Österreichs häufigste Ortsnamenendungen: -berg, -dorf, -ing, -bach

Infografik22. April 2017, 16:00
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24.126 Städte, Märkte und Dörfer gibt es hierzulande. Welche sind die häufigsten Ortsnamenendungen, und wo gibt es besondere regionale Verteilungen?

Die häufigsten Ortsnamenendungen in Österreich sind -berg, -dorf, -ing und -bach. Das zeigt eine Auswertung eines Datensatzes des Bundesamts für Eich- und Vermessungswesen. Darin sind alle Orte und Siedlungen mit Bevölkerung enthalten – insgesamt 24.126 Städte, Märkte und Dörfer. Gewässer-, Berg- und Gebietsnamen sind ausgespart. Wer die häufigsten Grundwörter – Wörter, die Bedeutung und Herkunft des Ortes beschreiben – auf eine Karte projiziert, der findet viele verschiedene Muster. Sie geben einen Einblick in siedlungsgeschichtliche Phase. Grob einteilen lassen sich die Ortsnamen in jene, die

  • auf die Siedler selbst zurückgehen (-ing),
  • auf die Lage der Siedlung verweisen (-berg, -bach),
  • religiöse Hintergründe haben (Sankt, -kirchen),
  • auf die Siedlung als solche verweisen (-dorf, -heim) oder
  • nach einer Rodung benannt sind (-schlag, -brand, -reit).

An der Spitze der häufigsten Ortsnamen liegt eine Endung, die auf die Lage des Ortes verweist: -berg.

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Im "Land der Berge" ist das kaum verwunderlich. Aber viele Orte tragen diese Bezeichnung in sich, ohne in der Nähe eines "echten" Berges angesiedelt zu sein. Vielfach reichte schon ein kleiner Hügel. Beispielhaft zeigen einige Orte im Machland, dass es für einen -berg-Ortsnamen kein Gebirge braucht. Allerdings ist auch die Bevölkerungsdichte im hochalpinen Gebirge niedriger als in normalen Höhenlagen.

-dorf weist auf Siedlung selbst hin

Direkt nach einer Siedlung selbst sind Orte mit der Endung auf -dorf benannt. Das ist österreichweit 2.027-mal der Fall. Vor allem in Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und Kärnten kommt dieser Siedlungsname häufig vor.

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Siedlungsnamen auf -bach hingegen beschreiben Orte nahe einem kleinen Wasserlauf. Es ist mit 1.128 Orten das dritthäufigste Grundwort.

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Weniger eindeutig ist die Herkunft von Siedlungsnamen auf -ing. "Es gibt etwa acht verschiedene Möglichkeiten, wo das -ing herkommen könnte. Eindeutig ist das nie", sagt Peter Ernst, Sprachwissenschafter an der Universität Wien. Deshalb ist die Endung -bach auch vor -ing einzuordnen. In diesen Visualisierungen werden alle Varianten in einen Topf geworfen und etymologische Hintergründe nicht berücksichtigt. Wissenschaftlich korrekter, aber mit der vorhandenen Datenbasis nicht zu erstellen wäre eine differenzierte Variante.

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Die zwei häufigsten -ing-Formen gehen auf deutschsprachige Siedler aus dem heutigen Bayern beziehungsweise auf vormals slawische Ortsnamen zurück. Im ober- und niederösterreichischen Flachland sind Siedlungsnamen auf -ing germanisches Erbe. Besiedelt wurde diese Region großflächig zu Beginn des neunten Jahrhunderts unter Karl dem Großen. Die Endung drückt die Zugehörigkeit zu einer Person oder einem Personenkreis aus. Der slawische Ursprung trifft auf Orte zu, die heute unechte -ing-Namen tragen. Das sind Orte, deren -ing nicht ursprünglich ist, sondern im Slawischen -nik lautete. Besonders im Süden Österreichs wird -ing auch als Endsilbe für Gewässer und Berge gebraucht.

-au für Bachläufe und überschwemmte Wiesen

Auf das Umfeld weisen Siedlungen mit der Endung -au hin. Sie gehen auf mäandrierende Bachläufe oder im Frühjahr überschwemmte Wiesen zurück. Auwälder an größeren Flüssen sind damit meist nicht gemeint. 72 Orte in Österreich heißen nur "Au." Damit ist es der häufigste Ortsname in Österreich.

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Regional eindeutiger zuzuweisen sind Siedlungsnamen auf -egg. Sie sind vor allem im Südosten geläufig. Die Herkunft ist schwierig zuzuordnen.

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"-egg-Ortsnamen könnten auch eine Modeerscheinung bei mittelalterlichen Burgenbenennungen gewesen sein", sagt Karl Hohensinner. Er ist Sprachwissenschafter am Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich. Überhaupt komme es in der Geschichte immer wieder vor, dass manche Ortsnamenendungen in einem Jahrhundert beliebt sind, im nächsten aber nicht mehr verwendet werden.

Ortsnamen mit der Endsilbe -hof beschreiben ein ländliches Anwesen. Das kommt österreichweit 514-mal vor.

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Auch religiöse Ereignisse können Hintergrund für einen Ortsnamen sein. So ist es bei Orten, die ein Sankt im Namen tragen. Das kommt bei 480 Siedlungen vor und geht auf Heilige zurück, die Patrone für die örtliche Kirche waren.

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Hinter Ortsnamen mit -heim steht die Besiedlung durch baierische Siedler zu Beginn des achten Jahrhunderts. Wie auch -dorf weist -heim auf die Siedlung selbst als Wohn- und Heimstätte hin. Allerdings ist sie typisch nur für Oberösterreich.

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Orte, die auf -schlag enden, sind regional sehr eingegrenzt zu finden. Die meisten befinden sich im nördlichen Oberösterreich und im niederösterreichischen Waldviertel. Sie gehen auf das Abschlagen von Bäumen im Hochmittelalter zurück, meist auf eine Hochwaldrodung.

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Die meisten dieser Namen haben sich vor Jahrhunderten entwickelt. In jüngeren Jahren sind Siedlungen öfter nach Persönlichkeiten benannt worden. "Langjährige Bürgermeister oder andere Politiker beziehungsweise Persönlichkeiten wurden vor allem in den 60er- und 70er-Jahren gerne herangezogen", sagt Wissenschafter Hohensinner. Beispiele dafür sind etwa in Oberösterreich zu finden: In St. Georgen bei Grieskirchen gibt es die Ferdinand-Huber-Siedlung. Benannt ist sie nach dem gleichnamigen ehemaligen Bürgermeister. (gart, fin, 22.4.2017)

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