26 im Irak verschleppte Jäger aus Katar wieder frei

21. April 2017, 16:38
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Freilassung womöglich im Zuge eines "Syrien-Deals"

Bagdad – Fast 16 Monate nach ihrer Entführung im Irak sind 26 Jäger aus Katar wieder frei. Die Gruppe solle noch am Freitag einer katarischen Abordnung in Bagdad übergeben werden, sagte ein ranghoher Mitarbeiter des irakischen Innenministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Die Delegation aus Katar hielt sich seit vergangener Woche in Bagdad auf.

Die Entführungsopfer – unter ihnen sollen auch Mitglieder der katarischen Herrscherfamilie sein – hatten sich im Dezember 2015 zu einer Jagdpartie im Südirak aufgehalten. Über die Umstände der Verschleppung und den Aufenthaltsort der Entführten drang kaum etwas an die Öffentlichkeit.

Der Ministeriumsmitarbeiter wollte auch keine Angaben zu den Verhandlungen machen, die jetzt zur Befreiung der 26 führten. Aus Verhandlungskreisen verlautete jedoch, es habe einen "Deal" zwischen den Geiselnehmern und der Islamistengruppe Al-Nusra-Front gegeben. Der syrische Ableger des Al-Kaida-Netzwerks firmiert heute unter dem Namen Fateh-al-Sham-Front.

Reiche Bewohner der sunnitischen Golfstaaten kommen immer wieder zur Jagd in Länder wie Pakistan, Afghanistan und den Irak, weil die Bestimmungen dort weniger streng sind als bei ihnen. Die Jagdgruppe aus Katar hielt sich mit einer offiziellen Genehmigung des irakischen Innenministeriums in dem Land auf.

Zu der Geiselnahme hatte sich nie jemand bekannt. Im schiitisch geprägten Südirak ist eine feindliche Haltung gegenüber den Golfstaaten weit verbreitet. Hintergrund ist die Haltung dieser Länder im syrischen Bürgerkrieg und ihre mutmaßliche Unterstützung der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Katar, das Rebellen gegen den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad unterstützt, wird besonders kritisch gesehen. Die schiitische Regionalmacht Iran unterstützt dagegen Assad.

Der jetzige Deal erfolgte den Angaben zufolge im Zuge der unter Vermittlung von Katar und dem Iran zustande gekommenen Vereinbarung. Diese sieht vor, tausende Menschen aus den von der syrischen Regierung kontrollierten und von Rebellen belagerten Ortschaften Fua und Kafraya in der nördlichen Provinz Idlib herauszubringen. Im Gegenzug sollen aus der südswestlichen Stadt Sabadani und zwei anderen Ortschaften, die von den Rebellen gehalten und von Regierungstruppen belagert werden, ebenfalls Menschen herausgebracht werden.

Die vergangene Woche begonnenen Evakuierungen waren am Freitag weiter im Gange. Hunderte Menschen sollten gemäß einer Vereinbarung zwischen Regierung und Rebellen in die nordsyrische Großstadt Aleppo gebracht werden, die seit Ende des vergangenen Jahres wieder von der Regierung gehalten wird.

Die Bewohner von Fua und Kafraya mussten jedoch zwei Nächte in ihren Bussen verbringen, weil es im letzten Augenblick Unstimmigkeiten über die Forderung der Rebellen gab, inhaftierte Aufständische freizulassen.

Am vergangenen Samstag waren bei einem Selbstmordanschlag auf einen Buskonvoi am Kontrollpunkt Rashidin westlich von Aleppo 126 Menschen getötet worden, darunter 68 Kinder. Mehrere hundert Menschen wurden verletzt. Die meisten Opfer waren Einwohner aus Fua und Kafraya.

Zu dem Attentat bekannte sich niemand. Assad machte in einem am Freitag veröffentlichten Interview am Freitag mit der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti die Al-Nusra-Front für den Anschlag verantwortlich. (APA, 21.4.2017)

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