"Crawl" im Test: Kerkerkracher für Offline-Spielepartys

    Rezension23. April 2017, 11:00
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    Der originelle Local-Multiplayer-Spaß lädt zum kompetitiven Ausflug in düstere Pixeldungeons

    Sich mit Freunden auf der Couch heiße Duelle am Joypad zu liefern oder kooperative Spieleabenteuer gemeinsam zu bestehen, erlebt seit einiger Zeit eine kleine Renaissance. Nach Jahren, in denen das einsame Online-Spielen gegen menschliche Mitspieler seinen Siegeszug feierte, wird es zunehmend wieder geschätzt, mit kühlen Getränken und Chips vor dem TV-Gerät gemeinsam mit Freundinnen und Freunden zu spielen. Neben Allzeitklassikern wie "FIFA" und den immer populären Fighting Games der Marke "Street Fighter" haben in den letzten Jahren vor allem kleine Spiele aus der Indie-Welt das gesellige Spielen im Local Multiplayer quasi neu erfunden – mit Instant-Klassikern wie "Niddhogg", "Samurai Gunn", "Gang Beasts" und "Towerfall".

    Mit "Crawl" (PS4, Xbox One, Windows, 14,99 Euro) gesellt sich nun ein weiterer Titel hinzu, der auf keinem Spieleabend mit Freunden fehlen sollte. Nach drei langen Jahren im Early Access, in denen schon über 170.000 neugierige Spielerinnen und Spieler zugeschlagen haben, ist das Spiel australischer Entwickler vor kurzem final und auch für Konsolen erscheinen – und ein großer Spaß. Vor allem wegen des originellen Konzepts: Bis zu vier Spielerinnen und Spieler finden sich in einem Fantasy-Kerker, wo Schätze, Magie und böse Monster warten. Die klassische Heldenrolle kann allerdings nur eine(r) spielen – die übrigen Mitspielerinnen und Mitspieler stellen sich in der Rolle körperloser Geister oder aber verschiedener Monster als trickreiche Hindernisse auf dem Weg zum großen Schatz in dessen Weg.

    powerhooftv
    Trailer zu "Crawl"

    Alle gegen einen – und gegeneinander

    Kurz gesagt: "Crawl" ist ein Fantasy-Action-Rollenspiel, in dem die anwesenden Mitspielerinnen und Mitspieler die Monster spielen. Nachdem ganz zu Beginn per blutigem Schnellduell die Rollen verteilt wurden, beginnt der oder die SiegerIn, wie in unzähligen anderen bekannten Rollenspielen den Kerker zu erforschen, Schatzkisten zu suchen, Monster zu bekämpfen und sich im Spielverlauf per Levelaufstieg immer stärker auszurüsten – wenn die restlichen Spielerinnen und Spieler dieses Abenteuer nicht beenden. Zu Beginn können diese als körperlose Gespenster "nur" Fallen auslösen oder wie Poltergeister mit Gegenständen werfen; beim Aktivieren eines Siegels reinkarnieren sie allerdings in Gestalt grundverschiedener Monster, die sich allein oder, viel besser, gemeinsam taktisch in den Weg des Helden stellen. Wer diesen letztlich erledigt, darf die Rollen tauschen und sich selbst als Held oder Heldin versuchen.

    Es sind stets die simplen Spielideen, die bei Local-Multiplayer-Partys für Unterhaltung sorgen, und "Crawl" ist keine Ausnahme. Zwar erfordert sowohl die Helden- wie auch die Monsterrolle ein bisschen Übung und Geschick, doch in der Hauptsache sorgt der gemeinsame Widerstand der Monster-Spieler gegen den scheinbar übermächtigen Helden schon nach sehr kurzer Einspielzeit für immer wieder abwechslungsreiche, spannende Unterhaltung auf der Couch. Denn auch die Zusammenarbeit mit anderen Monstern hat ein Ablaufdatum – nur wer den letzten, entscheidenden Angriff ausführt, wird als Held wiedergeboren. Das macht alle Allianzen temporär und höchst unterhaltsamer Verrat steht an der Tagesordnung.

    Fazit

    "Crawl" ist dank langer Entwicklungszeit in seiner finalen Version ein ziemlich einzigartiges Stück Local-Multiplayer-Unterhaltung, das verlässlich für verschwitzte Hände und großes Hallo auf der nächsten Spieleparty sorgt. Wer keine allergische Reaktion auf Pixelgrafik bekommt und – vor allem – im besten Fall drei weitere Freundinnen und Freunde zur Kerkerhatz versammeln kann, macht mit diesem originellen Spiel nichts verkehrt. Wenn sich nur weniger echte Menschen finden, übernimmt das Spiel die fehlenden Monsterrollen.

    Für ausschließliche Einzelspieler zahlt sich der Kauf allerdings weniger aus; der Single-Player-Part bietet zwar dieselbe solide Spielmechanik, doch wer mit echten Menschen spielt, weiß, was dem Kampf gegen die AI immer fehlen wird: das befriedigende Gefühl, einem guten Freund im besten Moment das Hackl ins Kreuz zu hauen. Mit Adrenalinausstößen und lautstarken Handgreiflichkeiten vor dem Bildschirm ist zu rechnen. (Rainer Sigl, 23.4.2017)

    "Crawl" ist für PS4, Xbox One und Windows-PC erschienen. UVP: 14,99 Euro.

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Spiel wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

    Nachlese

    Local Multiplayer: Acht Hits fuer den gemeinsamen Spielspass

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