Kritik an Werbepreis für "Frau Gertrude"

    21. April 2017, 17:45
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    Werbeagentur Jung von Matt Donau erhielt Grand Prix des Creativ Club Austria – Wahlkampfteam weist Vorwurf der Inszenierung zurück: Frau Gertrude kam auf Team zu

    Wien – Das Facebook-Video der Holocaust-Überlebenden "Frau Gertrude" ist Donnerstagabend vom Creativ Club Austria (CCA) als beste Werbung des Jahres ausgezeichnet worden, was am Freitag für Kritik sorgte. Denn die Videobotschaft prägte 2016 das Finale des Bundespräsidentenwahlkampfs entscheidend mit. Vom Team von Alexander Van der Bellen hieß es damals, Frau Gertrude sei von sich aus auf sie zugekommen.

    Nun wurde die Werbeagentur Jung von Matt Donau für die Arbeit "Frau Gertrude" aus der Van-der-Bellen-Kampagne mit dem Hauptpreis des CCA-Jury, dem Grand Prix, ausgezeichnet. Der Verein Gemeinsam für Van der Bellen wurde Kunde des Jahres. Jung von Matt holte mit "Frau Gertrude" zusätzlich Gold in den Kategorien Direct & Dialog Digital und Social Media. Bei der Preisverleihung war Van der Bellen persönlich anwesend, er würdigte die Arbeit der Kreativbranche.

    Der zuständige Werber Martin Radjaby verteidigte die Einreichung, sagte im "Kurier" (Onlineausgabe) aber, er könne die Kritik nachvollziehen. Er verwies darauf, dass die Politik ein Kommunikationsgeschäft sei. Aber: "Als 'Arbeit' würde ich das Statement nicht verstanden wissen wollen", wird Radjaby zitiert.

    "Frau Gertrude ist auf das Wahlkampfteam zugekommen"

    Aus dem damaligen Wahlbüro Van der Bellens hieß es am Freitag zur APA: "Frau Gertrude ist auf das Wahlkampfteam zugekommen, und ihr berührendes Statement wurde vom Team aufgezeichnet. In der Agentur wurde entschieden, wie man mit diesem Statement kommunikativ umgeht." Der Vorwurf der Inszenierung wurde zurückgewiesen.

    Van der Bellen hatte das Video, in dem Gertrude vor der FPÖ und deren Kandidaten Norbert Hofer warnte, Ende November gepostet und geschrieben "Gertrude, 89 und aus Wien, hat uns ersucht, dieses Video-Statement zu veröffentlichen". In der Folge wurde das Video auf Facebook mehr als dreieinhalb Millionen Mal angesehen und stieß auch international auf große Resonanz. (APA, 21.4.2017)

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