Drei Tote bei Protesten in Venezuela

20. April 2017, 05:47
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Zwei Studenten und ein Soldat getötet – Opposition kündigt weitere Massendemos gegen Präsident Maduro an

Caracas – Bei Demonstrationen gegen eine drohende Diktatur und die verheerende Wirtschaftslage sind in Venezuela am Mittwoch mindestens drei Menschen getötet worden. Ein 17-jähriger Wirtschaftsstudent wurde in der Hauptstadt Caracas von einem Schuss in den Kopf getroffen und starb im Krankenhaus. In San Cristóbal kam eine 23-jährige Frau ebenfalls durch einen Kopfschuss ums Leben.

Darüber hinaus starb ein Mitglied der Nationalgarde, berichtete die Zeitung "El Nacional". Die Regierung machte Demonstranten der Opposition dafür verantwortlich. Diese kündigte für Donnerstag weitere Proteste an.

Maduro will Reservisten mit Gewehren ausrüsten

Seit Ausbruch der Proteste starben neun Menschen. Zudem wurden allein am Mittwoch 400 Personen festgenommen. Der linke Präsident Nicolás Maduro hatte als Antwort auf die Proteste angekündigt, dass die 500.000 Mitglieder der Nationalen Miliz mit Gewehren ausgerüstet werden. Die Reservistentruppe war nach dem Putschversuch 2002 gegen den damaligen Staatschef Hugo Chávez aufgestellt worden. Das Militär wurde in Alarmbereitschaft versetzt.

"Wenn heute Millionen auf die Straßen gegangen sind, müssen morgen noch mehr rausgehen", kündigte Oppositionsführer Henrique Capriles am Mittwoch an. Laut einer Einschätzung des der Opposition nahestehenden Umfrageinstituts Meganalisis sollen am Mittwoch bis zu sechs Millionen Menschen demonstriert haben. Offizielle Zahlen wurden hierzu nicht veröffentlicht. Die Opposition machte gewaltbereite Milizen der regierenden Sozialisten für die Angriffe verantwortlich, die auf Motorrädern immer wieder Angst und Schrecken unter den Demonstranten verbreiten.

Versorgungskrise trotz Ölreichtum

Seit 1999 wird das Land von den Sozialisten regiert und ist trotz der großen Ölvorkommen in seine bisher schlimmste Versorgungskrise geschlittert. Die Inflation beträgt mehr als 700 Prozent und ist die höchste der Welt. Die Polizei setzte in Caracas massiv Tränengas ein, um Demonstranten auseinanderzutreiben, während zehntausende Anhänger Maduros in roten Hemden im Stadtzentrum unbehelligt den vierten Jahrestag seiner Präsidentschaft feierten.

Die Opposition fordert Neuwahlen und macht Maduro für die schwere politische und wirtschaftliche Krise verantwortlich. Auslöser der seit Anfang April andauernden Proteste war die zeitweise Entmachtung des Parlaments durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs. Maduro warf der Opposition den Einsatz von Gewalt vor und sprach von einer Verschwörung: Die Opposition bereite zusammen mit dem Ausland eine Intervention zum Sturz der Regierung vor.

Flucht nach Brasilien

Maduro war am Mittwoch exakt vier Jahre im Amt. Wegen der Krise und der zunehmenden Gewalt haben zuletzt tausende Menschen das Land vor allem in Richtung Brasilien verlassen. Im Parlament hat das Oppositionsbündnis Mesa de la Unidad Democratica aus konservativen, liberalen, sozialdemokratischen und indigenen Parteien eine deutliche Mehrheit, ist aber de facto wirkungslos. Der von den Sozialisten dominierte Oberste Gerichtshof hob immer wieder Entscheidungen auf – und Maduro versucht mit Dekreten am Parlament vorbeizuregieren.

Das Land steht nach 18 Jahren sozialistischer Regierung vor dem Bankrott und muss fast monatlich mehrere Milliarden Euro an Auslandskrediten bedienen. Deshalb und wegen der hohen Inflation können kaum noch Lebensmittel und Medikamente importiert werden, die in Euro oder Dollar zu bezahlen sind. Der Internationale Währungsfonds rechnet damit, dass die Wirtschaftsleistung 2017 um 7,4 Prozent schrumpft. Gewalt und Repression haben stark zugenommen. (APA, 20.4.2017)

  • Ausschreitungen in Caracas.
    foto: apa/afp/parra

    Ausschreitungen in Caracas.

  • Demonstration gegen Präsident Maduro in Caracas am Mittwoch.
    foto: afp photo / federico parra

    Demonstration gegen Präsident Maduro in Caracas am Mittwoch.

  • Die Polizei setzt Tränengas gegen Demonstranten in Caracas ein.
    foto: afp photo / ronaldo schemidt

    Die Polizei setzt Tränengas gegen Demonstranten in Caracas ein.

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