WHO: Tropenkrankheiten weiter zurückgedrängt

    19. April 2017, 09:47
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    Eine Milliarde Menschen weltweit erhielt 2015 eine Therapie gegen eine Tropenkrankheit. Einige dieser Erkrankungen stehen kurz vor der Ausrottung

    Sogenannte vernachlässigte Tropenkrankheiten wie Leishmaniose, Elephantiasis (lymphatische Filariose), Flussblindheit (Onchozerkose) und ähnliche Leiden konnten in der jüngsten Vergangenheit in den betroffenen Regionen weiter zurückgedrängt werden. Diese Erfolge gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf bekannt.

    2012 war von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Plan zur Zurückdrängung von zehn aufgelisteten "vernachlässigten" Tropenkrankheiten ("Neglected Tropical Diseases" – NTDs), wenn nicht gar zu deren Ausrottung, vorgelegt worden. Es handelt sich dabei zu einem guten Teil um Parasitenerkrankungen. Außerhalb tropischer Regionen sind sie kein Problem.

    Die Erfolge sind offenbar groß: "Eine Milliarde Menschen wurden 2015 zumindest gegen eine dieser Erkrankungen behandelt. 556 Millionen Menschen bekamen eine vorbeugende Behandlung gegen die lymphatische Filariose. Mehr als 114 Millionen Personen bekamen eine Behandlung gegen die Onchozerkose", hieß es in einer Aussendung. Bei nur noch 25 registrierten Erkrankungen durch den Guinea-Wurm sei diese Tropenkrankheit knapp an der Ausrottung.

    Krankheiten zurückgedrängt

    Die Fälle von Schlafkrankheit in Afrika gingen von 37.000 im Jahr 1999 auf deutlich unter 3.000 im Jahr 2015 zurück. Gegen das Trachom, die häufigste Ursache von Blindheit, wurden 2015 rund 56 Millionen Menschen mit Antibiotika behandelt, 185.000 durch augenchirurgische Eingriffe geheilt. In Oman, Marokko und Mexiko wurde diese Gefahr für die öffentliche Gesundheit beseitigt. Die viszerale Leishmaniose konnte in weiten Teilen Indiens, in 97 Prozent der Regionen in Bangladesch und in allen Distrikten Nepals zurückgedrängt werden. Das könnte in Nord- und Südamerika auch bei der Tollwut bald der Fall sein. 2015 gab es dort nur noch zwölf Fälle der tödlich verlaufenden Erkrankung.

    Einen wesentlichen Anteil an den Erfolgen bei der lymphatischen Filariose und der Flussblindheit hat der US-Pharmakonzern MSD. Er hat im Jahr 1987 entschieden, das wirksame Medikament Ivermectin für Millionen Menschen in Afrika und Lateinamerika kostenlos bereitzustellen. Die Produktion erfolgt in den Niederlanden. Bis 2025 sollen durch das Anti-Parasitenmedikament die Flussblindheit und die Elephantiasis besiegt sein.

    Der Medizin-Nobelpreis 2015 ging zur Hälfte an William C. Campbell (USA) und Satoshi Omura (Japan), die durch die Entwicklung des Medikaments die Fortschritte erst möglich gemacht haben. Die Flussblindheit ist das Endstadium der Wurmerkrankung Onchozerkose. Übertragen wird sie durch Kriebelmücken, die in den Wäldern an Flussläufen leben. Die Mücken übertragen die Larven der Fadenwürmer, die im Körper ausreifen und wieder Larven (Mikrofilarien) bilden. Bei der Flussblindheit wandern letztere ins Auge ein. Ivermectin tötet die Mikrofilarien ab. Es wirkt sowohl gegen die Onchozerkose als auch gegen die lymphatische Filariose. (APA, 19.4.2017)

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