LG G6 im Test: Gut ist einfach nicht gut genug

26. April 2017, 09:55
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Neues Top-Smartphone von LG macht vieles richtig, ragt aber auch nie wirklich aus der Masse heraus

Mit dem G5 versuchte sich LG im vergangenen Jahr an einem äußerst ambitionierten Konzept: Ein modulares Design sollte die Massen von Platzhirschen wie Samsung weglocken. Die ganze Angelegenheit hatte allerdings einen kleinen Schönheitsfehler: Die solcherart umworbenen Konsumenten wollten nicht so recht mitspielen – genau genommen eigentlich gar nicht. Das G5 erwies sich für LG als eine veritable – und ziemlich kostspielige – Bauchlandung.

LG G6

Nun gibt es den Nachfolger und damit auch das Ende all dieser Experimente: Das LG G6 will lieber wieder als konventionelles High-End-Smartphone punkten. Das bedeutet aber nicht, dass das neue Smartphone ohne sichtbare Änderungen auskommt, ganz im Gegenteil fällt die größte Neuerung schon direkt beim Auspacken auf. Nimmt nun doch auch beim G6 der Bildschirm fast die gesamte Vorderseite des Geräts ein, was im konkreten Fall bedeutet, dass der Rahmen ober- und unterhalb des Displays deutlich kleiner geworden ist. Auf ein seitlich gebogenes Edge-Display wie Samsungs Galaxy S8 verzichtet man hingegen, was zwar weniger spektakulär aussehen mag, dafür aber auch deutlich besser in der Hand liegt.

foto: andreas proschofsky / standard
Das LG G6: Mit schlankem Rahmen rund um den Bildschirm.

Design

Generell ist es aber schwer LG für das Design des G6 zu loben, allzu generisch mutet das Smartphone an. Und auch die Verarbeitung könnte besser sein, so gibt es neben dem Display eine kleine Spalte, in der sich gerne Schmutz und Haare verfangen. Dass LG weiter darauf besteht, unbedingt sein Logo auf die Vorderseite zu packen – etwas von dem mittlerweile sogar Samsung absieht – trägt ebenfalls nicht gerade positiv zum Look des Geräts bei. Der kantige Aufbau führt zudem dazu, dass sich das Gerät subjektiv vergleichsweise dick und schwer anfühlt, auch wenn das die Spezifikationen mit 148,9 x 71,9 x 7,9 mm und 163 Gramm nicht notwendigerweise belegen. Im Vergleich mit ein klassischen 5,5-Zoll Smartphone wie Googles Pixel XL ist das G6 mit seinem 5,7-Zoll-Display übrigens sogar eine Spur kleiner – der schlankere Rahmen macht es möglich.

Die Rückseite des Geräts ist aus Glas gehalten, was natürlich die Beschädigungsgefahr erhöht. Zumindest erweist sich das G6 aber in Belastungstests als äußerst widerstandsfähig, was also als Pluspunkt verbucht werden darf. Unterhalb des Dual-Kamera-Setups befindet sich auf der Rückseite des Geräts ein Fingerabdruckscanner. Sowohl in Hinblick auf Geschwindigkeit als auch Zuverlässigkeit rangiert dieser allerdings bestenfalls im Mittelfeld aktueller Geräte. Zumindest ist er aber besser platziert als jener des Galaxy S8, der sich bekanntermaßen direkt neben der Kameralinse befindet, und somit zur steten Verschmutzung der Linse beiträgt. Das ist hier also kein Problem.

Fingerabdruck

LG geht hier aber noch einen Schritt weiter als andere Hersteller: Der Fingerabdrucksensor ist nämlich sowohl Home- als auch Power-Button, das Gerät wird also auch an dieser Stelle eingeschaltet. Dies ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, auf Dauer dürfte dies wohl aber kein sonderliches Problem darstellen. Weniger erfreulich ist hingegen, dass LG die Lautstärkebuttons recht weit oben positioniert, wodurch sie vergleichsweise schwer zu greifen sind.

foto: andreas proschofsky / standard
Unter der Dual-Kamera befindet sich auf der Rückseite der Fingerabdruckscanner.

Langer Bildschirm

Doch noch einmal zurück zum Bildschirm: Dieser ist nämlich nicht nur größer, durch den neuen Aufbau verändert sich auch das Seitenverhältnis auf 2:1. Daraus ergeben sich kleinere Vorteile, etwa das Scroll-Listen länger sind, oder die On-Screen-Navigation relativ gesehen weniger Platz vom restlichen Geschehen wegnimmt. Ähnlich wie beim S8 zeigt sich aber auch hier, dass die Hersteller bisher recht wenig mit dem gewonnenen Platz anzufangen wissen. Und bei Videos führt dieser Aufbau zu schwarzen Balken an der Seite, sind diese doch meist auf das schmalere 16:9 ausgerichtet.

An dieser Stelle folgt ein kleiner Exkurs zu den neuen Display-Realitäten in der Smartphone-Welt: Führt die Veränderung der Seitenverhältnisse doch dazu, dass die üblichen Angaben von Display-Diagonalen nicht mehr so ohne weiteres vergleichbar sind. So ist die Screen-Fläche des 5,7-Zoll-G6 nur 2,6 Prozent größer als jene des Pixel XL mit 5,5-Zoll-Display, der Mathematik sei dank. Und das S8, bei dem Samsung auch noch die seitliche Biegung einrechnet, spielt hier ohnehin noch einmal in einer ganz anderen Kategorie.

Als Bildschirm nutzt das G6 einen IPS-LCD mit einer Auflösung von 1.440 x 2.880 Pixel. Dabei handelt es sich zwar um einen Top-LCD, mit einem aktuellen AMOLED-Screen kann dieser aber trotzdem nicht mehr mithalten. Hier wird es auch für LG langsam Zeit, einen Technologiewechsel anzudenken, überwiegen die Vorteile von AMOLEDs – vor allem der perfekte Schwarzwert – doch längst die Nachteile. Zudem hat die Wahl eines LCDs auch zur Folge, dass das G6 nicht für den Einsatz von Virtual-Reality-Brillen geeignet ist, entsprechend hat das Gerät auch keine Daydream-Zertifizierung von Google erhalten. Das mag für viele nicht von Interesse sein, trotzdem ist es ein Punkt bei dem die Konkurrenz die Nase vorne hat – etwa auch Samsung mit seinem eigenen Gear VR.

foto: andreas proschofsky / standard
Auch das LG G6 hat ein Always-On-Display, auf dem die wichtigsten Informationen dauerhaft dargestellt werden.

Performance

Eine echte Enttäuschung erleben Freunde des Spezifikationslistenbingos beim Blick auf den gewählten Prozessor: Qualcomms Snapdragon 821 ist nämlich der selbe Chip der schon in den Top-Geräten des Vorjahres zu finden war – also etwa beim OnePlus 3T oder Googles Pixel. Das hat einen simplen Grund, der neue Snapdragon 835 stand LG schlicht nicht zur Verfügung, da Samsung die erste Produktionscharge komplett aufgekauft hat. Also blieb nur der Griff zum älteren Chip oder alternativ eine Verzögerung des Launch-Termins um mehrere Monate, LG entschied sich für Ersteres.

Freilich muss betont werden: Jenseits all der künstlichen Benchmarks macht sich der Unterschied in keinster Weise bemerkbar, das LG G6 ist eigentlich durchgängig äußerst flott, auch wenn Googles Pixel in den Animationen noch eine Spur besser getimed wirkt. Und doch ist davon auszugehen, dass die Nutzung eines nicht mehr ganz aktuellen Chips für ein neues High-End-Gerät ein echtes Marketing-Problem darstellen könnte. Zur Seite stehen dem Prozessor übrigens 4 GB RAM – und damit das was auch bei den meisten anderen aktuellen Geräten zu finden ist.

Kamera

Angesichts dessen, dass Smartphones immer ausgereifter und die Unterschiede zwischen einzelnen Produktgenerationen immer kleiner werden, versuchen sich viele Hersteller über mehr oder weniger sinnvolle Gimmicks abzusetzen. Dazu zählen etwa die Dual-Kamera-Setups, die bei immer mehr Smartphones zu finden sind, und da bildet auch das G6 keine Ausnahme. LG nutzt dabei zweimal denselben 13-Megapixel-Sensor, setzt aber eine unterschiedliche Optik ein, um die normale Kamera mit einem Weitwinkelobjektiv zu ergänzen. Fraglos ein nettes Feature, ob dies den zusätzlichen Hardwareaufwand wert ist, ist natürlich eine ganze andere Frage. Auch der aus der Kombination entstehende Zoom (der in Wirklichkeit nur irgendwann von der einen Kamera auf die andere wechselt), wirkt eher wie eine Spielerei.

foto: andreas proschofsky / standard
Das LG G6 schießt durchaus ansehnliche Aufnahmen, wer an Details wie die Äste heranzoomt, wird aber schnell sehen, wie stark das Postprocessing übertreibt. (Dafür bitte das Bild anklicken und danach am besten herunterladen und lokal betrachten)

Wichtig sind im Endeffekt aber ohnehin nur die Bilder, die dabei entstehen, und hier hinterlässt das G6 zwar einen durchwegs sehr guten aber eben auch nicht wirklich herausragenden Eindruck. Das hat zwei Gründe: Einerseits ist das fast schon beeindruckend aggressive Post-Processing der Kamerasoftware zu nennen, das bei näherer Betrachtung die Details beinahe wie gemalt erscheinen lässt. Für schnelle Instagram-Schnappschüsse mag dies durchaus ansehnliche Bilder liefern, andere aktuelle Smartphones – etwa Googles Pixel oder das Samsung Galaxy S8 – sind da aber wesentlich näher an der Realität.

foto: andreas proschofsky / standard
foto: andreas proschofsky / standard
Dank der zwei Kameras lässt sich zwischen normalem Ausschnitt und Weitwinkel (unten) wechseln. Allerdings muss dabei erwähnt werden, dass der "normale" Ausschnitt wesentlich enger als bei anderen Smartphones ist, was etwas gewöhnungsbedürftig ist. Dies liegt daran, dass LG von Haus aus den gesamten Bildschirm nutzen will, und so ein Fotoverhältnis von 2:1 verwendet. Wer auf den 4:3-Modus wechselt bekommt einen gewohnten Ausschnitt.
foto: andreas proschofsky / standard
Mit schlechtem Wetter kann die Kamera des G6 recht gut umgehen.

Bei Low-Light-Aufnahmen steht der an sich lichtfreundlichen Blende von f/1.8 die eher geringe Pixelgröße von 1,12 µm im Weg. Auch hier bleiben bei anderen aktuellen Smartphones jedenfalls meist mehr Details übrig, wobei allerdings auch auffällt, dass die Ergebnisse der G6-Kamera unter diesen Bedingungen zum Teil stark variieren. Zudem wirken Nachtaufnahmen immer leicht ausgewaschen im Vergleich zur Konkurrenz – und zwar nicht nur zu Samsung, das bekanntermaßen bei den Gelbtönen gerne übertreibt.

Die Frontkamera ist mit einem 5-Megapixel-Sensor ausgestattet, die meisten anderen Hersteller bieten hier schon mehr. Vor allem aber wirken die Ergebnisse extrem künstlich, hier will man wohl Selfie-Fans eine Freude machen. Zumindest erspart man sich so das Schminken vor einer Aufnahme, kleinere Details des Gesichts verschwimmen nämlich komplett.

foto: andreas proschofsky / der standard
Die Nachtaufnahmen des LG G6 schwanken zum Teil stark, hier eine der bessere Aufnahmen
foto: andreas proschofsky / der standard
Im direkten Vergleich liefert das Galaxy S8 dann allerdings doch noch einmal bessere Bilder.
foto: andreas proschofsky / der standard
Die Weitwinkelkamera des LG G6 ist für abendliche Aufnahmen komplett ungeeignet.

Akku

Den Akku gibt LG mit 3.300 mAh an, was für diese Gerätegröße leicht unterdurchschnittlich ist, vor allem wenn man bedenkt, dass die Displayfläche gewachsen ist – und der Screen üblicherweise am Stärksten zum Akkuverbrauch beiträgt. In Summe sollte man sich also keine Akkuwunder erwarten, im Testverlauf würden wir das diesbezügliche Ergebnis des G6 in die obere Mittelklasse einreihen, bei mittlerer Nutzung sollte man aber trotzdem locker durch den Tag kommen – zumindest so lange der Akku noch frisch ist. Das Aufladen geht dank Quick Charge 3.0 recht flott, 50 Prozent in 35 Minuten verspricht Qualcomm, was sich im Test auch ziemlich genau so bestätigte.

Eine der Stärken bisheriger LG-Geräte war, dass der Akku einfach getauscht werden, damit macht der Hersteller nun aber Schluss. Beim G6 ist, wie bei praktisch allen relevanten Konkurrenten, der Akku nun fest verbaut. Im Gegenzug erhält das Smartphone eine IP68-Zertifizierung, ist also gegen das Eindringen von Staub und Wasser geschützt.

foto: andreas proschofsky / standard
Die Lautstärkeknöpfe sind recht weit oben angebracht, was sie schwer zu greifen macht.

Seltsame Entscheidungen

Für ungläubiges Kopfkratzen darf ein anderes Detail sorgen: Das G6 beherrscht nämlich Wireless Charging – allerdings nur in der Ausführung für die USA. In anderen Märkten sei die Nachfrage nach diesem Feature einfach nicht groß genug, versucht sich LG an einer etwas seltsamen Argumentation. Fakt ist, dass so ein Feature auch dem europäischen Modell gut angestanden wäre, wenn man schon die Rückseite unbedingt aus Glas gestaltet. Immerhin ist damit Wireless Charging wesentlich einfacher umzusetzen als mit einer abgeschlossenen Metallhülle.

Der interne Speicherplatz liegt bei 32 GB, zwar gibt es auch ein 64-GB-Modell, aber auch dies ist anderen Regionen vorbehalten. Zumindest lässt sich das Gebotene aber mittels MicroSD-Karte erweitern. Weitere Eckdaten sind WLAN 802.11ac, Bluetooth 4.2, LTE Cat. 11 und eine USB-C-Anschluss. Alles solide Werte aber eben auch nicht ganz an der Spitze des Marktes. Samsungs S8 liefert etwa bereits Bluetooth 5.0, LTE Cat 16 und einen USB-C-Anschluss mit USB-3.0-Support – jener des G6 läuft hingegen noch mit USB-2.0-Geschwindigkeiten. Im Alltag mögen die meisten Nutzer diese Unterschiede kaum bemerken, trotzdem tut sich LG etwas schwerer mit der Argumentation das "Beste vom Besten" zu liefern.

Ein nettes Extra ist das integrierte UKW-Radio, etwas das mittlerweile viele Hersteller gestrichen haben. Ein weiteres Features, mit dem sich LG in den letzten Jahren von der Konkurrenz absetzen wollte, war die Tonqualität. Das bleibt auch heuer so, immerhin bietet das G6 einen 32-bit Quad DAC – zumindest wenn man in Asien lebt. In Europa wird hingegen einfach der Digital-Audio-Konverter von Qualcomm genutzt.

foto: andreas proschofsky / standard
Die Verbindung nach außen erfolgt mittels USB-C.

Android mit Anstrich

Als Software nutzt das LG G6 Android 7.0, und damit eine nicht mehr ganz taufrische Variante von Googles Betriebssystem, das mittlerweile bei der Version 7.1.2 angekommen ist. Eine wenig erfreuliche Entwicklung, vor allem wenn man bedenkt, dass Samsung beim S8 ebenfalls entsprechend veraltete Software ausliefert. Diese Basis ergänzt LG um das eigene LG UX 6.0, das in gewohnter Manier kaum einen Teil des User Interfaces ohne frischen Anstrich zurücklässt. Ob man den Stil mag, ist zu einem gewissen Teil Geschmackssache, klar ist jedenfalls, dass LG in dieser Hinsicht schon mal schlimmer war – ob all die Änderungen irgendwie sinnvoll sind, ist dann natürlich noch einmal eine ganz andere Frage.

Beim Home Screen orientiert sich das G6 recht augenscheinlich am iPhone und verzichtet auf einen App Drawer, wie er unter Android sonst üblich ist. Dabei werden die meisten Apps in Ordnern am zweiten Homescreen organisiert, sonderlich übersichtlich ist dies nicht. Wer will kann aber natürlich einfach einen anderen Launcher installieren, LG hat hier selbst einen eigenen mit klassischem Design im Angebot.

Reichlich "Pech" hat LG mit einem zunächst groß beworbenen Feature: Bei der Vorstellung betonte das Unternehmen stolz, dass das G6 das erste Nicht-Google-Smartphone sein wird, das mit dem Google Assistant ausgeliefert wird. Mittlerweile sind allerdings einige Wochen ins Land gezogen und der Google hat sich zwischenzeitlich entschlossen seinen digitalen Assistenten einer wesentlich breiteren Masse via simplem Update zur Verfügung zu stellen. So ergibt es sich, dass selbst Samsungs Galaxy S8 mittlerweile mit dem Google Assistant aufwarten kann.

screenshots: andreas proschofsky / standard
Der Homescreen (Bild 1) kommt ohne App Drawer aus, alles andere verschiebt LG in Folder (Bild 2). Die Schnelleinstellungen erweitert LG um zusätzliche Einträge (Bild 3). So begrüßenswert es ist, dass LG die Zustimmung zu einzelnen Punkten bei der Einrichtung optional macht, so kontraproduktiv ist es, das bei Software-Updates abzufragen (Bild 4). Einige von LGs Apps sind von geradezu miserabler Qualität (Bild 5).

Softwareabsurditäten made by LG

So bleiben als Alleinstellungsmerkmal eine Reihe von mehr oder – vor allem – weniger gelungenen Eigenentwicklungen von LG selbst. Ein Paradebeispiel ist hier LG SmartWorld, also LGs eigener App Store: Schon der Start der App ist nur etwas für besonders geduldige Personen, im Test dauerte es rund eine Minute bis die Inhalte dargestellt wurden. Bei der Suche kann man dann für jeden eingegebenen Buchstaben wieder ein paar Sekunden abwarten. Warum LG so etwas seinen Usern zumutet, bleibt ein Rätsel. Zumal es schlicht – und das trifft für viele LG-Anpassungen zu – keinen guten Grund dafür gibt. LG sollte seinen App Store einfach ersatzlos streichen, und die dort versammelten Themes und eigenen Apps stattdessen über den Play Store ausliefern.

Um das klar zu machen, es geht hier nicht darum Änderungen an Android prinzipiell schlecht zu reden, es gibt durchaus Hersteller, die sinnvolle Erweiterungen der Google-Basis vornehmen. Doch was LG hier macht, ist größtenteils "Änderung um der Änderung Willen", damit erweist man den eigenen Usern jedenfalls ganz sicher keinen Dienst.

Neben dem Sammelsurium an LG-Apps gehören auch noch die gewohnten Google-Programme zu den den vorinstallierten Softwarekomponenten. Hangouts und Google Play Movies finden sich mittlerweile nicht mehr im Default-Install, dafür wandert nun aber die Video-Chat-App Duo auf alle Smartphones – was sich durchaus auch als Bloatware kritisieren lässt. Zu den "empfohlenen Apps" gehören Instagram und Facebook, wobei "empfohlen" in dem Fall heißt, dass sie beim ersten automatischen App-Update von selbst installiert werden.

foto: andreas proschofsky / standard
Als Software wird von Haus aus Android 7.0 mit LG UX 6.0 geliefert.

Updates?

Gerade angesichts wachsender Sicherheitsbedenken ist die Frage der Update-Versorgung in den letzten Jahren immer mehr in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Hier lässt sich natürlich keine fixe Prognose für das G6 machen, aber zumindest bietet das bisherigen Verhalten von LG in dieser Hinsicht gewisse Anhaltspunkte. Neben Samsung gehört LG zu jenen Herstellern, die sich dem monatlichen Sicherheitsprogramm von Google verschrieben haben. Dies ist löblich, bei der Umsetzung gibt es aber noch einigen Optimierungsbedarf, so verspricht LG monatliche Updates nur für manche seiner Topgeräte, je nach Provider könnten aber selbst bei diesen Aktualisierungen nur vierteljährlich oder noch seltener kommen, heißt es vage. Zudem zeigt die Erfahrung, dass der Update-Support nach einem Jahr deutlich schlechter wird – das trifft freilich auch auf die meisten anderen Hersteller zu.

Geht es um Aktualisierungen auf neue Android-Generationen, ist LG üblicherweise recht schnell – zumindest wenn es um die diesbezügliche Presseaussendung geht. Der globale Rollout zieht sich dann meist über viele Monate, hier nutzt man schlicht einzelne Länder als Testfeld, um in dieser Hinsicht positive Schlagzeilen zu bekommen. Und auch hier gilt: Das ist der Bestfall für das erste Jahr. Nach aktuellem Stand wird das LG G4 sein Update auf Android 7 etwa erst im Herbst erhalten, und damit ein ganzes Jahr nach dessen Veröffentlichung.

Sorgen könnte theoretisch auch die Nutzung des nicht mehr ganz neuen Snapdragon 821 bereiten, immerhin ist angesichts bisheriger Erfahrungen davon auszugehen, dass Qualcomm den Support für diesen Chip in etwas mehr als zwei Jahren einstellen wird. Andererseits wäre aber wohl ohnehin nicht erwartet worden, dass LG das G6 wesentlich länger mit Updates versorgen würde.

foto: andreas proschofsky / standard
Im direkten Vergleich ist das Samsung Galaxy S8 etwas schmäler, obwohl es nominell den größeren Bildschirm aufweist. Dies ist allerdings vor allem auf das seitlich gebogene Edge-Display zurückzuführen.

Verfügbarkeit

Das LG G6 ist bereits in Österreich verfügbar, und wird dabei auch bei den großen Netzanbietern A1, T-Mobile und "3" geführt. Der Preis ohne Mobilfunkvertrag liegt bei 749 Euro, es gibt die Farbvarianten Weiß, Schwarz und Silber.

Fazit

Bei all der erwähnten Kritik: LG liefert mit dem G6 ein durchaus gutes Smartphone ab, das sowohl mit hoher Performance als auch einer guten Kamera und auch sonst ansprechender Hardware punkten kann. Das Problem dabei: Eben all das ist nur "gut" und nie wirklich herausragend. Egal bei welcher Komponente, immer hat irgendein anderer Hersteller die Nase vorne, und sei es auch nur knapp. Dass das Design weniger auffällig ist als jenes von Samsungs Galaxy S8 macht es dem Gerät zusätzlich schwer, und mit seinen eigenen Softwareanpassungen bereitet sich LG ebenfalls keine Freude. Ebenso wenig wie damit, dass man gewohnte Alleinstellungsmerkmale von LG-Smartphones – wie den tauschbaren Akku – gestrichen hat.

In Summe wird es für LG schwer werden, mit dem G6 zu neuen Höhenflügen am Smartphone-Markt aufzubrechen – vor allem wenn man den Preis bedenkt. Wäre das Gerät ein paar hundert Euro billiger, würde die Beurteilung wohl ganz anders aussehen. So ist es aber schwer, zu argumentieren, warum jemand deutlich mehr Geld für ein G6 als etwa für ein OnePlus 3T ausgeben soll. Der fast rahmenlose Bildschirm an der Front ist zwar nett, aber das alleine wird LG kaum den ersehnten Verkaufserfolg bescheren. (Andreas Proschofsky, 26.4.2017)

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