Secession kritisiert Essl-Deal mit Albertina

23. April 2017, 16:38
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Der Vorstand der Wiener Secession spricht sich gegen die Subventionierung der Dauerleihgabe aus und fordert die Auflösung des Vertrags

Wien – Im Februar verkündete Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) eine Lösung für die in ihrer Existenz bedrohte Sammlung Essl. Wie berichtet gehen die rund 4.600 Kunstwerke der Sammlung, an der mittlerweile als Mehrheitseigentümer (60 Prozent) Hans Peter Haselsteiner beteiligt ist, als Dauerleihgabe für zumindest 27 Jahre an die Albertina. Danach könnte die Sammlung vom Eigentümer wieder abgezogen werden.

Drozda sicherte Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder zu, den Deal mit einer Subventionserhöhung um vorerst 1,1 Millionen jährlich zu unterstützen. STANDARD-Informationen zufolge könnten für die geplante Bespielung des Künstlerhauses allerdings weitere öffentliche Mittel nötig werden. Hochgerechnet auf 27 Jahre soll die Albertina für die Essl-Dauerleihgabe zwischen 35 und 70 Millionen Euro erhalten.

"Problematischer kulturpolitischer Schritt"

Dagegen spricht sich nun der Vorstand der Wiener Secession in einem offenen Brief an Kulturminister Drozda aus: "Angesichts der angespannten Fördersituation für Kunst und Kultur und der viel zu niedrigen Ankaufsbudgets der Museen erscheint uns die Entwicklung in der Causa Essl als ein sehr problematischer kulturpolitischer Schritt", heißt es darin.

Vor dem Hintergrund der alarmierenden prekären Verhältnisse der österreichischen Künstler und Künstlerinnen sehe man in der Vereinbarung zwischen dem österreichischen Staat und der Haselsteiner-Stiftung vor allem "die Förderung einer privaten Sammlung. Das ist keine kulturelle Investition, die allen zugutekommt", so der Vorstand der Künstlervereinigung. Man begrüße zwar das Engagement privater Sammler, sei aber der Meinung, dass für öffentliche Einrichtungen andere Kategorien und Maßstäbe gelten müssten.

Gefordert wird in dem Brief eine Auflösung des Vertrags, die vorgesehenen Mittel solle man in eine "aktive Sammlungspolitik" und den Museen als Ankaufsbudgets zur Verfügung stellen. Die Secessions-Verantwortlichen schließen sich mit ihrer Kritik dem Museumsfachmann Dieter Bogner an, der u. a. im STANDARD Unmut über den Deal geäußert hatte.

Dem Vorstand der Vereinigung bildender KünstlerInnen der Wiener Secession gehören als Vorsitzender Herwig Kempinger, Anna Jermolaewa, Carola Dertnig, Markus Schinwald, Florian Pumhösl, Maja Vukoje, Susi Jirkuff, Christoph Meier, Bettina Götz, Ursula Mayer, Esther Stocker und Andreas Reiter Raabe an. (Stefan Weiss, 23.4.2017)

  • Offener Brief der Secession zum Thema Sammlung Essl.

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