Islam für die politisch Unkorrekten – und die Medien

Video21. April 2017, 08:00
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Journalist und Blogger Khaled Diab: "Es gibt zuwenig Raum für moderate Stimmen" in den Medien

Perugia – "Islam für die politisch Unkorrekten" nennt der ägyptisch-belgische Journalist und Blogger Khaled Diab sein neues Buch, das im September bei Gilgamesh Publishing erscheint. Was da schief läuft, erklärt er im Video-Interview für derStandard.at beim Journalismusfestival in Perugia.

Zweierlei Maß

Wenn etwa ein Amerikaner eine Reihe von Menschen tötet, dann schreiben viele Medien von einer "Massenschießerei", von einem "einsamen Wolf", von einem Geistesgestörten, sagt Diab im Interview. Aber wenn ein Muslim eine Reihe von Menschen tötet, und wäre er auch nur geistig umnachtet, "dann ist er ein Terrorist".

Niemand würde einen Belgier oder einen Deutschen als "Christen" beschreiben – aber Muslime rasch allein als Muslime. Und nicht nur die nationale Identität werde da völlig überlagert, findet Diab: "Es wird getan, als wäre der Islam ein Monolith, als gäbe es nur einen Islam. Es gibt viele Islams."

Überproportional radikal

"Es gibt zuwenig Raum für moderate Stimmen", sagt Diab: Medien widmeten den radikalsten Positionen – die sich etwa der Zerstörung der westlichen Zivilisation verschrieben – unverhältnismäßig viel Raum.

Wie könnte die Berichterstattung verbessert werden? "Ladet doch mehr unterschiedliche Stimmen ein. Wir brauchen einfach mehr Vielfalt", meint Diab.

derstandard.at

(Tobias Holub, 21.4.2017)

Zum Projekt

Über das Internationale Journalismus-Festival in Perugia 2017 berichten Studierende des Instituts für Journalismus und Medienmanagement an der FH Wien der WKW – die Berichte und Videos finden Sie unter diesem Link gesammelt. http://derStandard.at/Etat veröffentlicht weitere Berichte und Videos vom Festival mit seinen hunderten Panels und Präsentationen zwischen 5. und 9. April 2017 wegen der Fülle auch nach dem Event in den folgenden Tagen.

Tobias Holub ist Student am Journalismus-Institut der FH WKW und arbeitet als freiberuflicher Fotograf in Wien.

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