Die Lauflust der Drillingsschwestern Luik

    21. April 2017, 07:45
    118 Postings

    Vor zehn Jahren begannen Leila, Liina und Lily Luik zu laufen. Vor sieben Jahren intensivierten sie das Training. Im Vorjahr waren sie die ersten Drillinge, die gemeinsam bei Olympia antraten. In Rio absolvierten sie den Marathon. Am Samstag laufen sie in Wien

    Wien – Leila, Liina und Lily Luik müssen oft ihre Namen nennen. Zwar haben die Schwestern aus Estland einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt. Aber die eineiigen Drillinge (31) sind nicht auseinanderzuhalten.

    Im Vorjahr ging die Geschichte der marathonlaufenden Schwestern aus Tartu durch die Medien. Erstmals hatten sich Drillinge für Olympische Spiele qualifiziert. In Rio wurde Lily 97. und Leila 114. Liina gab auf. Das gemeinsame Erlebnis sei sehr emotional gewesen, sagt Leila. Auch deshalb denken sie an eine Wiederholung in Tokio 2020. Bis dahin wollen sich die Drillinge weiter verbessern. Bis dahin ist aber noch Zeit.

    foto: apa/hans punz
    Lily, Liina und Leila Luik (von links) laufen erstmals in Wien.

    Zeit zum Trainieren, Zeit für Wettkämpfe. In Wien zum Beispiel. Am Sonntag steigt der 34. Vienna City Marathon. Leila, Lily und Liina Luik geben sich aber nicht die Maximaldistanz. Das Trio bestreitet den 10-km-Lauf am Samstag.

    Nur eine schaffte das WM-Limit

    Am liebsten würden sie alle drei gemeinsam finishen. Aber natürlich sind die Schwestern auch Konkurrentinnen. Bei der WM in London im August will Leila im Marathon einen besseren Platz belegen als Liina vor zwei Jahren in Peking. Liina war 27. Für London hat sich nur Leila qualifiziert. Lily und Liina werden ihre Schwester von zu Hause aus unterstützen. Statt in London wollen die beiden im September in Berlin die 42,195 km hinter sich bringen.

    Die Marathonbestzeiten der drei stehen bei 2:37,11 (Leila), 2:39,42 (Liina) und bei 2:40,30 (Lily). Dass sie es so weit geschafft haben, ist schon eine kleine Sensation. Zwar waren die Schwestern aktive Kinder, mit dem Laufen haben sie aber erst mit 21 angefangen. Hobbymäßig, während sie als Rettungsschwimmerinnen arbeiteten.

    Drei Jahre später intensivierten sie unter Coach Harry Lemberg das Training. "Am Anfang war das Ziel, nur aktiv zu sein", sagt Lily. Olympia sei kein Thema gewesen. "Aber wir haben uns sehr schnell verbessert, dann haben wir weiter und weiter gedacht." Olympia wurde ein Thema. Und das große Ziel.

    Laufen und Tanzen

    Eine Weile fuhren die Schwestern zweigleisig. Sie betrieben Hip-Hop- und Streetdance, nahmen an zahlreichen Wettkämpfen teil. Aber irgendwann wurde das zu viel. Vor fünf Jahren ließen sie das Tanzen sein. Gemeinsamkeiten haben sie auch so noch genug. Die Drillinge malen und schwimmen gerne. Und in Trainingscamps kann man sich zu dritt viel besser motivieren als alleine.

    foto: reuters/ints kalnins
    Im Gleichschritt: Die Drillingsschwestern Leila, Liina und Lily Luik (von links) intesivierten 24-jährig das Lauftraining. 30-jährig traten sie beim olympischen Marathon in Rio de Janeiro an.

    Privat trifft man die Schwestern aber auch getrennt voneinander an. "Wenn mich jemand auf der Straße erkennt, werde ich immer gefragt: ‚Wo sind deine Schwestern?‘", sagt Lily, die Jüngste des Trios. Leila kam am 14. Oktober 1985 eine halbe Stunde früher zur Welt.

    Während Leila und Lily getrennt voneinander in ihrer Geburtsstadt Tartu leben, hat es Liina, die Mittlere, in die Hauptstadt Tallinn verschlagen. Sie lebt dort mit ihrem Freund und macht eine Ausbildung zum Make-up-Artist. Leila arbeitet in Teilzeit im Gesundheitswesen. Lily konzentriert sich voll aufs Laufen.

    Mutter ist nicht begeistert

    Die Mutter ist von der Laufliebe ihrer Töchter übrigens nicht wirklich angetan. Liina: "Sie denkt, das ist etwas für Männer." Die Schwestern Luik – der Name heißt übersetzt Schwan – lassen sich von ihrer Laufliebe aber nicht abbringen. Wenn sie fit bleiben, wollen sie noch eine Weile weitermachen. Lily: "Wir sind noch immer jung."

    Vielleicht laufen sie nächstes Jahr in Wien den Marathon. Ihre Namen werden sie auch dann wieder nennen müssen. (Birgit Riezinger, 21.4.2017)

    Share if you care.