Macho und Trump-Freund muss gehen: Bill O'Reillys Ende bei Fox News

20. April 2017, 18:07
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Der Haussender des konservativen Amerika trennt sich nach Vorwürfen sexueller Belästigung vom Starmoderator

Washington – Wendy Walsh kann ihre Genugtuung nicht verbergen. Es habe etwas von einer tektonischen Plattenverschiebung, sagt sie, wenn ein Unternehmen die Rechte von Frauen über seinen Gewinn stelle. "Heute hat eine neue Ära begonnen", sagt die Frau, deren Schilderungen dazu beitrugen, einen Quotenkönig vom Thron zu stürzen. Angesichts nicht enden wollender Vorwürfe der sexuellen Belästigung trennt sich der konservative Nachrichtensender Fox News von Bill O’Reilly, seinem erfolgreichsten Moderator.

Vier Millionen Zuschauer

Seit 1996 war der hochgewachsene Talkmaster nicht nur ein Aushängeschild des Kanals, er war auch ein früher Wegbereiter jener populistischen Polemik gegen die sogenannten Mainstream-Medien, wie sie Donald Trump im Wahlkampf auf die Spitze trieb. Im Namen des Bürstens gegen den politisch korrekten Strich lockte er Abend für Abend rund vier Millionen Zuschauer vor die Bildschirme.

Stimme des Stammtischs

Mit Trump verbindet ihn eine lange Freundschaft, regelmäßig interviewte er den früheren Bauunternehmer, der es wiederum genoss, politisch inkorrekte Antworten zu geben. O’Reilly, kann man sagen, war die Stimme des Stammtischs. Pikanterweise stolperte er über einen Skandal, den er fast schon ausgesessen zu haben glaubte.

Trumps "feiner Kerl"

Angefangen hat es vor drei Wochen, als die "New York Times" brisante Details enthüllte. Demnach soll der 67-Jährige insgesamt 13 Millionen Dollar Schweigegeld an fünf Frauen gezahlt haben, um drohende Klagen wegen sexueller Nötigung abzubiegen. Bei Fox bekannten sie sich dennoch zu ihrem Star, aus dem Weißen Haus waren aufmunternde Worte zu hören. O’Reilly sei ein feiner Kerl, sagte Trump. "Ich glaube nicht, dass Bill etwas Falsches getan hat."

BMW, Mercedes, Toyota

Renommierte Werbekunden des Senders sahen das anders. Um nicht in die Nähe eines grapschenden Machos gerückt zu werden, zogen mehr als fünfzig Unternehmen ihre Aufträge zurück, darunter Autobauer wie BMW, Mercedes-Benz und Toyota, der französische Pharmakonzern Sanofi oder Allstate, eine amerikanische Versicherung. Frauenrechtlerinnen riefen zum Boykott auf, über New York kreisten Privatflugzeuge mit dem Banner "Fox: Drop O’Reilly!" (Werft O’Reilly raus!). Und Wendy Walsh, nicht einbezogen in den Vergleich mit den fünf Frauen, begann in aller Öffentlichkeit über die Zudringlichkeiten des bestens vernetzten Medienmenschen zu reden.

Spartensender alter Männer

O’Reilly, so das Muster, machte Mitarbeiterinnen oder auch weiblichen Gästen seiner Talkshow eindeutige Avancen. Ließen sie ihn abblitzen, drohte er mit karrierebremsenden Konsequenzen. Als Walsh auspackte, entschloss sich schließlich auch Rupert Murdoch, der australische Medienmogul, zu dessen Imperium Fox gehört, zu einer Kehrtwende. Was er befürchtet, ist ein bleibender Imageschaden.

Erst im vorigen Sommer musste Roger Ailes, der damalige Chef des Haussenders der Konservativen, wegen eines Sexskandals zurücktreten. Später wechselten zwei prominente Moderatorinnen, Megyn Kelly und Greta van Susteren, zur Konkurrenz. Fox, so dürfte es Murdoch gesehen haben, drohte zu einem Spartenkanal für alte Männer zu verkommen.

Besuch beim Papst

Dabei hatte der Magnat seinem vermeintlich besten Pferd im Stall lange die Treue gehalten. Obwohl die Vorwürfe bereits die Runde machten, bekam O’Reilly einen neuen Dreijahresvertrag, dotiert mit 18 Millionen Dollar pro Jahr. Noch am Mittwochmorgen schüttelte er im Vatikan die Hand von Papst Franziskus. Dann ging alles sehr schnell.

Kurz bevor er am Ende seines Osterurlaubs in Italien ein Flugzeug bestieg, um nach New York zurückzukehren, erfuhr er von seiner Entlassung. Bill O’Reilly sei eine der angesehensten Persönlichkeiten in der Geschichte des Kabelfernsehens, schrieben die Murdochs, Rupert und seine Söhne James und Lachlan, in einem Brief an die Mitarbeiter. Nach gründlicher Prüfung habe man sich jedoch gegen seinen Verbleib bei Fox entschieden. Donald Trump meldete sich zunächst nicht zu Wort, nicht mal via Twitter. (Frank Herrmann, 20.4.2017)

  • Zwei Jahrzehnte O'Reilly's Arbeitsplatz: Das Studio bei Fox News.
    foto: ap photo/jeff christensen

    Zwei Jahrzehnte O'Reilly's Arbeitsplatz: Das Studio bei Fox News.

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