O’Sullivan lässt Murphy im Achtelfinale keine Chance

    23. April 2017, 09:26
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    Ronnie O’Sullivan erreicht nach starker Leistung das Viertelfinale, trifft dort auf Ding Junhui. Auch Routinier John Higgins in Runde der letzten acht

    Sheffield/Wien – "Er ist immer noch das Maß aller Dinge." So sprach Shaun Murphy nach seiner 7:13-Niederlage gegen Ronnie O’Sullivan im Achtelfinale der Snooker-WM. Die dritte Session der Partie hatte an diesem Samstag Vormittag nicht mehr allzu lange gedauert: Nachdem O’Sullivan den ersten, Murphy den zweiten Frame gewinnen konnte, entwickelt sich der dritte bereits zum letzten entscheidenden Moment des Matches.

    Ein böser Kick

    Ronnie O’Sullivan führt zu diesem Zeitpunkt mit 11:7, nur zwei Frames fehlen ihm zum Matchgewinn. Murphy muss also punkten und den Abstand verkleinern, will er noch eine realistische Chance auf ein Comeback in dieser Partie bewahren. Aber gerade als "The Magician" dabei ist, sich sein Break aus Rot und Schwarz zusammenzubasteln, passiert es: Bei einem tempoarm und daher vermeintlich sicher gespielten Lochversuch kommt es zu einem "Kick" zwischen Spielball und rotem Objektball. Weiß und Rot kleben für den Bruchteil einer Sekunde aneinander, wodurch sich der Winkel verändert, in dem der rote Ball Richtung Tasche geschickt wird. So endet Shaun Murphys Break am Tascheneingang, bevor es noch richtig begonnen hat.

    Spätestens als O’Sullivan den unverschuldeten Ausrutscher seines Gegners mit seinem vierten Century-Break im Turnier beantwortet, glauben im Crucible Theatre wohl nicht einmal mehr hartgesottene Murphy-Fans, dass ihr Idol diese Partie noch drehen kann. Nach einem weiteren Versehen Murphys, für das diesmal kein unsauberer Ballkontakt verantwortlich zu machen ist, beendet O’Sullivan die Leiden seines Gegners. Mit 13:7 zieht "The Rocket", der das Match über weite Strecken dominierte, verdient ins Viertelfianle ein.

    Routine siegt …

    Ob O’Sullivans Gegner in der Runde der letzten acht Ding Junhui oder Liang Wenbo heißt, diese Frage bleibt bis zum fünfundzwangisten und letzten Frame im Match der beiden Chinesen offen. Waren die ersten beiden Sessions von hohen Breaks geprägt, so entwickelt sich die letzte zu einer Reihe taktischer Scharmützel, in denen Liang zwischenzeitlich die Nase vorne zu haben scheint: Aus dem 7:9 nach Session zwei wird zuerst ein 9:9. Nach Frameabtausch zum 10:10 und 11:11 geht Liang schließlich mit 12:11 in Führung und schickt sich somit an, die langjährige Nummer eins der chinesischen Rangliste aus dem WM-Turnier zu eliminieren.

    Aber dann macht sich die größere Routine Dings doch noch bezahlt, der zwar ebenso wie sein Gegner erst 30 Lenze zählt, aber schon auf erheblich mehr Turniererfolge und dabei gesammelte Erfahrung zurückblicken kann. Nachdem Ding zum 12:12 ausgleicht, ermöglicht ein Schnitzer Liangs ihm, den Decider an sich zu ziehen und sein Viertelfinalticket auf den letzten Drücker doch noch zu lösen. Wobei anzunehmen ist, dass Ding sich die Sache nach der 6:2-Führung am Ende von Session eins etwas stressfreier vorgestellt hatte.

    … und siegt

    Auch im Achtelfinale zwischen John Higgins und Mark Allen ist es letztlich die größere Routine, die den Ausschlag zugunsten des vierfachen Weltmeisters aus Schottland gibt. Dem Nordiren Allen gelingen im Verlauf des Matches nicht weniger als vier Century-Breaks, beide Spieler brillieren mit Lochqoten weit oberhalb der 90 Prozent. Das Problem für Allen: Sobald ihm einmal kein Century gelingt, ist er gegen Higgins fast chancenlos. So beantwortet der Schotte etwa ein starkes 70-Punkte-Break seines Gegners mit einer noch stärkeren 72-Punkte-Clearance.

    Higgins dreht einen 3:5-Rückstand in Session zwei in einen Vorsprung von 9:7. Und je länger das Match dauert, umso mehr Wirkung zeigt Mark Allen. Am Ende wird das 13:9 für Higgins zum Dokument einer beeindruckenden Leistung des Routiniers, der sich spätestens mit dieser Leistung zum ernsthaften Kandidaten auf einen fünften WM-Titel gemausert hat.

    Favoriten führen

    Stephen Maguire und Mark Selby haben in der ersten Session ihrer Achtelfinal-Partien jeweils keine gröberen Schwierigkeiten. Maguire führt gegen Rory McLeod, der den an einer Schulterverletzung laborierenden Judd Trump überraschend in Runde eins eliminiert hatte, mit 6:2. Weltmeister Mark Selby liegt nach dominanter Vorstellung gegen Xiao Guodong mit dem gleichen Ergebnis in Front. Beide Partien werden am Sonntag fortgesetzt. (Anatol Vitouch, 23.4.2017)

    • Ronnie O’Sullivan nimmt Maß.
      foto: imago/xinhua

      Ronnie O’Sullivan nimmt Maß.

    • Liang Wenbo in Position.
      foto: liang wenbo

      Liang Wenbo in Position.

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