Wie könnte Leben auf Enceladus aussehen?

23. April 2017, 10:56
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Rocco Manicelli, Astrobiologe bei der Nasa, spekuliert auf Gizmodo über potenzielle Organismen unter dem Eis des Saturnmondes

illustr.: apa/afp/nasa

In der vergangenen Woche haben Astronomen im Fachjournal "Science" den jüngsten einer wachsenden Anzahl von Belegen dafür präsentiert, dass der Saturnmond Enceladus ein wasserreicher Himmelskörper sein könnte. Messungen der Oberflächentemperaturen, Analysen der etwas wackeligen Umlaufbahn und ganz besonders die aktiven Kryovulkane in der sogenannten Tigerstreifenzone im Süden von Enceladus sprechen dafür, dass unter seiner kilometerdicken Eiskruste ein flüssiger Ozean lauert.

Für Astrobiologen ist besonders die aktuelle Arbeit eines Teams um Hunter Waite vom Southwest Research Institute in Texas von Interesse, denn sie weist nach, dass neben Wasser noch eine andere Grundlage für mögliches Leben auf dem Eismond vorhanden ist: Im Auswurfmaterial der Südpol-Geysire entdeckten die Wissenschafter mithilfe von Daten der Nasa-Sonde Cassini Wasserstoff und Kohlendioxid. Die beiden chemischen Grundstoffe könnten potenziellen Lebensformen als Energiequelle dienen.

Leben auf niedrigem Niveau

Streifen also exotische Mond-Kraken durch den lichtlosen Ozean unter Enceladus' Eispanzer? Wohl nicht, meint Rocco Manicelli von der Nasa, der dem Internetmagazin "Gizmodo" zu dieser Frage ein Interview gab. Der Astrobiologe erwartet stattdessen, dass sich Leben auf dem Saturnmond eher auf sehr niedrigem Niveau abspielen dürfte. Die außerordentlich tiefen Oberflächentemperaturen von -200 Grad Celsius würden es selbst den zähesten Organismen dort jedenfalls ziemlich schwer machen.

Leben könnte sich allerdings um die hydrothermalen Quellen konzentrieren, die am felsigen Boden des Mondes vermutet werden und den Schwarzen Rauchern am Grund der Erdozeane gleichen könnten. Letztere nehmen bekanntermaßen im Ökosystem der irdischen Tiefsee eine Schlüsselstellung. Das dort austretende über 400 Grad Celsius heiße Wasser und die darin gelösten Stoffe und Mineralien bilden den Grundstein einer formenreichen Nahrungskette.

Möglicherweise besitzen die potenziellen Mikroorganismen in der Finsternis unter dem Eis auch die Fähigkeit zur Biolumineszenz, spekuliert Manicelli. Wirkliche Klarheit könnten allerdings nur künftige Missionen zu dem Saturnmond bringen, etwa der Enceladus Life Finder (ELF), ein Projekt, das die Nasa vor zwei Jahren vorgestellt hat.

--> Gizomodo: What Would Life On Saturn's Moon Enceladus Look Like?

(red, 23.4.2017)

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