Top-Managerinnen: "Es ist nie nur ein leichter Marsch"

24. April 2017, 18:00
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Drei selbstbewusste Frauen, die nicht schön- oder herumreden: Haltung, Disziplin, Leistung – und auch Loslassen nennen sie als Karriereingredienzen

"Drei Frauen im Vorstand, das ist wohl ein Zeichen. Die Dinge sind im Fluss, herkömmliche Strukturen brechen auf." Die drei ÖBB-Vorständinnen Silvia Angelo (Infrastruktur, Ressort Finanzen, Markt, Service), Evelyn Palla (Personenverkehr) und Valerie Hackl (Personenverkehr) haben kein Problem damit, als eine noch seltene Spezies auch "hergezeigt" zu werden. Sie nehmen's mit Humor, wollen "Gleichstellung ja noch erleben und nicht noch 170 Jahre warten" und mit "ausgewogenen Teams, das betrifft viele Aspekte, nicht nur die Geschlechtergerechtigkeit" beitragen. Jede spricht für sich, dennoch sprechen sie auch gemeinsam. Nicht abgesprochen, aber durchaus nicht unähnlich – ausgenommen unterschiedliche Lebenswirklichkeiten wie etwa Kinder.

In der ÖBB-Lounge am Hauptbahnhof. Die drei Frauen nebeneinander, im Hintergrund die Abfahrtsanzeigen. Es wird konzentriert geredet, mit Bedacht aber nicht eingeübt oder vorgefertigt. Keine fällt der anderen ins Wort, es gibt keine Ablenkungen oder künstliche Verzweigungen. Keinen "besseren" Platz in der ersten Reihe. Und es wird gelacht. Laut und herzhaft.

Ein "kränkendes Geschäft"?

Ob für sie in der ersten Reihe auch zutreffe, was ihre Aufsichtsratschefin, Brigitte Ederer, in Interviews sagte, dass es auch ein "kränkendes Geschäft" sei?

Kein schnelles "Ja". Zuerst eine Pause. Man könne doch nicht erwarten, dauernd gestreichelt zu werden. Eine gewisse "persönliche Gefestigtheit" sei Voraussetzung, sagt Valerie Hackl. Einzig Silvia Angelo – sie hat das ÖGB-Büro in Brüssel geleitet, führte zuletzt die Wirtschaftspolitik der Wiener Arbeiterkammer, bevor sie im Jänner des Jahres in den ÖBB-Vorstand berufen wurde – sagt klar: "Ja, das ist auch so, aber ich leiste meinen Beitrag, damit sich das ändert. Wertschätzung und Deutlichkeit schließen einander nicht aus." Das sei auch ein Auftrag.

Was es denn also gelte, auszuhalten? Zuerst wird Arbeitsbelastung ins Treffen geführt, Dichte und schnelle Abfolge, Gleichzeitigkeit von Themen. Es gehe wohl auch darum, sagt Silvia Angelo, "loszulassen". Und zwar vom Anspruch immer und überall top perfekt zu sein. Das Ergebnis hänge eben vom Agieren vieler anderer auch ab. Alles kontrollieren, steuern zu können, das gehe nun einmal nicht. Das betreffe auch das Private oder die sogenannte Balance: "Ich kann eben nicht jede Hausübung meines Kindes mitmachen, ich kenne nicht jeden Schularbeitsstoff im Detail. Überall zu jedem Zeitpunkt perfekt zu sein – an diesem Anspruch wird man scheitern."

Haltung und Disziplin

Als Motoren ihrer Karriere, als Ingredienzen nennen alle drei Ähnliches: Durchhalten, Dranbleiben, Disziplin. Hackl: "Das Wollen aus sich heraus, das muss eine Haltung sein." Dass ihr zehn Jahre Leistungssport in Rhythmischer Gymnastik dabei eine gute Schule waren, sagt sie dazu. Sie kommt aus der Beratung bei Bain & Company, hat Teach for Austria mit aufgebaut, startete 2012 als Vorstandsassistentin und wurde Ende 2015 in den ÖBB-Vorstand berufen.

Das private Umfeld, sagt Evelyn Palla, könne ein sehr großes Hindernis sein, man benötige eben auch eine Umgebung, die den Weg, die Karriere zulässt, einen nicht andauernd in Konfrontationen mit "besseren, passenderen" Lebensmodellen bugsiert. Aber: "Es ist nie nur ein leichter Marsch." Palla hat neben dem Gymnasium Klavier studiert und wurde in Bozen zur Pianistin ausgebildet. Ihr Berufsweg beginnt in der Energiewirtschaft (Siemens, E.ON), 2011 wird sie Leiterin des Controllings, dann des Einkaufs im ÖBB-Personenverkehr, 2015 Vorständin.

Sich etwas zutrauen

Explizit gefällt allen Dreien die Entwicklung vieler Frauennetzwerke, in Unternehmen wie dem ihren und auch übergreifend. Aber haben die denn Impact? "Man muss der Sache auch ein bisschen Zeit einräumen. Man wird die Früchte ernten können", so Hackl.

Aufzeigen, sich mutig etwas zutrauen und die Selbstkritik etwas zähmen, das raten die Drei jungen Frauen. Und natürlich auch die eigenen Interessen zu pflegen. Musik wie Evelyn Palla, Sportgymnastik, Sport in den Bergen und in Wäldern (Hackl), oder wie Silvia Angelo: das Kickboxen. (Karin Bauer, 24.4.2017)


  • Gut gelaunt mitten am Hauptbahnhof: ÖBB-Vorständinnen Silvia Angelo (1969), Evelyn Palla (1973) und Valerie Hackl (1982).
    foto: andy urban

    Gut gelaunt mitten am Hauptbahnhof: ÖBB-Vorständinnen Silvia Angelo (1969), Evelyn Palla (1973) und Valerie Hackl (1982).

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