Seeskorpione versetzten Opfern mit Stachel den Todesstoß

22. April 2017, 11:00
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Neuer Fund lässt vermuten, dass die Räuber des Paläozoikums gut bewaffnet auf die Jagd gingen

Edmonton – Eurypteriden, auch bekannt als Seeskorpione, gelten als frühe Vorfahren unserer heutigen Spinnen, Milben und Pfeilschwanzkrebse. Diese formenreiche Gliedertiergruppe bewohnte die Ozeane und Seen vor 460 bis 260 Millionen Jahren und brachte vermutlich die größten Gliedertiere aller Zeiten hervor. Jaekelopterus etwa war während des Unterdevons vor 400 Millionen Jahren ein furchterregender Räuber, der nach bisherigen Fossilienfunden eine Länge von 2,5 Metern erreichen konnte.

Mehr als 20 Seeskorpion-Familien wurden bisher identifiziert, die meisten von ihnen gingen in warmen, flachen Seen und Meeren auf Beutefang. Einige Eurypteriden besaßen dafür große Zangen, andere nutzten ihre Kieferklauen zum Ergreifen der Opfer. Nun haben kanadische Wissenschafter Hinweise auf eine weitere mögliche Waffe der gepanzerten Jäger gefunden: einen langen, gesägten Schwanzstachel.

"Unsere Analysen lassen vermuten, dass einige Seeskorpione ihre Schwanzspitze dazu nutzten, ihrer Beute den tödlichen 'Dolchstoß' zu versetzen", meint Studienleiter Scott Persons von der University of Alberta in Edmonton. Die Paläontologen entwickelten diese These, als sie ein neu entdecktes, ungewöhnlich gut erhaltenes Fossil der Spezies Slimonia acuminata aus dem Silur näher untersuchten, einer ausschließlich im Süßwasser lebenden Spezies, die gut 1,5 Meter lang werden konnte.

Verräterische Schwanzbiegung

Das Exemplar, freigelegt in der Patrick-Burn-Formation nahe Lesmahagow in Schottland, verfügt über einen gesägten, lang ausgezogenen Dorn am Ende seines Schwanzes. Besonders auffällig ist nach Ansicht der Wissenschafter, dass der Hinterleib bei diesem Fund stark nach vorne gekrümmt ist. "Im Unterschied zu Hummern oder Garnelen, deren Schwanz nur vertikal beweglich ist, konnte Slimonia seinen Hinterleib offenbar zur Seite hin umbiegen", schreiben die Wissenschafter im Fachjournal "The American Naturalist".

Das könnte bedeuten, dass der Seeskorpion mit seinem flachen Schwanz links und rechts Schläge austeilen konnte, ohne gegen nennenswerten Wasserwiderstand ankämpfen zu müssen. Persons und seine Kollegen vermuten daher, dass Slimonia seine Opfer mit den vorderen Gliedmaßen festhielt und mit der scharfen Schwanzspitze auf sie einstach. (red, 22.4.2017)

  • Slimonia acuminata stellte seiner Beute in Seen und Flüssen nach. Um sie zur Strecke zu bringen,  dürfte er mit Schwanz zugestochen haben.
    foto: w. scott persons iv & john acorn

    Slimonia acuminata stellte seiner Beute in Seen und Flüssen nach. Um sie zur Strecke zu bringen, dürfte er mit Schwanz zugestochen haben.

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