"Nichts fehlt – außer dir": Du bist meine Boje

25. April 2017, 10:36
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Sandra Quadflieg und Ulrich Tukur lesen aus der Korrespondenz des surrealistischen Poeten Yvan Goll und seiner Frau Claire

Die Literaturgeschichte kennt Yvan Goll (1891-1950) als heute wenig gelesenen, surrealistischen Poeten und seine Frau Claire (1890-1977) als zänkische Nachlassverwalterin, die Paul Celan des Plagiats beschuldigte (zu Unrecht). Sie waren aber auch große Liebende, acht Jahre lang in einer Ménage-à-trois, weil Yvan sich in die Vorarlberger Dichterin Paula Ludwig verliebt hatte.

2013 kam, 1500 Seiten stark, ihre Korrespondenz heraus, ein heißkalter, vulkanischer, donjuanesker wie donquichottischer Liebesbriefwechsel von 1917 bis zu Golls Krebstod. Himmelhochverführend ging es darin zu, melancholisch, auch alltäglich, wenn es um Geldsorgen geht, sehr oft spontan aufs Papier geworfen, einmal hochfahrend, dann verzweifelnd.

Die Schauspielerin Sandra Quadflieg hat eine Auswahl der Extremintensitätsepisteln der beiden, die nicht ohne und selten gut miteinander leben konnten, klug zusammengestellt. Ulrich Tukur als Yvan Goll ist eine sehr gute Wahl, Quadfliegs Stimme hingegen klingt hie und da etwas dünn. (Alexander Kluy, Album, 25.4.2017)

Claire und Yvan Goll, "Nichts fehlt – außer dir". € 22,50 / 157 min. Random House Audio, München 2017

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