Nach Klage aus Moskau gegen Bank Winter Verfahren in Wien eröffnet

21. April 2017, 12:53
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Streit um Wertpapierleihe mit "National Bank Trust" – Wiener Bank bestreitet Vorwürfe: Der Bank Winter wurde das Ziel der Transaktion verschwiegen

Wien/Moskau – Nach einer Klage, die die Moskauer National Trust Bank (NBT) voriges Jahr gegen die Wiener Bank Winter & Co. AG eingebracht hat, wurde am Handelsgericht Wien Ende Februar 2017 ein Verfahren eröffnet, schreibt der "Trend". "Die Klage entbehre jeder Grundlage, sagt die Bank Winter. Sie bereitet Widerklage vor. Am 13. Juni ist laut Magazin im laufenden Verfahren (AZ: 11Cg 56/16x) zweite Tagsatzung.

Gestritten wird seit längerem um ein Treuhandgeschäft in Form einer "Wertpapierleihe" über 61,5 Millionen Dollar (57,3 Mio. Euro), das die Bank Winter (Vorstände: Thomas Moskovics und Florian Botschen) – von 2011 bis 2013 für die NBT und deren damalige Eigentümer abgewickelt und dafür knapp 11,4 Mio. Dollar an Provisionen kassiert hat.

Die NBT musste 2014 von der russischen Einlagensicherung vorm Bankrott bewahrt werden. Den seither flüchtigen Ex-Eignern wird vorgeworfen, die eigene Bank und ihre Anleger um 1,8 Mrd. Dollar erleichtert zu haben. Die Bank Winter sei, so die vom "Trend" zitierte Klage des Moskauer NBT-Nachfolgemanagements, Teil des "Schneeballsytems" gewesen. In den Vorwürfen an die Wiener Bank ist von Beihilfe zur Bilanzfälschung und Verletzung der Sorgfaltspflichten zur Bekämpfung von Geldwäscherei die Rede.

In einer Stellungnahme wies die Bank Winter alle Vorwürfe zurück und beschied dem "Trend" zu der umstrittenen Wertpapierleihe: "Die Mittel des Geschäftes flossen wieder an die Klägerin (National Bank Trust) zurück... Gegen Vertreter der Klägerin wurde in Russland ein Strafverfahren durchgeführt. Das russische Gericht hat festgestellt, dass Bank Winter gutgläubig gehandelt (und) redlich, im Rahmen des üblichen Interbanken-Geschäftsverkehrs, ein Treuhandgeschäft abgeschlossen hat." Die Wertpapierleihe sei nach international geltenden IFRS-Regeln korrekt bilanziert worden. "Kein Mitarbeiter unseres Instituts hat von kriminellen Machenschaften etwas gewusst", wird Winter-Vorstand Botschen zitiert. Da es keinen Schaden gegeben habe, sei der Fall eigentlich erledigt. Auch die FMA sei umfassend informiert worden. Der Bank Winter sei, so heißt es im Bank-Statement, das "tatsächlich gewollte Ziel der Transaktion verschwiegen worden", und das sei für sie auch nicht erkennbar gewesen. (APA, 21.4.2017)

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