Von Pflanzen hergestellte Antikörper schützen gegen Marburgvirus

21. April 2017, 11:33
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Wiener Forscherin nach Versuchen an Affen: "Was diese Studie einzigartig macht, ist, dass wir einen vollen Schutz beobachtet haben"

Wien – Vor kurzem stellen Wiener und US-Forscher mit Hilfe von gentechnisch veränderten "Designer-Pflanzen" Antikörper gegen Marburg- und Ravn-Viren her. Und die im Fachblatt "Science Translational Medicine" vorgestellte Methode hatte Erfolg: Rhesusaffen, die mit den gefährlichen Viren infiziert worden waren, überlebten durch die Verabreichung der so gewonnenen MR191-N-Antikörper – und zwar allesamt.

Die Wiener Wissenschafter um Herta Steinkellner vom Department für Angewandte Genetik und Zellbiologie der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien haben bereits mehrfach auch menschliche Antikörper – etwa gegen HIV- oder Ebola-Viren – in gentechnisch veränderten Tabakpflanzen produziert. In der aktuellen Studie, die zusammen mit US-Kollegen von der University of Texas, der kalifornischen Firma Mapp Biopharmaceutical Inc. und dem Vanderbilt University Medical Center in Tennessee entstand, lag der Fokus auf der Suche nach einem Mittel gegen zwei Vertreter der Gruppe der Filoviren.

Viren mit verheerender Wirkung

Zu den Filoviren gehören besonders gefährliche Arten, etwa Ebola oder auch Marburg und das nahe mit diesem verwandte Ravn-Virus. "Seit dem ersten anerkannten Ausbruch der Marburg-Viruserkrankung im Jahre 1967 hat sich die Erkrankung bei etwa 80 Prozent der infizierten Personen als tödlich erwiesen", schreiben die Forscher.

Marburg- und Ravn-Viren verursachen zuerst hohes Fieber, Erbrechen und Durchfall. Im weiteren Verlauf kann es dann in vielen Fällen zu inneren und Hautblutungen sowie zum gefürchteten hämorrhagischen Fieber kommen. Dabei entstehen schwerste Gewebe- und Organblutungen, die in Multiorganversagen münden können. Die Patienten verbluten sozusagen innerlich und äußerlich.

Neue Hoffnung

Bisher fehlt es an Möglichkeiten zur Behandlung, so die Forscher. Auf der Suche nach einer Therapie isolierten sie bereits vor der aktuellen Untersuchung MR191-N aus dem Blut eines Patienten, der eine Marburg-Infektion überlebt hatte. Die in den Pflanzen hergestellten Antikörper wurden dann Rhesusaffen einmal vier und dann sieben Tage nach der Infektion verabreicht.

Das Ergebnis: Von der Primaten-Gruppe, die die MR191-N-Dosierung erhielt, überlebten alle, während aus der Kontrollgruppe (ohne Gabe von MR191-N) sämtliche Tiere starben.

"Was diese Studie einzigartig macht, ist, dass wir einen vollen Schutz beobachtet haben", so Steinkellner. Diese Ergebnisse lassen laut den Wissenschaftern auf die Entwicklung einer effizienten Therapie hoffen. Für Steinkellner ist die Studie zudem ein neuerlicher Beleg für die Möglichkeiten des Einsatzes der in Wien entwickelten "Designer-Pflanzen". (APA, red, 21. 4. 2017)

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