100 "Gast"-Sozialdemokraten in Wien

20. April 2017, 12:52
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Schon 100 Gastmitglieder wurden von der Wiener Sozialdemokratie angeworben – wie viele es werden sollen, ist nicht fixiert

Wien – Schnuppern in der Partei: Die Wiener SPÖ richtet für neu eingetretene Genossen sowie für Gastmitglieder – die sich zunächst nur befristet binden wollen – eine "Welcome-Sektion" ein. Treffen werden dort genauso organisiert wie Exkursionen oder Workshops.

Die neue Sektion gehört zu den ersten Projekten, die im Rahmen der Wiener Parteireform umgesetzt wurden und die Öffnung der SPÖ bewirken sollen.

Kennenlernen der Roten

Wiens SPÖ-Chef, Bürgermeister Michael Häupl, sprach bei der Präsentation am Donnerstag von einem "großen Kennenlernkurs" der sozialdemokratischen Wiener Familie. Im Rahmen eines einjährigen Speed-Datings soll den Neuen eine Tour durch die Partei geboten werden.

Den Teilnehmern werden die diversen Aktivitätsfelder vorgestellt, also etwa die Bezirke, die "normalen" Sektionen oder die Teilorganisationen. Der Start erfolgt im Mai. Ein Ziel, wie viele Neumitglieder man durch die Maßnahme lukrieren möchte, hat man sich nicht gesetzt, versicherte Landesparteisekretärin Sybille Straubinger.

Niedrige Hemmschwelle

Die Welcome-Sektion soll jedenfalls die Hemmschwelle niedriger machen, sich bei der SPÖ zu engagieren. Derzeit verfügen in der Bundeshauptstadt 45.000 Menschen über ein rotes Parteibuch. Rund 100 nutzen zudem die relativ neue Möglichkeit, als Gastmitglied eingetragen zu sein. Laut Häupl gibt es mehr Ein- als Austritte, die Zahl der verstorbenen Mitglieder kann laut dem Parteiobmann aber nicht kompensiert werden.

Neben der Willkommenssektion wurden auch zwei Themeninitiativen geschaffen, die eine Plattform für Diskurs und Austausch bieten sollen. Jene zum Bereich "Vielfalt" wird sich mit Fragen der Integration und des Zusammenlebens beschäftigen, die Themeninitiative "Europa" soll über den Tellerrand blicken, wie betont wurde. "Die Sozialdemokratie hat sich immer schon als internationale Bewegung verstanden", versicherte Häupl. "Wir machen die Parteireform nicht als Beschäftigungstherapie", stellte der Bürgermeister klar.

Es sei vielmehr wichtig für die größte Partei der Stadt, "maximal effizient" zu sein. Was derzeit offenbar nicht durchgehend der Fall ist. Laut dem Parteichef sind die Strukturen momentan auf rund drei Mal so viele Mitglieder ausgelegt als es tatsächlich inzwischen sind. Ziel sei somit auch, Strukturen zu "verschlanken". Die Schließung von Sektionen sei nicht ausgeschlossen, verriet Häupl: "Wir diskutieren das noch." (APA, 20.4.2017)

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