Italiens Kreditwürdigkeit neuerlich herabgestuft

23. April 2017, 16:24
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Ratingagentur Fitch kritisiert Verzögerung bei Schuldenabbau und die politische Instabilität

Es war keine schöne Osterüberraschung für Italien. Die Ratingagentur Fitch hat das Land um einen Grad auf BBB herabgestuft. Das sind nur zwei Stufen über Ramschniveau. Auch wenn Fitch die Bonitätsnote Italiens mit einem stabilen Ausblick versehen hat, kam die Herabstufung dennoch überraschend.

Fitch begründet die Entscheidung mit dem geringen Wachstum, der übermäßig hohen Verschuldung und der Unfähigkeit der Regierung, die Staatsverschuldung (133 Prozent des BIP) zügig abzubauen. Das Vertrauen in den Staat habe dadurch gelitten. Ein weiterer Grund für die Herabstufung sind die wenig stabilen politischen Aussichten.

Bekanntlich stehen in Italien im Herbst oder kommenden Frühjahr Parlamentswahlen ins Haus. Die Chancen sind gering, dass eine der drei großen Gruppierungen alleine regierungsfähig wird. "Die Risiken einer schwachen oder nicht stabilen Regierung sind gewachsen", heißt es im Bericht der Ratingagentur.

Höhere Finanzierungskosten

Mit Fitch haben nun drei der großen Ratinginstitute (Moody's, DBRS, Fitch) die Bonität Italiens zurückgestuft. Die Beurteilung durch S&P ist Anfang Mai fällig. Eine schlechtere Note bedeutet für Italien höhere Finanzierungskosten für die ohnehin schon unter einem Berg fauler Kredite leidenden Finanzinstitute.

Italiens Regierung zeigte sich von der Ankündigung der Bonitätswächter irritiert und kündigte am Wochenende an, Möglichkeiten zum Einspruch zu prüfen. Allerdings bestätigte Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan anlässlich des G20-Treffens in Washington, dass Italiens Wirtschaft zu langsam wächst.

Fitch sieht für heuer eine Zunahme des BIP von 0,9, die Regierung von 1,1 Prozent vorher. Die Wachstumsquote liegt weit unter dem EU-Durchschnitt. Padoan betonte in einem Zeitungsinterview, dass vorrangig politische und nicht wirtschaftliche Gründe für das Downgrading verantwortlich seien. Der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Paolo Baretta kritisiert, dass das Fitch-Rating nicht auf einer objektiven Basis beruhe, und plädiert einmal mehr die Gründung einer eigenen, europäischen Ratingagentur. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 24.4.2017)

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