, wie Kreisky mit diesen jungen Menschen an einem Strang gezogen hat.

Jenes Bild wurde zu einem Symbolfoto der Kreisky-Ära. Bemerkenswert ist auch, dass die Bilder jener Fotoserie in drei aufeinanderfolgenden Wahlkämpfen eingesetzt wurden (wofür die SPÖ erst nach einer eindringlichen Aufforderung der Fotografin ein Honorar zu zahlen bereit war).

Bleibt abzuwarten, ob das auch mit den Bildern des Pizza-Lieferanten passieren wird. Und ob der amtierende Kanzler auch eine so wohlwollende Nachrede haben wird: "Kreisky war ein außergewöhnlicher Mensch. Wenn er einen Raum betrat – absolut dominant: einfach charismatisch!" Das schreibt Norbert Steger, FPÖ-Chef und Vizekanzler der Nach-Kreisky-Zeit, im neuen Kreisky-Buch. (Conrad Seidl, 24.4.2017)

  • Schon Bruno Kreisky umgab sich mit Menschen aus dem Partei-Nachwuchs, um zu inszenieren, wie er mit ihnen an einem Strang ziehen kann.
    foto: wenzel-jelinek

    Schon Bruno Kreisky umgab sich mit Menschen aus dem Partei-Nachwuchs, um zu inszenieren, wie er mit ihnen an einem Strang ziehen kann.

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