Mit Humor, Glamour und Tabubrüchen: Jean Paul Gaultier ist 65

Ansichtssache23. April 2017, 19:41
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Französischer Stardesigner macht seit mehr als 40 Jahren mit Auflehnung gegen Konventionen Karriere

Paris – Wer Männer in Röcke steckt und Popsängerin Madonna in ein Korsett mit Spitzkegel-BH, ist anders als andere Designer. Darauf ist Jean Paul Gaultier auch stolz. Und so macht der französische Couturier, der am Montag 65 Jahre alt wird, mit dem weiter, was seit mehr als 40 Jahren seine Karriere bestimmt: Konventionen brechen.

Er habe schon früh verstanden, dass die Menschen auf sein Anderssein nicht unbedingt mit Ablehnung reagieren, sagte der Modemacher in einem Interview des Magazins "Madame Figaro". Dass man ihn deshalb das "Enfant terrible" der Modewelt nennt, störe ihn nicht. "Ich finde diesen Ausdruck eher sympathisch."

Zu seinen bekanntesten Launen gehören Tutus für Männer und Plateauschuhe für Milla Jovovich im Science-Fiction-Film "Das fünfte Element", für den Gaultier die Schauspielerin in ein Minimaloutfit steckte, das nur aus einer weißen Unterhose und einigen Streifen bestand. Er zeigte zudem eine Tattoo-Kollektion zu einer Zeit, in der tätowierte Haut auf dem Laufsteg noch verpönt war. Gaultier hat Tabus gebrochen und die französische Modewelt auf den Kopf gestellt. Mit seinen exzentrischen Kreationen hinterfragt er den Begriff von Schönheit.

foto: fernando vergara/ap/dapd
Gaultier auf dem Catwalk im Jahr 2012.

Er habe schon immer eine Vorliebe gehabt, Dinge zu verwandeln, von einer Stimmung zur anderen zu wechseln, von männlich zu weiblich, erzählte er in dem Interview. Dazu gehörte auch seine Arbeit für Hermes. Für das berühmte Modehaus entwarf er neben seiner eigenen Kollektion von 2004 bis 2011 die Pret-a-porter-Damenlinie. Das Luxushaus sei im Grunde der genaue Gegensatz zu dem gewesen, was er war und ist – aber es habe ihm Spaß gemacht.

Gaultier stammt aus einer einfachen Familie. Geboren wurde er in Bagneux, einem Vorort südlich von Paris. Die Mutter war Sekretärin, der Vater Buchhalter. In der Schule soll er nicht besonders gut gewesen sein. Seine Anekdote, wie er zum Zeichnen und zur Mode fand, erzählt er noch heute gern. Sie beginnt mit einer neuen Tanzschau des Pariser Kabaretts Folies Bergere, die er im Fernsehen anschauen durfte und die ihn so sehr beeindruckte, dass er am nächsten Tag in der Schule eine Frau mit Federn malte. Als die Lehrerin das sah, schlug sie ihm auf die Finger. Doch statt ihn auszulachen, kamen die Mitschüler danach zu ihm und wollten eine Zeichnung.

foto: reuters/stephane mahe
Haute-Couture-Schau für Herbst-Winter 2015/2016 mit Model Lindsey Wixson.

Der berühmte Modezar ist Autodidakt. Schon damals ging er unkonventionelle Wege. Kaum 18 Jahre alt, schickte er den berühmtesten Modeschöpfern in Paris seine Skizzen zu. Pierre Cardin erkannte als erster sein Talent und engagierte ihn 1970 als Assistent. Dann verlief alles wie im Märchen: Als 24-Jähriger stellte Gaultier seine eigene Linie vor und 1978, nur zwei Jahre später, gründete er sein nach ihm benanntes Modehaus.

Heute hat Jean Paul Gaultier alles erreicht, was man auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten erreichen kann. Seine Haute-Couture-Kollektionen haben Modegeschichte geschrieben, im Parfumsegment brachte er einen Klassiker nach dem anderen auf den Markt. Seine Mode wird nicht nur getragen, sondern auch weltweit in Museen ausgestellt. Seine Ausstellung "From the Sidewalk to the Catwalk" war u.a. in Paris, Montreal und San Francisco zu sehen.

Gaultier strömt bei allem was er tut Optimismus und gute Laune aus. Er habe immer viel Glück gehabt, erklärte er in mehreren Interviews seinen Frohsinn. Alles sei ihm zugefallen. Pläne mache er deshalb keine. (APA, 22.4.2017)

foto: reuters/stephane mahe

Trends setzt Jean Paul Gaultier mit seiner Mode keine mehr. Langweilig wird's bei ihm auf dem Laufsteg trotzdem nicht. Hier ein Model 2015 während der Haute Couture-Show mit aufgestelltem Kopfschmuck ...

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foto: reuters/benoit tessier

... und 2012 mit Zöpfchen zum Kimono.

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foto: apa/afp/miguel medina

Bei Gaultier darf sogar in Zeiten absoluten Rauchverbots gepafft werden, hier bei der Couture (Frühjahr/ Sommer 2016).

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foto: fernando vergara/ap/dapd

Hauptsache, Frau fällt aus der Reihe. Ob mit Hahnenkamm oder ...

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foto: jacques brinon/ap/dapd

... pinkem Einteiler oder ...

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foto: ap/ kamil zihnioglu

... Seemannsmütze.

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foto: apa/afp/miguel medina

Gaultier hat die Leichtigkeit der Shows aus den 1980er Jahren herübergerettet. Bei ihm dürfen Models noch tanzen.

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foto: apa/afp/alain jocard

Abgeschleppt: das kanadische Model Coco Rocha wird während der Präsentation der Frühjahrskollektion 2017 von einem männlichen Model abgeschleppt.

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foto: reuters/danny moloshok

Musikerin Rihanna steht bekanntlich auf Transparentes. 2011 verpackte sie Jean Paul Gaultier für die Grammy Awards.

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foto: apa/afp/dpa/maurizio gambarini

Ziemlich beste Freunde: Gaultier mit Conchita Wurst 2016 im Friedrichstadt-Palast in Berlin ...

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foto: reuters/ lucas jackson

... und mit Alicia Keys während der Costume Institute Gala 2015 in New York.

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foto: fernando vergara/ap/dapd

Madonnas kegelförmiges Korsett erlebt wie hier 2012 immer wieder eine Neuauflage.

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foto: reuters/benoit tessier

Zunge raus: Charlotte Le Bon beendet im Herbst 2011 eine Show.

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foto: reuters/ benoit tessier

... bei Jean Paul Gaultier sieht die Verabschiedung formvollendeter aus – bis zur nächsten Show! (APA, red, 24.4.2017)

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Haute Couture Paris: Mit der Schubkarre ins Mode-Labyrinth

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